18.09.2014 17:03

Weltkindertag

Weltkindertag:

25 Jahre UN-Kinderrechte auf Gesundheit und Freizeit, Spiel und Erholung

 

Kinder kranker Eltern stehen immer noch mit ihren Sorgen allein da

 

 

Kiel/Bad Segeberg. Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein blickt anlässlich des 25. Jahrestages der Verabschiedung der UN-Kinderrechtekonvention in New York auf das Erreichte. „Wir legen in diesem Jahr den Schwerpunkt auf das Kinderrecht auf Gesundheit. Kinder mit kranken Eltern fallen durch alle Raster“, erklärt Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein.

 

„Es geht nicht um eine Randgruppe“, so Irene Johns weiter. Nach Schätzungen erlebe allein jedes vierte Kind ein Elternteil, das psychisch krank sei. Dazu kämen Kinder, deren Eltern akut mit einer Krebserkrankung, Diabetes oder anderen schweren und oder chronischen Erkrankungen zurechtkommen müssten.

 

Die Kinder seien mit der Situation auf vielfältige Weise überfordert. „Gerade mit psychisch erkrankten Eltern ist zu beobachten, dass die Kinder das Verhalten ihrer Eltern meist nicht einordnen können. Gleichzeitig haben sie das Gefühl, mit niemandem darüber sprechen zu dürfen. Sie beginnen sich verantwortlich zu fühlen und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen“, führt Irene Johns aus. „So baut sich für die Kinder eine immer größere Belastung aus Schuld- und Schamgefühl, aber vor allem Angst, Ratlosigkeit, Vereinsamung und Überforderung auf. Es handelt sich damit um eine gravierende Kinderschutzproblematik.“

 

„Wir nehmen in diesem Jahr den Weltkindertag zum Anlass, auf diese Kinder aufmerksam zu machen. Weder das Gesundheitswesen noch die Kinder- und Jugendhilfe hat diese Kinder ausreichend im Blick“, benennt Irene Johns die Versorgungslücke. Es gebe lediglich einzelne Projekte. „Doch das ist weit entfernt von einem für Eltern und Kinder erreichbaren regionalen Hilfenetz. Wir haben das Recht der Kinder auf Gesundheit, doch es tut sich wenig für sie. Wir dürfen sie und auch ihre Familien nicht alleine lassen. Die Kinder brauchen Hilfe, die rechtzeitig ansetzt. Es muss selbstverständlich sein, dass bei jeder Diagnose für ein Elternteil Hilfen für das Kind berücksichtigt werden“, fordert Irene Johns.

 

Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin an der imland-Klinik Abteilung Psychiatrie und Psychosomatik in Rendsburg, betont: „Kinder psychisch kranker Eltern sind nicht nur durch die Auswirkungen der elterlichen Erkrankung auf das Familienleben beeinträchtigt. Sie tragen auch ein genetisches Risiko, selbst psychisch zu erkranken. Im Laufe ihres Lebens erkranken 60% der Kinder. Eine konsequente Behandlung der elterlichen Erkrankung unter Einbeziehung der Familie und Förderung der Ressourcen der Kinder ist erforderlich, um deren eigene Erkrankung vorzubeugen. Die verschiedenen Hilfs- und Versorgungssysteme müssen sich eng vernetzen und austauschen, um optimal für die Betroffenen wirken zu können.“

 

Bernd Heinemann, Geschäftsführer der Deutscher Kinderschutzbund Segeberg gGmbH, die Träger des Projektes Young Carers ist, sagt: „Neben der Tatsache, dass es keine flächendeckenden und insgesamt zu wenige Hilfsangebote für diese Kinder gibt, ist die Tabuisierung in den Elternhäusern eine Hürde. Schwere Krankheiten werden als sehr private Familienangelegenheit gesehen, die nach außen aus Angst verheimlicht werden muss. Dies verhindert, den Einsatz der Kinder für ihre Eltern anzuerkennen und ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen. Der Kinderschutzbund hat die Trägerschaft für die Young Carers übernommen, um der Not der Kinder mit praktischer Hilfe zu begegnen.“ Es gibt in Bad Bramstedt und in Wahlstedt Gruppenangebote. (Mehr Informationen zu dem Projekt unter www.youngcarers.de)


von links: Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois, Irene Johns, Bernd Heinemann

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