22.07.2021 08:28

Kindeswohlgefährdung

Angesichts der aktuell gestiegenen Zahlen von Kindeswohlgefährdungen im Jahr 2020[1] mahnt der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein erneut eindringlich, im Zuge der pandemiebedingten Schutzmaßnahmen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie ihr Recht auf gewaltfreie Beziehung nicht aus dem Blick zu verlieren. „Die Meldungen der Jugendämter zur Kindeswohlgefährdung im Corona-Jahr sind mehr als besorgniserregend und bestätigen unsere Befürchtungen. Die Pandemie ist ein Katalysator, der die ohnehin schwierige Situation für Kinder und Jugendliche erheblich verschärft, darunter Gewaltbedingungen“, sagt die Landesvorsitzende Irene Johns. „Die Risikofaktoren für Gewalt sind im Lockdown besonders hoch. Druck, Isolation, finanzielle Belastungen, Existenzängste und Konflikte können, insbesondere in ohnehin schon belasteten Familien, dazu führen, dass es zu Gewalt gegen Kinder kommt“, warnt Johns.

Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2020 bei fast 60.600 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Damit haben die Kindeswohlgefährdungen 2020 den höchsten Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2012 erreicht. In Schleswig-Holstein wurde in 2.006 Fällen eine Kindeswohlgefährdung gemeldet, das ist ein Anstieg um mehr als 30 Prozent. „Das sind erschreckende Zahlen, die zudem nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Durch die Corona-Maßnahmen ist die soziale Aufmerksamkeit deutlich zurückgegangen. Schulen, Kitas und Sportvereine, die sonst häufig als Frühwarnsysteme fungieren, waren pandemiebedingt immer wieder geschlossen. Da bleibt vieles unentdeckt oder wird erst mit starker Verzögerung erkannt“, befürchtet Irene Johns und fordert: “ Kinder und Jugendliche müssen unbedingt umfassend im Blick behalten werden, falls es erneut zu härteren Corona-Maßnahmen kommt. Wir dürfen nicht vergessen, dass Kinder besonders schutzbedürftig sind – dem muss bei allen nötigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie Rechnung getragen werden, und zwar vorrangig!“



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