09.11.2011 14:30

Veranstaltungsreihe

Ein vernachlässigtes Problem: Tagungsreihe rückte Kinder psychisch kranker Eltern in den Fokus

Kinder psychisch kranker Eltern haben es nicht nur besonders schwer, sie sind auch besonders gefährdet, selbst psychisch zu erkranken: Kinder- und Jugendhilfe sind daher gefordert, sich dieser Kinder besonders anzunehmen und spezifische Hilfen anzubieten. „Kinder psychisch erkrankter Eltern sind einem Verhalten ausgesetzt, das sie oft weder verstehen noch verarbeiten können. Das kann für sie schwerwiegende Folgen haben“, erklärt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein. So entwickeln Kinder mit einem psychisch kranken Elternteil zwei bis drei Mal häufiger psychische Störungen als Kinder gesunder Eltern, wie eine Studie des Robert-Koch-Instituts von 2006 (Kinder und Jugendgesundheits-Survey) belegt.

Mit der Fachtagungsreihe „sehen – verstehen – handeln / Kinder und ihre psychisch kranken Eltern im Spannungsfeld zwischen Gefährdung und gelingendem Alltag“ hat die Landesweite Informations- und Fortbildungsstelle Kinderschutz des Kinderschutzbundes gemeinsam mit ihren Kooperationspartner der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung sowie dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Die erste Veranstaltung thematisierte das Handeln der Fachkräfte in Gefährdungslagen. Auf der zweiten Veranstaltung wurde das Spannungsfeld der erkrankten Eltern betrachtet, die einerseits mit ihrer Erkrankung fertig werden müssen und auf der anderen Seite Verantwortung für ihre Kinder tragen. Bei der dritten und vorerst letzten Veranstaltung am 9. November in Elmshorn stehen die Bedürfnisse und Entwicklungsnotwendigkeiten der Kinder im Vordergrund. „Nach unserer Erfahrung besteht bei den Fachkräften im Land großes Interesse an Fortbildung und fachlichem Austausch über den richtigen Umgang mit psychisch kranken Eltern. Wir sehen die Unterstützung der Veranstaltungsreihe daher als Beitrag, den Kinderschutz in Schleswig-Holstein an einem ganz entscheidenden Punkt weiter zu stärken“, erklärte Sozialminister Dr. Heiner Garg, der anlässlich der Veranstaltung allen Teilnehmenden für ihr Engagement dankte. „Kinder psychisch kranker Eltern haben im Vergleich zu Kindern gesunder Eltern nicht nur ein deutlich erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken, ihre Gesundheit findet auch in vielen anderen Bereichen wie z.B. Ernährung, Bewegung, Suchtverhalten oder auch Schutzimpfungen nicht immer die erforderliche Beachtung und Förderung“ , so Dr. Elfi Rudolph, Geschäftsführerin der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e.V.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt an, dass in Deutschland etwa eine halbe Million Kinder in Familien mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil leben. Andere Schätzungen gehen sogar von rund drei Millionen Kindern aus. Damit wäre jedes vierte Kind in Deutschland von dieser Problematik betroffen. Die Zahlen machen deutlich, wie wichtig es aus Sicht des Kinderschutzes ist, Hilfen für betroffene Familien und Kinder zu entwickeln, und unterstreichen die Bedeutung der Zusammenarbeit und des Austausches der Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe und des Gesundheitswesens.



Zurück