03.04.2020 12:57

Appell des DKSB

Appell des Kinderschutzbundes SH: Trotz sozialer Distanz nicht den Kontakt verlieren!  

KIEL Die Auswirkungen der Corona-Krise sind für alle eine extreme Ausnahmesituation – besonders aber für Familien mit Kindern. Durch die Schließung von Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen sowie die generelle Vermeidung sozialer Kontakte verbringen Kinder und Eltern zwangsläufig viel Zeit im eingeschränkten häuslichen Bereich. Eine schwierige Situation ohne Ausweichmöglichkeiten, die für alle Beteiligten ein ernstzunehmender Stresstest ist. „Doch was für die meisten Familien auf Dauer schon sehr anstrengend und herausfordernd ist, kann bei ohnehin schon großen Belastungen zur gefährlichen Zerreißprobe werden – das müssen wir jetzt ganz besonders im Blick haben“, mahnt die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein Irene Johns. „Wir befürchten, dass Kinder und Jugendliche aus sehr belasteten Familienverhältnissen jetzt besonders gefährdet sind. Beschränkt auf oft engem Wohnraum mit durch die Folgen der Krise umso mehr überforderten Eltern kann sich ihre Lage massiv verschlimmern. Neben wirtschaftlichen und psychosozialen Belastungen sind Isolation und soziale Distanzierung Risikofaktoren für unterschiedlichste Formen von Gewalt“, betont Johns.

„Die Verantwortung für einen auch in Krisenzeiten funktionierenden Kinderschutz liegt dabei aber nicht nur bei Politik und sozialen Trägern, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, appelliert Irene Johns. „Wir sind gefordert, als Verantwortungsgemeinschaft zu agieren, das heißt jetzt besonders aufmerksam und sensibel für unser Umfeld zu sein, um mögliche familiäre Krisensituationen rechtzeitig wahrzunehmen und Hilfe anzubieten. Dabei geht es selbstverständlich um soziale Aufmerksamkeit und Sensibilität, nicht um Kontrolle oder Überwachung. Erfahrungsgemäß geschieht der Zugang zum professionellen Hilfenetz meistens durch Bezugspersonen aus Schule, Kita, Vereinen oder aus dem familiären Umfeld. Aufgrund der Schließungen und eingeschränkten Kontakte muss es hier jetzt eine noch größere Sensibilisierung geben. Wenn ich z.B. mitbekomme, dass in der Nachbarschaft der Stresspegel steigt, es immer mehr Geschrei gibt, sollte man den Kontakt suchen und fragen, ob man irgendwie unterstützen kann“, rät die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Johns. „Darüber hinaus gilt wie schon vor der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen: Wer nicht weiterweiß, sich überfordert fühlt oder Sorgen macht, sollte rechtzeitig Rat suchen. Entsprechende Stellen sind auch in der aktuellen Situation ansprechbar und leisten Hilfe und Unterstützung. Gerade in Krisenzeiten ist Kinderschutz eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung – trotz sozialer Distanzierung dürfen wir den Kontakt zueinander nicht verlieren“, mahnt Irene Johns.

Telefonisch ist der Kinderschutzbund unter den Telefonnummern der jeweiligen Ortsverbände erreichbar sowie unter den entsprechenden Mailadressen.
Die Kontaktdaten sind zu finden unter: https://www.kinderschutzbund-sh.de/vorort.html

Eine weitere telefonische Anlaufstelle ist darüber hinaus „Die Nummer gegen Kummer“. Sowohl für rat- und hilfesuchende Kinder und Jugendliche (bundesweit unter der Telefonnummer 116111, Mo. - Sa. 14 - 20 Uhr) als auch für Eltern (bundesweit unter der Telefonnummer 0800 111 0 550, Mo. - Fr., 9 - 11 Uhr, Di. und Do., 17 - 19 Uhr).



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