20.09.2012 16:30

Fachveranstaltung

Pressemitteilung

Wenn Eltern krank sind: Fachveranstaltung „Kinder kranker Eltern“ stößt auf große Nachfrage

NEUMÜNSTER In Neumünster ist heute um 14.30 Uhr die erste landesweite Fachveranstaltung zum Thema „Kinder kranker Eltern“ eröffnet worden. Die Tagung, die vom Deutschen Kinderschutzbund Schleswig-Holstein organisiert wurde, war restlos ausgebucht. Der Bedarf an Information und Austausch zu diesem Thema ist groß, denn auch wenn sie bisher von keiner Statistik erfasst werden, leben in Deutschland viele Kinder in einer Familie, in der mindestens ein Elternteil von einer chronischen oder lebensbedrohlichen Erkrankung, einer psychischen Belastung oder einer Suchtbelastung betroffen ist. „Kinder übernehmen in solchen Situationen oft viel zu große Verantwortung und sind durch die Pflege sehr belastet – häufig überlastet, ohne das jemand das wahrnimmt.
Deshalb brauchen sie, genau wie ihre kranken Eltern, Hilfe – und zwar fachgerechte Hilfe von außen. Ein leicht zugängliches Netzwerk von Hilfsangeboten, das genau auf die Bedürfnisse der betroffenen Familien eingeht. Daran müssen wir stetig arbeiten und dazu sind wir hier, “ betonte Irene Johns, die Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein in ihrer Eröffnungsrede. Außerdem begrüßte sie, dass das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein auf Anfrage sofort bereit war, den Fachtag als Kooperationspartner finanziell zu unterstützen.

Familienministerin Kristin Alheit betonte: „Es ist gut, dass der Kinderschutzbund den Fokus auf dieses Thema gelenkt hat. Ziel der Tagung ist es, die verschiedenen Initiativen vorzustellen und einen Austausch zu fördern, damit betroffene Kinder noch gezielter unterstützt werden können.“
Einen einleitenden Überblick über den deutschen Forschungstand zum Thema „Kinder kranker Eltern“ bot der Impulsvortrag von Prof. Dr. Sabine Metzing vom Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten Herdecke, wo seit sieben Jahren zur Situation von Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Familie in die Pflege chronisch kranker Angehöriger eingebunden sind, geforscht wird. Wenn Kinder jeden Tag genau wie erwachsene Pflegepersonen einem Elternteil beim Waschen, Essen und Toilettengang helfen, medizinische Tätigkeiten übernehmen und emotionale Stütze sind, bleibt das nicht ohne Folgen. „Nicht jedes Kind erfährt durch sein Engagement (nur) nachteilige Auswirkungen. Fast alle sind stolz auf ihren Vorsprung gegenüber Gleichaltrigen und auf ihre erworbene Selbstständigkeit. Andererseits kann die Pflege zu einer kaum zu bewältigenden Belastung für die Kinder werden. Manche sind so stark in die Pflege eingebunden, dass sie kaum Zeit für Freunde haben und sozial isoliert sind. Kinder, die rund um die Uhr Verantwortung tragen, sind überlastet und sie sind erschöpft. Bleiben die Familien auf sich allein gestellt und die Kinder mit ihren vielfältigen Aufgaben überfordert, droht Gefahr, “ betonte Prof. Dr.Sabine Metzing. Hier ist fachgerechte Unterstützung gefordert. Wichtig für die Hilfsangebote ist dabei, dass sie leicht zugänglich sind und sich an die ganze Familie richten. Denn eine Entlastung pflegender Kinder ist niemals möglich ohne die Entlastung ihrer kranken Eltern.
Wie die Entlastung durch Hilfeleistungen im Einzelnen aussehen kann, stellten insgesamt neun Projekte aus Schleswig-Holstein vor, die sich erst in jüngster Zeit auf den Weg gemacht haben, wie z.B. Young Carers (Rotary Club Bad Bramstadt), KLEE – Kinder lebensbedrohlich erkrankter Eltern (hospiz-initiative Kiel e.V.), Mittendrin (DRKHeinrich-Schwesternschaft e.V.), oder Pateneltern Flensburg - ein Präventionsprojekt für Kinder psychisch kranker Eltern. Durch die längst überfällige Entstehung von Hilfsprojekten wie diesen, erhalten Betroffene Information und Beratung, können sich austauschen, bekommen flexible Alltagshilfen oder die Chance auf Auszeiten. So lernen die Familienmitglieder ganz individuell mit der Krankheit zu leben, ohne von ihr dominiert zu werden.
Im Verlauf der Fachtagung „Kinder kranker Eltern“ konnten unterschiedliche Initiativen und Projektträger im Land vorgestellt und in Dialog gebracht werden. So können in Zukunft gemeinsame Strategien entwickelt werden, um die Problematik verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und das Hilfsnetzwerk in Schleswig-Holstein für Kinder und ihre Eltern bedarfsgerecht auszubauen.
Der veranstaltende Kinderschutzbund Schleswig-Holstein ist die politisch unabhängige Lobby für Kinder. Er tritt für die Rechte und das Wohlergehen der Kinder ein. In Schleswig-Holstein engagieren sich im Kinderschutzbund über 3000 Mitglieder in 29 Orts- und Kreisverbänden.


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