19.03.2020 08:37

Corona-Krise

Besondere Herausforderung für Familien mit Kindern

KIEL Angesichts der zunehmenden Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie appelliert der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein zu besonderer Rücksichtnahme auf Familien mit Kindern. „Die Schließung von Kitas, Schulen und öffentlichen Freizeitangeboten bedeuten den Verlust von strukturgebenden Tagesabläufen und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche – dabei ist für sie das Bedürfnis nach Struktur, Orientierung und körperlicher Bewegung geradezu existentiell“, betont die Landesvorsitzende des DKSB LV SH Irene Johns. „Das stellt Familien mit Kindern vor besondere Herausforderungen, die, verstärkt durch den beengten Aktionsradius zuhause, leicht zu Konflikten führen können. Eltern sind daher jetzt besonders gefordert und sollten jegliche Unterstützung bekommen und annehmen“, so Johns.

Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein steht deshalb weiterhin als verlässlicher Ansprechpartner zur Verfügung. Die Kinderschutz-Zentren und Beratungsstellen vor Ort sind telefonisch erreichbar und bieten Beratung durch geschulte Fachkräfte an. „Jetzt ist es wichtig, dass Eltern für die notwendige Struktur und Bewegung im Alltag sorgen“, rät Lidija Baumann, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Kiel. „Feste Tagesabläufe, die auf jeden Fall auch einen Spaziergang an der frischen Luft beinhalten, sind sehr wichtig. Man sollte vermeiden, die Kinder zu lange sich selbst zu überlassen und unbedingt ihren Medienkonsum im Blick behalten – ansonsten sind Frust und Aggression programmiert“, erläutert die Diplom-Psychologin und empfiehlt, frühzeitig Rat und Hilfe zu suchen, damit es gar nicht erst zur Eskalation innerhalb der Familie komme.

„Gespräche sind jetzt ganz wichtig – auch innerfamiliär. Gerade junge Kinder spüren die Atmosphäre zunehmender Panik und das macht ihnen Angst. Deshalb brauchen sie jetzt Eltern, die die Gefühle ihrer Kinder wahrnehmen, sie beruhigen und ihnen altersentsprechende Antworten geben. Für sehr junge Kinder reicht es schon, wenn Eltern sagen: Mama und Papa passen auf dich auf“, empfiehlt Lidija Baumann und fügt hinzu: „Für ältere Kinder ist es zudem wichtig, in Ruhe über die notwendigen Maßnahmen wie Händewaschen oder beim Spielen draußen Abstand halten sowie die Tagesplanung zu sprechen“.

Besonders betroffen sind in dieser Zeit Familien, die bereits im Vorfeld der Corona-Krise durch psychische Erkrankung eines Elternteils, eigene biographische Traumatisierungen oder beengte Wohnverhältnisse besonders belastet waren. „Hier erleben wir oft, dass es auf der Seite der Eltern ein starkes Bedürfnis gibt nach Ruhe und in Ruhe gelassen zu werden. Das kollidiert jetzt umso mehr mit dem Bedürfnis von Kindern nach Orientierung und Bewegung“, warnt die psychologische Psychotherapeutin Baumann.

Im Hinblick auf mögliche Ausgangssperren gibt der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein daher zu bedenken: „Bei allen notwendigen Vorsichtsmaßnahmen muss auch berücksichtigt werden, dass Kinder sich bewegen wollen – und nicht alle haben dafür einen Garten“, betont die Landesvorsitzende des DKSB SH Irene Johns. „Darüber hinaus darf der Schutz vor dem neuen Coronavirus den Schutz der Kinder nicht ausschließen. Bei allem angeratenen Abstand müssen wir dennoch sensibel für unser Umfeld bleiben. Wenn Anwohner Sorge um ein Kind haben, sollen sie sich auch weiterhin an Beratungsstellen wenden oder das Jugendamt informieren“ mahnt Johns. „Es sind schwierige Zeiten, in denen Familien mit Kindern besonders stark gefordert sind. Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein steht ihnen weiter zur Seite,“ so Irene Johns.

Telefonisch ist der Kinderschutzbund unter den Telefonnummern der jeweiligen Ortsverbände erreichbar sowie unter den entsprechenden Mailadressen. Die Kontaktdaten sind zu finden unter: https://www.kinderschutzbund-sh.de/vorort.html

Eine weitere telefonische Anlaufstelle ist darüber hinaus „Die Nummer gegen Kummer“. Sowohl für rat- und hilfesuchende Kinder und Jugendliche (bundesweit unter der Telefonnummer 116111, Mo. - Sa. 14 - 20 Uhr) als auch für Eltern (bundesweit unter der Telefonnummer 0800 111 0 550, Mo. - Fr., 9 - 11 Uhr, Di. und Do., 17 - 19 Uhr).



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