22.05.2020 10:14

Corona-Krise

Kinderschutzbund SH fordert mehr Teilhabe für Kinder und Jugendliche in Krisenzeiten

KIEL Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein kritisiert die mangelnde Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Corona Pandemie. „Im aktuellen politischen Handeln werden Kinder und Jugendliche in erster Linie als potenzielle Krankheitsüberträger, zu Betreuende oder Schüler*innen gesehen. Ihre Rechte und Bedürfnisse spielen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle“, so die Landesvorsitzende Irene Johns. „Dabei sind neben älteren Menschen gerade sie es, deren Lebenswelt besonders massiv eingeschränkt wird. Der Verzicht auf Freunde, Sozialkontakte, Sportstätten und Spielflächen fällt jungen Menschen oft besonders schwer. Zudem fühlen sich viele durch das Homeschooling nicht nur stark gefordert, sondern oft sogar überfordert. Die Folge sind oft starke psychische Belastungen durch zunehmende Verunsicherung, Einsamkeit und das Gefühl, mit den Problemen allein gelassen zu werden – und das werden sie gewissermaßen auch, denn von Partizipation der Kinder und Jugendlichen in Krisenzeiten kann bisher keine Rede sein“, mahnt Irene Johns.

Laut erster Ergebnisse einer Studie der Universitäten Hildesheim, Frankfurt und Bielefeld  (JuCo- Studie[1][1]), in der mehr als 5000 junge Menschen befragt wurden, hätten insgesamt fast die Hälfte von ihnen das Empfinden, dass ihre Sorgen ‚nicht‘ oder ‚eher nicht‘ gehört würden, gibt die DKSB SH Landesvorsitzende zu Bedenken. „Wer hat nicht den Eindruck, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung zur Zeit alles um wirtschaftliche Belange, Profisport oder Tourismuszahlen dreht. Wie es jungen Leuten mit der schwierigen Situation geht und welche Belange ihnen wichtig sind, fragt niemand – nicht mal, wenn es um sie betreffende Beschlüsse und Maßnahmen geht. Kinder und Jugendliche fehlen genauso in den politischen Beratergremien wie Experten in Sachen Kindeswohl, also Pädagogen, Psychologen und Kinder- und Jugendärzte“, kritisiert Johns und verweist unter anderem auf das Kinderrecht auf Beteiligung gemäß der UN-Kinderrechtskonvention. „Wir haben in Schleswig-Holstein zum Beispiel Kinder- und Jugend- sowie Schülervertretungen. Da uns die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch lange begleiten werden, sollten wir spätestens jetzt die Chance nutzen, auch Kinder und Jugendliche selbst an den auch sie betreffenden tiefgreifenden politischen Prozessen zu beteiligen – schließlich geht es auch um ihre Gegenwart und Zukunft. Sie brauchen dringend eine Stimme – und wir sollten sie nicht warten lassen, bis die Kinderrechte endlich im Grundgesetz verankert sind“, betont Irene Johns.



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