07.06.2021 11:34

Nummer gegen Kummer

Der Kinderschutzbund: Herzlicher Dank an die ehrenamtlichen Berater*innen der Nummer gegen Kummer in Schleswig-Holstein!

Ehrenamtliche Berater*innen: 14 Monate besonderer Einsatz in der Pandemie – 14 Monate Zuhören und Rat für Kinder, Jugendliche und Eltern

Seit März 2020 ist das Leben im öffentlichen und auch privaten Raum geprägt von der Coronavirus-Pandemie. Vor allem Kinder, Jugendliche und Familien sahen sich mit ungeahnten Schwierigkeiten und handfesten Problemen konfrontiert, angefangen von geschlossenen Kitas oder Schulen, über Homeschooling und Homeoffice. Aber auch teilweise gravierende finanzielle Einbußen des Familieneinkommens, Kontaktbeschränkungen, weggefallene Angebote für Sport, Musik und andere Hobbys erhöhten und verstärken in vielen Familien das Konfliktpotenzial oder verursachen gar eskalierende familiäre oder gesundheitliche Probleme.

Die Nummer gegen Kummer reagierte im Frühjahr 2020 umgehend mit erweiterten Beratungszeiten an den Kinder- und Jugendtelefonen und auch den Elterntelefonen. Die Anzahl der Beratungsgespräche stieg ruckartig und der Bedarf der Ratsuchenden konnte auf diese Weise gut aufgefangen werden.

„Die Folgen der Corona-Pandemie für Kinder, Jugendliche und Eltern sind mit Ende der dritten Welle nicht verschwunden. Für uns genau der richtige Moment, um uns bei den ehrenamtlichen Beraterinnen und Beratern an der Nummer gegen Kummer für ihren außerordentlichen Einsatz zu bedanken“, erklärt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e. V. Die bundesweite statistische Auswertung des Jahres 2020 weist eine Zunahme der Anrufe am Elterntelefon um 64 Prozent und eine Zunahme der online-Beratung am Kinder- und Jugendtelefon um 31 Prozent aus.

Eine der ehrenamtlichen Berater*innen in Schleswig-Holstein ist Astrid Bismark-Schmitt. Die sechsfache Großmutter engagiert sich seit zwei Jahren als ehrenamtliche Beraterin sowohl am Kinder- und Jugendtelefon als auch am Elterntelefon am Standort Bargteheide. „Im ersten Lockdown nahm ich vor allem die deutlich gestiegene Anzahl der Anrufe mit vielen Beratungsgesprächen wahr. Mit dem sogenannten Lockdown light im November änderte es sich von einem Tag auf den anderen, es brach geradezu aus den Kindern heraus, vor allem ältere Kinder zwischen zehn und 13 Jahren litten unter Mobbing und fühlten sich damit völlig alleine gelassen. Ihre Schule reagierte nicht und ihre Eltern waren durch die Bewältigung von Arbeit und Lockdown-Alltag für sie nicht erreichbar. Die Kinder waren verzweifelt. Worüber ich mich aber gleichzeitig freue: wie sehr die Kinder dem Kinder- und Jugendtelefon vertrauen. Einige haben gerade noch gefragt, ob das Gespräch wirklich vertraulich (‚geheim‘!) bleibt. Nach meinem ‚Ja‘ öffneten sich die Kinder mit ihren Sorgen ohne Scheu.
Genau wie ihre Mütter, ich habe noch nie so viel mit weinenden Menschen zu tun gehabt. Die Mütter haben meist in dem Moment angerufen, als sie wirklich nicht weiterwussten und völlig erschöpft waren von ihrem aufreibenden Tag zwischen Arbeit, Kinderbetreuung, Sorge um Angehörige, zunehmend eskalierender familiärer Konflikte und auch häuslicher Gewalt.
Wir sind ein tolles Team, sowohl das Miteinander der Berater*innen als auch die Unterstützung durch die Koordinatorinnen macht uns als Beratende stark. Und wenn mir mal ein Gespräch länger nachhängt, nehme ich das nicht schwer, sondern sage: Das gehört dazu, ich kann das tragen und mache das auch gern!“

In Kiel koordiniert Martina Teschner das Kinder- und Jugendtelefon und auch das Elterntelefon. „Unsere Telefone sind so stark besetzt wie nie zuvor. Sogar Berater*innen, die sich aus dem aktiven Ehrenamt zurückgezogen hatten, übernehmen auf eigene Initiative seit dem zweiten Lockdown wieder regelmäßig Beratungszeiten. Auch die Ausbildung geht weiter, derzeit noch in einem ausschließlich digitalen Format. Ein wesentlicher Bestandteil der Beratungsqualität ist das Vertrauen des Teams untereinander, das durch den regelmäßigen Austausch und Reflexion der ehrenamtlichen Beratungstätigkeit entsteht. Für mich als Koordinatorin hat sich die Arbeit verändert, das Team unter digitalen Bedingungen zusammenzuhalten ist neu, – und die Stärke des Teams ist in der Pandemie eher gewachsen. Das ist sehr wichtig, weil die Beratungsarbeit seit März 2020 noch anspruchsvoller geworden ist. Zum Beispiel konnten wir als Kieler Standort Weihnachten und Silvester/Neujahr durchgehend jeden Tag Beratung anbieten. Und die Ratsuchenden haben angerufen! Über Weihnachten hat eins der Beratungsgespräche alleine 90 Minuten gedauert, die seelische Not der Menschen war sehr groß.“

7. Juni 2021

 

Die Beratungszeiten der Nummer gegen Kummer ist bundesweit geregelt. Das Elterntelefon ist montags bis freitags durchgehend von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr, unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 111 0 550 zu erreichen. Das Kinder- und Jugendtelefon ist unter der Telefonnummer 116 111 montags bis sonnabends von 14 bis 20 Uhr für die jungen Menschen da.

 

Hintergrund:

In Schleswig-Holstein sichern verschiedene Standorte das Beratungsangebot der Nummer gegen Kummer: Das Kinder- und Jugendtelefon hat Standorte in Bargteheide, Kiel und Lübeck, das Elterntelefon in Bad Oldesloe, Kiel und Neustadt/Holstein in der Trägerschaft der entsprechenden Ortsverbände des Deutschen Kinderschutzbundes bzw. in Lübeck durch die Gemeindediakonie. Der Landesverband des Kinderschutzbundes koordiniert die Landesarbeitsgemeinschaft der Telefone in Schleswig-Holstein. In Schleswig-Holstein finanziert sich dieses Angebot über Spenden, über die Förderung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein und vereinzelt kommunale Mittel.



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