14.06.2019 08:53

Vertrauenshilfe

Vertrauenshilfe des Kinderschutzbund SH ist mehr als nur Beschwerdestelle

RENDSBURG Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein veranstaltet im Rahmen seines „Vertrauenshilfe“ Modellprojektes zur regionalen Ombudschaft heute in Rendsburg ein regionales Fachforum zum Thema ‚Ombudschaftliches Arbeiten in der stationären Jugendhilfe‘.

„Im zweiten Jahr seit Start unseres landesweiten Vertrauenshilfe-Projekts zum Ausbau der Beschwerde- und Beteiligungskultur in Schleswig-Holstein haben wir erfolgreich drei Beratungsstellen eingerichtet und die Arbeit mit Teams vor Ort aufgenommen“, fasst die Landesvorsitzende des DKSB SH Irene Johns zusammen. „Aber bei unserer Vorstellung von Vertrauenshilfe geht es um weit mehr, als nur die Installation von Beschwerdestellen. Es geht darum, die Stellung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu stärken, um einen Ausgleich zum strukturellen Ungleichgewicht gegenüber Fachkräften in der Jugendhilfe zu schaffen“, führt Johns weiter aus. Und Susanne Günther, Geschäftsführerin des DKSB SH fügt hinzu: „Chancengleichheit erreicht man durch die Unterstützung des Schwächeren auf wirklich allen Ebenen: Als kompetenter Ansprechpartner, Begleiter und Vermittler für ratsuchende Kinder und Eltern, aber ebenso durch Stärkung der Kinderrechte, Aufklärung und Beteiligung der Jugendlichen zum Beispiel durch Workshops sowie Sensibilisierung der Fachkräfte, Besuche von Einrichtungen und durch eine regionale und landesweite Vernetzung. Deshalb starten wir jetzt den nächsten Schritt der Vertrauenshilfe – mit dem ersten von vorerst drei Fachforen.“

Den Impulsvortrag im Rendsburger Kulturzentrum Hohes Arsenal hält der Vorsitzende des Bundesnetzwerkes Ombudschaft e.V. Professor Dr. Peter Schruth. „Nicht nur die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf persönliche und gesellschaftliche Beteiligung haben öffentlich deutlich mehr Akzeptanz gefunden. Auch die Notwendigkeit, den jungen Menschen einen geschützten Ort für ihre Beschwerden zu geben, ist mit dem Thema „Ombudschaftliche Beratung in der Jugendhilfe“ bis zum Bundesgesetzgeber als Bedarf auf die Agenda gelangt“ bekräftigt der Professor für Recht in der Sozialen Arbeit des Fachbereiches Sozial- und Gesundheitswesen der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Sich Beschwerden von Kindern Jugendlichen und ihren Familien als Fachkraft der Jugendhilfe bzw. Jugendamt zu stellen, ist nicht selbstverständlich und sehr herausfordernd. Mein Vortrag im Fachforum soll behilflich sein, die Möglichkeiten und Grenzen dieser besonderen Beratung vorzustellen und zu diskutieren“, so Schruth.

Weitere Fachforen zu den Themen „Beschwerdeverfahren als Bestandteil von Kinderschutzkonzepten“ und „Kinderrechte und Beteiligung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe“ sind für November 2019, bzw. März 2020 geplant. Darüber hinaus bietet die „Vertrauenshilfe“ Workshops für Kinder und Jugendliche aus der stationären Jugendhilfe zu Kinderrechten und Beschwerdemanagement an.

„Das Ziel der dreijährigen Projektphase der Vertrauenshilfe als regionaler Ombudschaft ist es, eine modellhafte Angebotsstruktur sowie bestmögliche Arbeitsweise zu erarbeiten und zu überprüfen, wie die Angebote auf weitere Regionen übertragen werden können, und die ombudschaftliche Arbeit dabei auch fachlich und jugendhilfepolitisch weiter zu entwickeln. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Verankerung der Ombudschaft in der Sozialgesetzgebung im Rahmen der SGBVIII-Reform – nicht nur als verpflichtende Handlungsrichtlinie, sondern auch als Signal. Nur so lässt sich eine nachhaltige und für alle Seiten gleichermaßen hilfreiche Beteiligungs- und Beschwerdekultur innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe dauerhaft etablieren“ betont die DKSB SH Landesvorsitzende Irene Johns.



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