29.04.2020 08:03

Tag der gewaltfreien Erziehung

Recht auf gewaltfreies Aufwachsen wird durch Corona-Pandemie auf eine harte Probe gestellt

Zum Tag der gewaltfreien Erziehung am 30.04.2020 befürchtet der Kinderschutzbund, dass das Kinderrecht auf gewaltfreie Erziehung in der Corona-Pandemie gefährdet ist. „Der Infektionsschutz vor dem neuen Coronavirus darf den Schutz der Kinder nicht ausschließen, zumal durch die anhaltenden aktuellen Maßnahmen weiterhin das Risiko besteht, dass Gewalt gegen Kinder zunimmt“, mahnt die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein Irene Johns und wiederholt die Warnung des DKSB SH, dass der Verlust von strukturgebenden Tagesabläufen und Bewegungsmöglichkeiten Kinder und ihre Eltern vor besondere Herausforderungen stelle, die zu ernstzunehmenden Konflikten führen könnten. Steigende wirtschaftliche und psychosoziale Belastungen von Familien seien zusammen mit sozialer Isolation und der fehlenden Unterstützung durch Netzwerke erhebliche Risikofaktoren dafür, dass es zu Gewalt gegen Kinder kommen könne, erläutert Johns. „Beim politischen Handeln dürfen wir das Risiko der verdeckten Gewalt gegen Kinder niemals aus den Augen verlieren. Schließlich ist durch die Schließung von Kita und Schule, auch die soziale Aufmerksamkeit deutlich geringer geworden. Eine Abfrage durch das Familienministerium bei den Jugendämtern im Land, kann vielleicht zu mehr Klarheit über die tatsächliche Lage in Familien beitragen. Vermutlich werden wir aber erst mehr wissen, wenn Kita und Schule wieder geöffnet sind“, befürchtet die DKSB SH Landesvorsitzende.

Bundesweit werden die Verordnungen zur Eindämmung der Pandemie vom Kinderschutzbund ausdrücklich unterstützt. Dennoch sind Kinderschützerinnen und Kinderschützer in ganz Deutschland irritiert, dass über die Aufnahme des Spielbetriebs der Bundesliga oder die Eröffnung von Möbelhäusern engagiert diskutiert wird, während die Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien nur eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen. „Wir greifen aktuell tief in die Grundrechte von Kindern ein: Wir isolieren sie von ihren Spielkameraden. Wir begrenzen sie in ihrem verbrieften Recht auf Bildung. Und wir enthalten ihnen ausreichend körperliche Bewegung vor. Auch das sind Formen der Gewalt. Es braucht eine Debatte darüber, wie wir Betreuungseinrichtungen und Schulen schrittweise öffnen können. Und diese Debatte muss die Bedürfnisse der Kinder im Blick haben – nicht nur die der Leistungsgesellschaft“, so DKSB-Präsident Heinz Hilgers. 

„Seit dem Jahr 2000 gilt in Deutschland das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung. Nach jahrelanger Lobbyarbeit hat der Kinderschutzbund entscheidend dazu beigetragen, dieses Recht zu verwirklichen“, erinnert die DKSB LV SH-Vorsitzende Irene Johns. Der 30. April solle jedes Jahr daran erinnern, dass die gesamte Gesellschaft die Verantwortung für das gewaltfreie Aufwachsen von Kindern trage. Zudem solle er Eltern ermutigen, ihr Ideal einer gewaltfreien Erziehung Wirklichkeit werden zu lassen, so Johns weiter.

„Der Tag der gewaltfreien Erziehung erinnert uns gerade in Krisenzeiten wie dieser daran, dass wir auch bei notwendigem sozialem Abstand immer sensibel für unser Umfeld bleiben müssen. Besonders, wenn es um das Wohl und den Schutz von Kindern geht,“ betont Irene Johns.

Telefonisch ist der Kinderschutzbund unter den Telefonnummern der jeweiligen Ortsverbände erreichbar sowie unter den entsprechenden Mailadressen. Die Kontaktdaten sind zu finden unter: https://www.kinderschutzbund-sh.de/vorort.html

Eine weitere telefonische Anlaufstelle ist darüber hinaus „Die Nummer gegen Kummer“. Sowohl für rat- und hilfesuchende Kinder und Jugendliche (bundesweit unter der Telefonnummer 116111, Mo. - Sa. 14 - 20 Uhr, zusätzlich Mo., Mi. und Do. vormittags von 10 - 12 Uhr) als auch für Eltern (bundesweit unter der Telefonnummer 0800 111 0 550, Mo. - Fr., 9 - 17 Uhr, Di. und Do. auch  bis 19 Uhr).



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