Kinderschutzbund: Echte Investition oder eingesparte Mittel?
Zum Kita-Investitionspaket der Landesregierung
Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein reagiert irritiert auf das angekündigte Kita-Investitionspaket der Landesregierung. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Landesregierung frei werdende Mittel im Kita-System belassen will. Aber von einem ‚Investitionspaket' in Höhe von 35 Millionen Euro zu sprechen, wenn diese Summe lediglich nicht abgezogen wird, ist gewagt", stellt Sophia Schiebe, Landesvorsitzende klar. „Die Landesregierung selbst benennt die freiwerdenden Mittel als Quelle – das ist keine echte Neuinvestition." Jahrelang aufgestaute Qualitätsdefizite müssten aktiv behoben werden – und zwar mit zusätzlichem Geld.
Der Kinderschutzbund bewertet die vorgesehenen Mittel für inklusive pädagogische Fachkräfte als positives Signal. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist gut, dass das Land die inklusive Arbeit direkt in den Kitas stärken will. Allerdings darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Inklusion in der Kindertagesbetreuung nach wie vor strukturell unterfinanziert ist. Gerade jetzt, wo durch reduzierte Kinderzahlen Spielräume entstehen, hätten wir mutigere Schritte erwartet", so Sophia Schiebe.
Der Kinderschutzbund sieht einen Widerspruch darin, einerseits von Investitionen zu sprechen und andererseits den Fachkräftemangel durch betreuende Hilfskräfte zu kompensieren. Aktuelle Forschungsergebnisse der Bertelsmann Stiftung [1] zeigen, dass pädagogisches Fehlverhalten gegenüber Kindern in Kitas regelmäßig vorkommt. Heterogene Teams mit unterschiedlichen Qualifikationsniveaus bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. „Wenn wir betreuende Hilfskräfte einsetzen, müssen wir mindestens sicherstellen, dass diese systematisch für Kinderschutzthemen sensibilisiert werden", fordert die Landesvorsitzende.
Positiv bewertet der Kinderschutzbund den Ansatz, über aufsuchende Arbeit in den Familienzentren auch jene Kinder zu erreichen, die bislang keinen Zugang zur Kindertagesbetreuung haben. „Bildungsgerechtigkeit beginnt damit, dass wirklich alle Kinder einen Kitaplatz bekommen – nicht nur die, deren Familien ohnehin gut vernetzt sind. Aufsuchende Arbeit kann Brücken bauen, aber nur, wenn sie vorurteilsfrei, diskriminierungsfrei und respektvoll gestaltet wird", betont Sophia Schiebe.
Auch der Ausbau der PerspektivKitas von 50 auf 175 ist ein guter Ansatz. „Aber bei über 1.800 Kitas im Land reden wir von weniger als zehn Prozent der Einrichtungen. Das wird nicht ausreichen, um die unterschiedlichen Startchancen der Kinder in Schleswig-Holstein auszugleichen“, so Sophia Schiebe.
Der Kinderschutzbund mahnt, dass die vermeintliche Entspannung im Kita-System nicht zur Verwaltung des Mangels führen darf. „Kinderrechte gelten unabhängig von Geburtenzahlen. Gerade jetzt, wo weniger Kinder geboren werden, muss jedes einzelne Kind die optimale Förderung erhalten. Eine Gesellschaft mit niedrigen Geburtenraten kann es sich schlicht nicht leisten, auch nur ein Kind zurückzulassen", unterstreicht die Landesvorsitzende.
[1] Lagemann, Marina; Dobelmann, Noemi; Bock-Famulla, Kathrin (2025): Teamarbeit in KiTas: Zentral für Schutz und Wohlbefinden von Kindern. Praxis zeigt dringenden Handlungsbedarf. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Gütersloh