10.09.2020 08:01

Der DKSB-Jugendrat fragt

KIEL Der Jugendrat des Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein präsentiert heute im Rahmen der Landespressekonferenz die Ergebnisse seiner Online-Befragung („Jugendbefragung 2.0“) von 14 bis 19-jährigen Schleswig-Holsteiner*innen zu den Themen Beteiligung, Homeschooling und Lebenssituation. „Kinder und Jugendliche müssen beteiligt werden“, fordert DKSB SH Landesvorsitzende Irene Johns im Hinblick auf die erfolgreiche Erhebung des Jugendrates. „Als Experten in eigener Sache ist ihre Einbeziehung in politische Entscheidungen ein absolutes Muss – und zwar nicht nur, weil es in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben ist! Das machen die absolut eigenständige Entwicklung und Umsetzung der Umfrage durch unseren Jugendrat wie auch die große Resonanz bei den jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die aufschlussreichen Resultate mehr als deutlich“, so Johns.

An der Befragung beteiligten sich im Zeitraum vom 23. Juni – 12. August 2020 per anonymem Online-Fragebogen über 1.000 Schleswig-Holstein*innen im Durchschnittsalter von rund 16 Jahren, die Hälfte davon Gymnasiasten, 40% besuchen Gemeinschaftsschulen.

„Bisher hat während der Corona-Pandemie kaum jemand mit uns geredet und deshalb ist es uns besonders wichtig, Kindern und Jugendlichen auf diese Weise eine Stimme zu verleihen“, begründet Jugendrat-Mitglied Emma Louisa Döhler (19 Jahre) den Entschluss zur Online-Befragung. „Und die Ergebnisse sprechen für sich. Laut unserer Umfrage hat zum Beispiel jeder fünfte Schüler oder jede fünfte Schülerin oft oder sehr oft Angst, mit dem Schulstoff nicht hinterher zu kommen. Und nur knapp der Hälfte kann jemand zuhause gut oder sehr gut bei den Hausaufgaben helfen“, berichtet Emma. Darüber hinaus hätten 39% der befragten Jugendlichen das Gefühl, dass der Schuldruck seit Corona mehr geworden sei. Zudem nehme für 46% der Schüler*innen Homeschooling mehr Zeit vom Alltag in Anspruch. „Überaus positiv ist hingegen der allgemeine familiäre Hintergrund bewertet worden“, führt Lorenzo Schüller (18 Jahre), ebenfalls Mitglied im Jugendrat, weiter aus. „83% der Jugendlichen fühlen sich in ihrer Familie wohl und 84% geben an, eine gute oder sehr gute Beziehung zu ihren Eltern zu haben. Allerdings hat sich für fast ein Drittel die Beziehung innerhalb der Familie durch Corona verändert. In einigen war die Situation angespannt und es gab Streit. Andere Familien sind enger zusammengewachsen“, erzählt Lorenzo von den Umfrage-Ergebnissen.

Die 69 Fragen zur Situation zu Hause in Hinblick auf die Lernumgebung, die Lebens- und Wohnsituation, Familienkonstellation, Freunde, Partnerschaft und gesellschaftliches Engagement wurden vom DKSB SH Jugendrat eigenständig entwickelt und umgesetzt, um ein Stimmungsbild der aktuellen Lage junger Menschen in Schleswig-Holstein zu erhalten. Den Jugendrat des DKSB SH gibt es seit 2017. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Kinderrechte und der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein.

„Die Initiative unseres Jugendrates hat Signalwirkung – genau wie das aufrüttelnde Ergebnis, dass sich laut der Befragung 42% der Schüler*innen nicht in schulische Entscheidungen eingebunden fühlen: Jede Form der Partizipation fördert das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen zu selbstbestimmten und politisch interessierten Akteurinnen und Akteuren unserer Gesellschaft“, betont Irene Johns. „Sie ist die Grundlage unserer Demokratie und gerade in einer Zeit der besonderen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie dürfen wir die junge Generation nicht abhängen, sondern müssen sie aktiv in politische Entscheidungsprozesse einbeziehen“, fordert die Landesvorsitzende des DKSB SH.

Weitere Informationen und Inhalte zur „Jugendbefragung 2.0“ unter:

https://www.kinderschutzbund-sh.de/der-jugendrat.html



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