06.05.2013 17:00

Wahlhilfen

Pressemitteilung                                                                                                  Kiel, 07.05.2013 

 

Der beste Weg zur kinder- und familienfreundlichen Kommune:

Wahlhilfen des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein

Die Förderung und den Schutz der Kinder schreiben sich alle Parteien gern auf die Fahnen – besonders im Wahlkampf. Doch wie sieht es in der politischen Realität aus, vor allem in Zeiten der Finanznot? Wieweit werden die Rechte von Kindern, die in der Landesverfassung verankert sind, vor Ort umgesetzt? In welcher Form sich Parteien und PolitikerInnen gerade in den Kommunen für die Belange von Kindern einsetzen, zeigt ein kritischer Blick auf die verschiedenen Wahlprogramme. 

Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein bietet Ansätze und Orientierungshilfen, um die Parteiprogramme für die Kommunalwahl am 26. Mai 2013 auf ihre Kinder- und Familienfreundlichkeit zu prüfen. Wer folgende Forderungen weitgehend berücksichtigt, ist auf dem besten Weg zu einer kinderfreundlichen Kommune:

Das übergeordnete Ziel: Überwindung der Kinderarmut und mehr Chancengleichheit
In Schleswig-Holstein leben zurzeit etwa 120.000 Kinder und Jugendliche mit einem Rechtsanspruch auf Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets. (http://www.schleswig-holstein.de/Bildung/DE/Zielgruppen/Eltern/BuT/BuT_node.html). Nach dieser Definition lebt jedes vierte Kind in Schleswig-Holstein in Armut. Die möglichen Folgen und Gefährdungen für diese Kinder sind bekannt: Reduzierte Bildungschancen, beeinträchtigte Gesundheit und ein erhöhtes Risiko, Opfer von Gewalt und Vernachlässigung zu werden.

Der Kinderschutzbund fordert deshalb neben einer Kindergrundsicherung auf Bundesebene, den weiteren Ausbau der Angebote an Ganztagskindertagesstätten und -schulen, sowie weitere kommunale Konzepte zur Armutsbekämpfung, um allen Kindern gleichermaßen gute Entwicklungs- und Teilhabechancen zu schaffen.

Frühe Förderung: Qualifizierte Betreuungsangebote
Der Kinderschutzbund fordert den verstärkten Ausbau qualifizierter Betreuungs- und Bildungsangebote für Kinder unter drei Jahren. Nur durch frühzeitige Unterstützung können Entwicklungsdefizite oder eingeschränkte Versorgung und Förderung durch die Eltern ausgeglichen werden und damit Chancengleichheit geschaffen werden. Zudem muss die Vereinbarkeit von Beruf und Familie jederzeit gewährleistet sein.

Dabei darf der Ausbau der Krippenplätze allerdings nicht zu Lasten bestehender Kitaplätze gehen. Dem Trend, Gruppen für Drei- bis Sechsjährige zu altersgemischten Gruppen (mit unter Dreijährigen) umzugestalten, muss entgegengewirkt werden, wenn als Folge übergroße Gruppen entstehen oder sogar vorhandene Kitaplätze abgebaut werden.

Gleiche Bildungschancen: Kostenfreie Ganztagsschulangebote 
Der Kinderschutzbund fordert einen flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulangeboten, die allen Kinder kostenfrei zugänglich sind – zumindest aber einer Sozialstaffel (vergleichbar der Kita-Sozialstaffel) in der Beitragsbemessung unterliegen. Bildungschancen dürfen nicht proportional zum Einkommen der Eltern sinken oder davon abhängen, wo man lebt. Die kommunalen Unterschiede in den Beitragssätzen müssen ausgeglichen werden.

Kurzfristig sind zumindest die Zuschüsse für ein warmes Mittagessen, für Nachhilfe, den Sportverein oder die Musikschule aus dem Bildungs- und Teilhabepaket einfach und ohne bürokratischen Aufwand zu vergeben. Mittelfristig sollte über Schule wie auch Kita z.B. ein Mittagessen oder eine individuelle Förderung kostenfrei angeboten werden.

