21.06.2016 11:16

Traumapädagogik in Kita und Familienzentren

EUTIN Heute stellte sich das Projekt TiK-SH „Traumapädagogik in Kindertagesstätten und Familienzentren in Schleswig-Holstein“ für die Region Ost der Fachöffentlichkeit im Rahmen einer Auftaktveranstaltung vor. Die Region Ost umfasst die Kreise Ostholstein, Plön und Segeberg sowie die Städte Kiel und Lübeck. TiK-SH bietet für das pädagogische Fachpersonal Qualifizierung, Unterstützung und Begleitung im Umgang mit von Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch oder auch Fluchterfahrung betroffenen Kindern. Der Deutsche Kinderschutzbund Schleswig-Holstein ist für die Region Ost Träger für das vom Land Schleswig-Holstein geförderte Projekt. Die beiden weiteren Projekt-Regionen sind den Trägern Wendepunkt e. V. und IBAF (Diakonie) zugeordnet. Zum TiK-Auftakt in der Region Ost kamen rund einhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Kreistagssaal in Eutin.

 

Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein knüpft mit TiK-SH in der Region Ost zudem an sein seit Oktober 2015 laufendes landes- und bundesweites Fortbildungskonzept „Sehen - Verstehen - angemessen Handeln: Traumatisierte (Flüchtlings-)Kinder in Kitas gut begleiten und integrieren“ an. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertageseinrichtungen besteht generell ein hoher Bedarf an fachlicher Begleitung im Alltag, denn sie haben zum Teil mit schwer belasteten Kindern zu tun, die aufgrund von Vernachlässigung, Missbrauch oder Gewalt geschädigt sind, vermehrt auch mit dem Hintergrund von Fluchterfahrungen“, betont die Geschäftsführerin des DKSB-SH, Susanne Günther. „Durch die Finanzierung haben wir jetzt endlich die Möglichkeit, die Strukturen für Traumapädagogik-Angebote zur Qualifizierung und Beratung des Fachpersonals weiter auszubauen bzw. bedarfsgerecht weiter zu entwickeln. Im Sinne der Kinder wollen wir das Projekt auch langfristig fortsetzen“, so Günther. Die teilnehmenden Fachleute aus den Kitas und Familienzentren erhielten fachlichen Input mit den Vorträgen von Dr. Andreas Krüger, Institut für Psychotraumatologie des Kindes- und Jugendalters IPKJ Hamburg, „Hochbelastete und traumatisierte Kinder im Rahmen vorschulischer Betreuung und Erziehung: eine fachliche Herausforderung“, und von Annette Naumann, AWO Kinderhaus Sibeliusweg Kiel, „Traumapädagogisches Arbeiten umsetzen – ein Praxiseinblick“.

 

Körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen, Demütigungen, Vernachlässigung, der plötzliche Verlust einer Bindungsperson oder auch das Miterleben von Krieg und Flucht hinterlassen tiefe seelische Verletzungen. Sozialministerin Kristin Alheit erklärt: „Betroffene Kinder brauchen Bezugspersonen, die ihre Verhaltensweisen als Traumareaktion verstehen. Und sie müssen wissen, dass besondere Verhaltensweisen häufig zu einer Überlebensstrategie gehören, die Kindern dabei helfen soll, erneut die Kontrolle über ihren Alltag zu gewinnen. Mit dem Projekt möchten wir die pädagogischen Fachkräfte in Kitas unterstützen, damit sie Kindern die notwendige Hilfe anbieten können.“

 

Wie in den anderen Regionen auch, können Kitas und Familienzentren regionale Fortbildungsangebote in unterschiedlichem Umfang praxisbegleitende Traumaberatungen und Supervision in Anspruch nehmen. Weil die TiK-SH-Berater in die Einrichtungen kommen, kann TiK-SH sehr flexibel in den Arbeitsalltag integriert werden. Selbst Informationsveranstaltungen oder Seminare für das ganze Team sind in der Einrichtung möglich. Die umfassende Förderung des Sozialministeriums macht die Angebote für die Einrichtungen kostenfrei. Das Ziel von TiK-SH ist es, für hochbelastete und traumatisierte Kinder landesweit gute Erziehungsbedingungen in Kindertageseinrichtungen zu fördern oder zu schaffen. „Hochbelastete, traumatisierte Kinder können eine Herausforderung für Fachkräfte in Kitas darstellen. Mit TiK-SH werden die Fachkräfte sowohl in ihrem professionellen Handeln als auch in ihrer Selbstreflexion unterstützt und gestärkt. Das ist notwendig, um einerseits den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, als auch andererseits den Fachkräften bei ihren Belastungen zur Seite zu stehen“, erläutert Susanne Günther.

 

 

Die pädagogischen Fachleute der Kitas und Familienzentren in der Region Ost werden vom Projektleiter des Kinderschutzbundes, Marc Barth, und seinem vierköpfigen Beratungsteam mit Standorten in Lübeck, Kiel, Neustadt, und Bad Segeberg betreut:

 

Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e. V.

Informations- und Fortbildungsstelle Kinderschutz

- landesweit und regional -

Ansprechpartner: Marc Barth

Sophienblatt 85 | 24114 Kiel

Tel. 0431-666679-18

E-Mail: tik@kinderschutzbund-sh.de

www.kinderschutzbund-sh.de



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