03.07.2014 08:27

Traumapädagogik

Erste Fachtagung zur Traumapädagogik in Schleswig-Holstein fand großen Anklang

KIEL Fast 200 Fachkräfte aus Beratungsstellen, Heimeinrichtungen, Kindertagesstätten, Jugendämtern und der Schulsozialarbeit sind heute in Kiel der Einladung des Sozialministeriums und des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein zur Informationsveranstaltung über Traumapädagogik „Erziehung zur Selbstwirksamkeit“ gefolgt.

Sozialministerin Kristin Alheit eröffnet die Tagung und betont: „Kinder und Jugendliche brauchen nach traumatischen Erfahrungen Begleitung und Unterstützung. Das breite Interesse am Konzept der Traumapädagogik verstehen wir als Auftrag, den konsequenten Weg des Schutzes von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt in Schleswig-Holstein weiterzugehen. Die Nöte von Kindern und Jugendlichen, die Gewalt und Vernachlässigung erleiden mussten, zu verstehen, angemessen zu reagieren, sie an Lösungen zu beteiligen, erfordert eine hohe fachliche Kompetenz. Über neue pädagogische Konzepte und Hilfsangebote zu informieren sehen wir daher auch als ein besonderes Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung der schwierigen und belastenden alltäglichen pädagogischen Arbeit“.

Die Fachveranstaltung zur Traumapädagogik ist die erste ihrer Art in Schleswig-Holstein und findet im Rahmen der Fortbildungsreihe „Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs“ statt, die der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V. bereits seit 2010 in Kooperation mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein für Fachkräfte anbietet.

„Die große Resonanz auf dieses besondere Angebot zeigt den hohen Bedarf an Informations- und Fortbildungsmöglichkeiten zu diesem Thema. Jeden Tag treffen pädagogische Fachkräfte bei ihrer Arbeit auf Kinder und Jugendliche, die durch Erfahrungen von sexuellem Missbrauch, körperlicher oder seelischer Gewalt oder Vernachlässigung traumatisiert sind. Viele dieser Kinder zeigen als eine Folge starke Auffälligkeiten im Verhalten und im Kontakt“, erläutert Susanne Günther, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein. „Doch viele Fachkräfte sind nur unzureichend darauf vorbereitet, Kinder mit Traumastörungen auch im ganz normalen erzieherischen Alltag kompetent aufzufangen, und zu verhindern, dass das Trauma erneut angestoßen wird. Diese erste Fachtagung zur Traumapädagogik in Schleswig-Holstein ist daher ein wichtiger Schritt, den Kinderschutz zu stärken“, so Günther.

Die Traumapädagogik hat sich erst vor wenigen Jahren ergänzend zur Traumatherapie etabliert. Sie bietet Fachkräften in Schulen, Erziehungs- oder Hilfeeinrichtungen ein spezifiziertes Handlungskonzept, das vielen bisher  im Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen fehlt. Dazu wurden Erkenntnisse der modernen Psychotraumatologie auf die pädagogische und beratende Arbeit mit Kindern und Jugendlichen übertragen.

„Eine ressourcenorientierte traumapsychologisch fundierte Perspektive auf Kinder und Jugendliche eröffnet eine neue ganzheitliche Sicht auf eine vielfach komplexe Problemlage bei jungen Menschen, die traumatische Lebenserfahrungen bewältigen müssen und von der Jugendhilfe betreut und in den Schulen begleitet werden,“ erklärt Dr. med Andreas Krüger, ärztlicher Leiter des Instituts für Psychotraumatologie des Kindes- und Jugendalters Hamburg. „Eine gemeinsame ganzheitliche Erkenntnislage von Kind, professionellem sowie weiterem sozialem Umfeld hilft dem System aus Betroffenen und Helfern gemeinsam Selbsthilfe- und Unterstützungsansätze zu entwickeln. So kann nachhaltig Traumaheilung, Entwicklung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Glück für diese jungen Menschen möglich werden. Die von einer Behinderung bedrohten Kinder werden so durch „Teamwork“ wieder zugänglich“, so Dr. Krüger.

Nicht ohne Grund wird die Traumapädagogik auch als Pädagogik des sicheren Ortes bezeichnet. Kinder und Jugendliche müssen erfahren, dass ihr Verhalten verstanden wird. Dass sie geschützt werden und sie an der Lösung ihrer Probleme beteiligt sind.

 
                                                                                                                                                      

Der Deutsche Kinderschutzbund Schleswig-Holstein ist die politisch unabhängige Lobby für Kinder. Er tritt für die Rechte und das Wohlergehen der Kinder ein. In Schleswig-Holstein engagieren sich im Kinderschutzbund über 3000 Mitglieder in 28 Orts- und Kreisverbänden.



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