28.11.2019 20:05

Nummer gegen Kummer

Nummer gegen Kummer

KIEL Der Anti-Mobbing-Tag in Schleswig-Holstein am 2. Dezember 2019 ist Anlass für die Nummer gegen Kummer, auf das Beratungsangebot für betroffene Kinder und Jugendliche sowie Eltern von betroffenen Kindern aufmerksam zu machen. Denn Mobbing ist ein weitverbreitetes Phänomen und kommt wohl in jeder Schule vor, mehr als die Hälfte aller Schulkinder und Jugendlichen erlebt Ausgrenzung, Hänseleien oder körperliche Gewalt, etwa ein Viertel fühlt sich in der Schule nicht sicher[1]. Besonders hoch ist der Anteil an Übergriffen in Grundschulen: Knapp 30 Prozent der befragten Jungen und Mädchen geben an, im vorausgegangenen Monat von anderen Schülern gehänselt, ausgegrenzt und zudem noch "absichtlich gehauen" worden zu sein.

„Kinder hoffen zunächst, dass sich die Situation von alleine wieder bessert und warten oft ab. Dann aber rutschen sie tiefer in die Opferrolle und es wird immer schwerer für sie, jemanden um Hilfe zu bitten,“ so eine Beraterin des Kinder- und Jugendtelefons Stormarn/Lauenburg. „Bei der Nummer gegen Kummer erhalten sie Zuspruch, um dann eine Person in ihrem Umfeld um Hilfe zu bitten.“ Die Beraterinnen und Berater sind ehrenamtlich und für die Anrufenden anonym tätig.

„Der häufigste Grund für Gespräche an unseren Beratungstelefonen ist Mobbing zwar nicht, doch berichten unsere Berater und Beraterinnen, dass die anrufenden Eltern einen besonderen Leidensdruck beschreiben“, erklärt Katja Kirschall, Koordinatorin des Elterntelefons am Standort Neustadt in Trägerschaft des Kreisverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes Ostholstein.

Am Elterntelefon sprächen die Eltern von betroffenen Kindern oft zum ersten Mal über die Not ihrer Kinder und überwänden ihre eigene Scham, auch die eigene Hilflosigkeit in Worte zu fassen. „Und von da aus lässt sich in der Regel auch sehr gut ein Weg aus dem Mobbing entwickeln“, so Katja Kirschall weiter. So war es auch, als die Mutter eines 13-jährigen Mädchens anrief, weil sie und ihre Tochter alleine nicht weiterkamen. Das Mädchen wurde von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern verspottet und ausgegrenzt, es konnte im Klassenverband nicht Fuß fassen. Der Klassenlehrer des Mädchens hatte sich in seiner Reaktion überfordert gezeigt und so wusste die Mutter nicht mehr weiter. Nach einem erprobten Leitfaden sprach der Berater mit ihr. Die Mutter fühlte sich am Ende des Gesprächs gestärkt und in der Lage, in Absprache mit ihrer Tochter als nächsten Schritt Kontakt zum Schulsozialarbeiter an der Schule aufzunehmen.

„Unsere Beraterinnen und Berater sind erster Ansprechpartner für alle Fragen, Probleme und helfen in besonders kritischen Situationen. Bei Bedarf öffnen sie den Weg zu weiteren Hilfen. Und so ist es auch beim Thema Mobbing. Durch die sorgfältigen Schulungen zu besonderen Themen können die Anrufenden sich darauf verlassen, dass sie neben der Entlastung durch das Gespräch auch verlässliche Tipps zu weitergehenden Hilfen und Beratungen erhalten“, erläutert Matthias Hoffmann, Koordinator der Landesarbeitsgemeinschaft Nummer gegen Kummer in Schleswig-Holstein. Die Beraterinnen und Berater sind ehrenamtlich tätig, haben eine rund 70-stündige Ausbildung absolviert und bilden sich durch Fortbildungen zu speziellen Beratungsthemen regelmäßig weiter.



[1] Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Für die Untersuchung wurden bundesweit 3.448 Schüler und Schülerinnen im Alter zwischen acht und 14 Jahren befragt. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/childrens-worlds-2/



Zurück