18.05.2010 19:00

Wanderausstellung „Fürsorgeerziehung“ eröffnet im Kieler Landeshaus

Wanderausstellung „Fürsorgeerziehung“ eröffnet im Kieler Landeshaus

Im Kieler Landeshaus wird heute (18. Mai, 17 Uhr) die erste Station der Wanderausstellung „FÜR.SORGE.ERZIEHUNG - erzählen, erinnern, verantworten“ eröffnet. Thema der Ausstellung ist die Geschichte der Heimerziehung 1945–1975 in Schleswig-Holstein.

Exemplarisch wird das damalige Landesfürsorgeheim Glückstadt in den Blickpunkt gerückt. Wesentliche Elemente der Ausstellung sind Videos, in denen ehemalige „Fürsorgezöglinge“ aus ihrer Erinnerung über das Erlebte berichten. Diesen sehr persönlichen Berichten stehen historische Hintergründe und Fakten zur Seite. Die Ausstellung basiert
auf der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Prof. Christian Schrapper (Universität Koblenz-Landau), die von ehemaligen „Heimkindern“ angestoßen und von der Landesregierung und dem Parlament eingeleitet wurde. „Mein Dank gilt vor allem den ehemaligen Heim-Bewohnern. Ohne ihr Engagement wäre eine solche Ausstellung unmöglich“, betonte Sozialminister Dr. Heiner Garg anlässlich der Eröffnung. „Mehr als 40 Jahre ohne echte Aufarbeitung zeigen, wie schwer es für Betroffenen war, über ihre Vergangenheit zu sprechen. Es zeigt aber auch, wie schwer es war, Gehör zu finden. Die Ausstellung ist zugleich Ermahnung für einen verantwortungsvollen Umgang mit Kindern und Jugendlichen heute.“

Parallel zur Ausstellung werden die Ergebnisse der Aufarbeitung in dem Buch „Landesfürsorgeheim Glückstadt, Bewohner, Geschichte, Konzeption“ veröffentlicht. Mit-Herausgeberin ist Irene Johns, Vorsitzenden des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein. „Etwa 700.000 bis 800.000 Kinder und Jugendliche lebten
in der Zeit von 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland in Heimen. Kinder und Jugendliche haben damals in verschiedenen Erziehungsheimen statt Förderung und Unterstützung, statt gelungener Erziehung Leid und Unrecht erfahren. Die ehemaligen Heimkinder berichten von körperlicher, seelischer und auch von sexueller Gewalt“, betonte Irene Johns anlässlich der Eröffnung. „Die Landesanstalt in Glückstadt steht exemplarisch für andere kirchliche, staatliche und kommunale Einrichtungen in Deutschland aus dieser Zeit, die die Rechte und Würde von Kindern und Jugendlichen missachtet haben“, so Johns. Das im Wachholtz Verlag Neumünster erschienende Buch basiert auf der Auswertung von mehreren tausend Akten, die das Landesarchiv Schleswig-Holstein im Zuge der Aufarbeitung übernommen und archiviert hatte.

Förderer der Aufarbeitung sind die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein (Ausstellung) und die Aktion Mensch. "Da an zahlreichen Orten in Schleswig-Holstein Fürsorgeheime unterschiedlichster Träger bestanden, möchten wir die Ausstellung gerne an die betreffenden Orte wandern lassen“, sagte Dr. Bernd Brandes-Druba, Geschäftsführer der
Sparkassenstiftung (Kiel). Als nächste Station ist die Ausstellung ab dem 25. Mai 2010 in den Räumen der Sparkassenakademie Schleswig-Holstein zu sehen (www.sparkassenakademie.com).



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