Gesundes Aufwachsen: Ausbau gesundheitspräventiver Maßnahmen
Übergewicht, chronische Erkrankungen und psychische Auffälligkeiten bei Kindern nehmen zu. Jedes zweite Kind in Schleswig-Holstein weist zur Einschulungsuntersuchung mindestens eine Auffälligkeit aus den Bereichen Hören, Sehen, Körpergewicht, Motorik/Koordination, Sprache oder Verhalten auf. Dabei sind Kinder aus sozial schwachen Familien z.B. häufiger von Übergewicht oder psychischen Auffälligkeiten betroffen, als der Durchschnitt. Das macht den negativen Einfluss eines Lebens an der Armutsgrenze für die Gesundheit von Kindern deutlich.
Der Kinderschutzbund fordert deshalb den Ausbau öffentlicher Kinder- und Jugendgesundheitsdienste, sowie den Ausbau gesundheitsfördernder Maßnahmen in Kitas und Schulen (wie z. B. Gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Sucht- und Gewaltprävention).
Außerdem müssen angesichts der zunehmenden Ganztagsbetreuung besondere Versorgungsbedürfnisse von Kindern mit chronischen Erkrankungen (z.B. Diabetes) oder Behinderungen berücksichtigt werden. Schule und Kita müssen in enger Kooperation mit einem gestärkten Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe Angebote zur Gesundheitserziehung und -versorgung auf- und ausbauen.
Kampf gegen Kindeswohlgefährdung: Stärkung kommunaler Ressourcen
In Jugendämtern, Kinderschutz-Zentren und anderen Einrichtungen steigen seit Jahren die Hilfeanfragen bei bestehenden oder vermuteten Gefährdungen von Kindern durch körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt oder Kindesvernachlässigung.

Der Kinderschutzbund fordert deshalb, dass die Kommunen die öffentliche und freie Jugendhilfe und die öffentlichen Gesundheitsdienste so ausstatten, dass der Ausbau, sowie die Qualitätssicherung in Bezug auf personelle Ressourcen, fachliche Qualifikation und Kooperationsstrukturen zwischen den Diensten zum Schutz der Kinder gewährleistet sind.

Frühe Hilfen: Erziehungskompetenzen fördern
Erzieherische Kompetenz ist nicht angeboren, sie muss erworben werden. Aufgrund veränderter Lebensformen und der zunehmenden Kinderentwöhnung der Gesellschaft ist die Vermittlung dieser Fähigkeiten durch das direkte soziale Umfeld nicht immer gegeben. Nicht ohne Grund sind die Hilfeanfragen in den letzten zehn Jahren um fünfzig Prozent gestiegen.

Der Kinderschutzbund fordert deshalb den anhaltenden Ausbau eines umfassenden Netzwerkes Früher Hilfen, (mit Beratungsfachkräften, Familienhebammen, ehrenamtlichen Familienpaten u.a.), um Eltern von Anfang an in der Erziehung Unterstützung und Orientierung bieten zu können. Nur so kann man der Gewalt vorbeugen und Kinder effektiv schützen.

Demografischer Wandel: Erhalt des familien- und kinderfreundlichen Lebensraums
In Schleswig-Holstein leben immer weniger Kinder und Familien, während die Zahl älterer Mitbürger steigt. Schon heute stellen Kinder eine gesellschaftliche Minderheit dar, deren Bedürfnisse in der Masse schnell übersehen werden können. Besonders spürbar ist das im ländlichen Raum, der durch die Bildungsabwanderungen zunehmend überaltert und in Gefahr steht, „familienunfreundlich“ zu werden.

Der Kinderschutzbund fordert daher auch in den ländlichen Kommunen weiterhin gemeindenahe und qualifizierte Betreuungs- und Bildungsangebote mit ausreichenden Betreuungszeiten zur Verfügung zu stellen, sowie ausreichende Angebote der Gesundheitsförderung und des Kinderschutzes. Nur so kann dort eine Ausgrenzung von Familien mit Kindern trotz des demografischen Wandels vermieden werden.

Integration besser gestalten: Förderung des Zusammenlebens
Bei sinkenden Kinderzahlen insgesamt, steigt der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Die multikulturelle Gesellschaft ist Realität und stellt uns vor neue Herausforderungen im alltäglichen Miteinander.

Der Kinderschutzbund fordert die Förderung, den Ausbau, sowie die Qualitätssicherung integrativer Hilfestrukturen. Dazu gehört z.B. die frühe Sprachförderung in Kinderkrippen und KiTas. Umfassender Spracherwerb ist der Schlüssel für die Integration in das gesellschaftliche Leben und der Grundstein für den späteren Erfolg in Bildung und Beruf. Studien haben gezeigt, dass vor allem fehlende sprachliche Kompetenzen bei Kindern den weiteren Bildungsweg und damit den späteren Einstieg ins Erwerbsleben erheblich beeinträchtigen können. Betroffen sind neben Kindern aus sozial schwachen Familien vor allem Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Gute Bildungsangebote in den Kitas müssen deshalb so früh wie möglich und in allen Kommunen gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Gelebte Partizipation: Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in Kommunen
Schleswig-Holstein gilt seit vielen Jahren bundesweit als Vorreiter der kommunalen Kinder- und Jugendbeteiligung. 2003 hat das Land sie nach § 47f der Gemeindeordnung für die Kommunen als Pflichtaufgabe festgeschrieben. Aber es reicht nicht, Partizipation formal vorzuschreiben, sie muss auch gelebt werden.

Der Kinderschutzbund fordert daher die reale flächendeckende Umsetzung einer systematischen und verlässlichen Beteiligung von allen Kindern und Jugendlichen an den sie betreffenden Fragen.

Weitere Informationen unter http://www.kinderschutz-zentrum-kiel.de/publikationen.php

 



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