30.10.2019 10:30

Kinder psychisch kranker Eltern

6. Rendsburger Fachtagung Kinder psychisch kranker Eltern

Psychische Gesundheit von Kindern im Spannungsfeld elterlicher Erkrankung und Kindeswohl

Rendsburg/KIEL Die diesjährige Rendsburger Fachtagung Kinder psychisch kranker Eltern widmete sich heute (30. Oktober 2019) dem Thema Psychische Gesundheit von Kindern im Spannungsfeld elterlicher Erkrankung und Kindeswohl. Bereits im sechsten Jahr in Folge sind der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein und die Rendsburger imland-Klinik gemeinsam Veranstalter für diese interdisziplinäre Fachtagung mit wechselnden Einzelaspekten im Hohen Arsenal in Rendsburg.  

„Was Fachleute fordern, bringen wir nun bereits seit mehreren Jahren in die Praxis: eine systematische Zusammenarbeit von Psychiatrie und Jugendhilfe“, erklärte Susanne Günther, Landesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein. Nun schon zum sechsten Mal in Folge war die Fachtagung innerhalb von wenigen Tagen mit jeweils 300 teilnehmenden Fachkräften ausgebucht – das ist immer wieder eine Bestätigung für den sehr hohen Informationsbedarf der Fachkräfte in Schleswig-Holstein rund um Fragen zu psychisch erkrankten Eltern.

Risikofaktoren für Vernachlässigung, Gewalt oder Traumatisierung, die zu einer lebenslangen Belastung der seelischen Gesundheit führen können, sind in Familien mit psychisch erkrankten Elternteilen statistisch überrepräsentiert. „Es geht also um ein Kernthema des Kinderschutzes – die Eltern brauchen frühzeitig Hilfe und Unterstützung, damit sie ihre Kinder gut begleiten können. In Fällen, in denen ihnen das nicht möglich ist, sind die Fachleute gefordert, die Kinder gut zu begleiten und Hilfen einzuleiten“, erläuterte Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein.

Die ersten drei Lebensjahre sind für den Aufbau sicherer Bindungen, die Hirnreifung und somit für die psychische Gesundheit besonders ausschlaggebend. Zeigt sich aufgrund der elterlichen Erkrankung und Umstände eine starke Einschränkung der Erziehungsfähigkeit kann sich dies in Bindungsstörungen, Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch äußern und zu einer traumatischen lebenslangen Belastung der seelischen und körperlichen Gesundheit führen, womit der Kreislauf beginnt.

„Wir setzen uns für eine frühzeitige und standardisierte Behandlung von psychisch kranken Eltern unter Einbeziehung ihrer Kinder ein. Dadurch wird Bindungsstörungen vorgebeugt und so das Erkrankungsrisiko für die Kinder gemindert. Es ist uns ein wichtiges Anliegen Fachleute verschiedener Berufsgruppen in einen Austausch und eine Vernetzung zu bringen und auf unserem Fachtag über die Krankheitsbilder und deren Auswirkungen zu informieren“, erklärte Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin der imland Klinik Rendsburg für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik.

„Aus unserer gemeinsamen Initiative ist mittlerweile eine praxisorientierte Weiterbildung Kinder und ihre psychisch erkrankten Eltern begleiten und stärken! entstanden. Die zwölf Weiterbildungstage richten den Fokus auf das eigene professionelle Handeln mit erkrankten Familiensystemen und zeigen Wege auf, wie Eltern in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt und die Resilienz der Kinder gefördert werden können“, ergänzte Susanne Günther.



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