LeSuBiA-Studie offenbart erschreckendes Ausmaß: Gewalt gegen Kinder ist ein Massenphänomen
Kinderschutzbund fordert flächendeckende Hilfe- und Beratungsstrukturen
Mit der bundesweiten Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag" (LeSuBiA) [1] liegen endlich belastbare Daten zur Betroffenheit von Gewalt in Deutschland vor. „Die Ergebnisse sind ein Weckruf – und eine traurige Bestätigung dessen, was wir in unserer täglichen Arbeit erleben: Gewaltbelastetes Aufwachsen ist ein massives gesellschaftliches Problem, kein Randphänomen. Endlich haben wir Dunkelfeldforschung, die das wahre Ausmaß sichtbar macht. Darauf muss entschlossenes politisches Handeln folgen“, erklärt Sophia Schiebe, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein.
Die Ergebnisse zu Gewalterfahrungen in der Kindheit sind alarmierend: Jede zweite befragte Person, unabhängig vom Geschlecht, berichtet von körperlicher Gewalt durch Erziehungsberechtigte. Jede vierte Person erlebte Gewalt zwischen den Erziehungsberechtigten. Etwa jede dritte Person machte Erfahrungen mit psychischer Gewalt. 5,0 % der Frauen und 1,9 % der Männer wurden in ihrer Kindheit Opfer sexualisierter Gewalt.
Der Kinderschutzbund fordert als unmittelbare Konsequenz aus den Studienergebnissen den konsequenten Ausbau und die konsequente Stärkung des Kinderschutzes – flächendeckend in ganz Schleswig-Holstein:
- Ausbau und Vorhalten der Ressourcen für Angebote für Kinder und Jugendliche, die körperliche, sexualisierte und seelische Gewalt oder Vernachlässigung erleiden – flächendeckend, auch im ländlichen Raum
- Präventive Aspekte – Schutz durch Sensibilisierung, Vorbeugung und Aufklärung
- Akute Intervention im Krisenfall – sofort und ohne Wartezeit
- Verbindliches Angebot schaffen zur Beratung von Institutionen und Verbänden beim Thema Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt
- Landesweite Kampagne zur Aufklärung über alle Formen von Gewalt und Hilfen
„Diese Zahlen dulden keinen Aufschub. Alle Kinder und Jugendlichen in Schleswig-Holstein, egal ob in der Stadt oder im ländlichen Raum, müssen einen direkten und unkomplizierten Zugang zu hochspezialisierter Hilfe und Beratung haben. Politik ist jetzt gefordert, die notwendigen Strukturen zu schaffen und dauerhaft zu finanzieren“, so Sophia Schiebe abschließend.
[1] Leitgöb-Guzy, Nathalie; Bieber, Ina (2025): Ergebnisse der Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ I: Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften. Herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesministerium des Innern, Bundeskriminalamt.