17.06.2021 10:14

Corona Pandemie

Corona-Aufholprogramm in Schleswig-Holstein – aber bitte richtig!

Anlässlich der geplanten Landtagsdebatte zur Schaffung von Förderangeboten für den Sommer 2021 und das Schuljahr 2021/2022 (Drucksache 19/3064) fordert der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein langfristig und nachhaltig angelegte Lösungen für mehr Bildungsgerechtigkeit. „Schon vor der Corona-Pandemie ging die soziale Bildungsschere weit auseinander“, erinnert die Landesvorsitzende Irene Johns. „Jetzt, nach über einem Jahr des Unterrichtsausfalls und Distanzunterrichts, verschärft sich diese ohnehin bestehende Bildungs- und Teilhabeungerechtigkeit insbesondere zulasten von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien. Den Ländervergleichen des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen und internationalen Studien zufolge erreichen etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen bestimmte Mindeststandards nicht und weisen sehr große Lernrückstände auf – so etwas aufzuholen braucht Zeit, entsprechende Angebote in den Sommerferien können da nur der Anfang sein“, betont Johns.

Für den Erfolg eines Corona-Aufholprogramms sind aus Sicht des DKSB LV SH zwei Voraussetzungen unverzichtbar: Motivation und soziale Bindung. „Lernen ist ein sozialer, kein technischer Vorgang, deshalb sollten Hilfen an soziale Bezüge anknüpfen, die den Schülerinnen und Schülern vertraut sind. Das heißt, man sollte Programme möglichst in soziale Aktivitäten, etwa im Ganztag, integrieren, statt sie in externe Nachhilfeeinrichtungen an Honorarkräfte auszulagern. Wir reden hier schließlich über zum Teil sehr junge Kinder und Jugendliche, die für erfolgreiches Lernen darauf angewiesen sind, dass sie von Bezugspersonen begleitet werden, die sie kennen, mögen und denen sie vertrauen“ rät die Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche Irene Johns und fügt hinzu, dass es daher am schlimmsten wäre, die Schulen in den Ferien komplett zu schließen.

„Der Lernsommer im Rahmen des Corona-Aufholprogramms darf natürlich nur ein erster Schritt auf einem langen Weg sein. Angesichts der gravierenden Probleme in den Bereichen Bildung und Teilhabe, die durch die Corona-Pandemie noch deutlicher zutage getreten sind, sollte absolut klar sein, dass das auf keinen Fall ausreichen wird: Es müssen jetzt dringend ausreichende Landesmittel für ein wirklich umfassendes und vor allem langfristiges Bildungsangebot ohne Benachteiligung zur Verfügung gestellt werden“, fordert Irene Johns.



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