13.05.2016 09:34

Traumapädagogik

Kinder mit Traumata bestmöglich unterstützen

KIEL. Sozialministerin Kristin Alheit stellt heute (12.5.) das vom Sozialministerium finanzierte Projekt „Traumapädagogik in Kindertagesstätten und Familienzentren (TiK)“  gemeinsam mit den beteiligten Trägern vor. Das jetzt startende Projekt bietet landesweit eine Qualifizierung, Unterstützung und Begleitung von Fachkräften im Umgang mit hochbelasteten oder traumatisierten Mädchen und Jungen in den Kindertageseinrichtungen und
Familienzentren an.

 

Körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen, Demütigungen, Vernachlässigung, der plötzliche Verlust einer Bindungsperson oder auch das Miterleben von Krieg und Flucht hinterlassen tiefe seelische Verletzungen. Sozialministerin Kristin Alheit betont: „Betroffene Kinder brauchen Bezugspersonen, die ihre Verhaltensweisen als Traumareaktion verstehen. Und sie müssen wissen, dass besondere Verhaltensweisen häufig zu einer Überlebensstrategie gehören, die Kindern dabei helfen soll, erneut die Kontrolle über ihren Alltag zu gewinnen. Mit dem Projekt möchten wir die pädagogischen Fachkräfte in Kitas unterstützen, damit sie Kindern die notwendige Hilfe anbieten können. Nutzen Sie die Angebote im Interesse der ihnen anvertrauten Kinder“.

 

Über drei Stützpunkte im Land, die jeweils den Trägern Deutscher Kinderschutzbund, Landesverband S.-H., IBAF, Institut für berufliche Aus- und Fortbildung, oder Wendepunkt e.V. zugeordnet werden, können interessierte Einrichtungen standardisierte Fortbildungsangebote in unterschiedlichem Umfang sowie Traumaberatungen erhalten. Die ausführenden regionalen Träger sind als gewaltpräventive Einrichtungen und Anbieter bedarfsgerechter Bildungsangebote bereits seit Jahren erfolgreich in der Traumapädagogik tätig und begrüßen die Finanzierung durch das Sozialministerium.

 

Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein knüpft mit TiK-SH in der Region Ost zudem an sein seit Oktober 2015 laufendes landes- und bundesweites Fortbildungskonzept „Sehen-Verstehen-angemessen Handeln: Traumatisierte

(Flüchtlings-) Kinder in Kitas gut begleiten und integrieren“ an. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertageseinrichtungen besteht generell ein hoher Bedarf an fachlicher Begleitung im Alltag, denn sie haben zum Teil mit schwer belasteten Kindern zu tun, die auf Grund von Vernachlässigung, Missbrauch oder Gewalt geschädigt sind, vermehrt auch mit dem Hintergrund von Fluchterfahrungen“, betont die Geschäftsführerin des DKSB-SH, Susanne Günther. „Durch die Finanzierung haben wir jetzt endlich die finanziellen Mittel, die Strukturen für Traumapädagogik-Angebote zur Qualifizierung und Beratung des Fachpersonals weiter auszubauen bzw. bedarfsgerecht weiter zu entwickeln. Im Sinne der Kinder wollen wir das Projekt auch langfristig fortsetzen“, so Günther.

 

Das Ziel von TiK-SH ist es, für hochbelastete und traumatisierte Kinder landesweit ein gutes Erziehungsmilieu in Kindertageseinrichtungen zu fördern oder zu schaffen. „Hochbelastete, traumatisierte Kinder können eine Herausforderung für Fachkräfte in Kitas darstellen“, weiß Ingrid Kohlschmitt, Geschäftsführerin von Wendepunkt. „Diese Kinder brauchen Bezugspersonen, die ihre verletzten Seelen verstehen und die ihre „besonderen“ Verhaltensweisen als Traumareaktion deuten können. Sie brauchen Menschen in ihrer Umgebung, die in der Lage sind, heilsame Beziehungen gestalten zu können und die über angemessene Stabilisierungstechniken verfügen. Mit unserem TiK-Projekt können wir diese Bezugspersonen auf verschiedenen Wegen unterstützen“, erklärt die Diplom-Pädagogin Kohlschmitt. Wendepunkt e.V. hat im Auftrag des Bildungsministeriums bereits die Fachkräfte aller ‚Deutsch als Zweitsprache‘(DaZ) -Zentren an den Schulen Schleswig-Holsteins zu traumapädagogischen Themen qualifiziert.


Durch das TiK-SH Projekt wird jetzt die flächendeckende traumapädagogische Qualifizierung von Fachkräften im U3 und Ü3 Bereich gefördert – und zwar durch drei Angebotsfelder: Beratung, Supervision und Fortbildung. „So werden die Fachkräfte sowohl in ihrem professionellen Handeln als auch in ihrer Selbstreflexion unterstützt und gestärkt“, führt Pastor Andreas Hamann, der Geschäftsführer der IBAF gGmbH, aus. „Das ist notwendig, um einerseits den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, als auch andererseits den Fachkräften bei ihren Belastungen zur Seite zu stehen. Natürlich erfordert das individuelle, auf die jeweiligen Einrichtungen und Fachkräfte zugeschnittene Beratungsangebote sowie Supervisions-Angebote zur Entlastung und damit Erhaltung der psychischen Gesundheit. Darüber hinaus dient die Supervision der Schulung der Reflexionsfähigkeit sowie der Besprechungskultur“, so der IBAF-Geschäftsführer. Das Institut für berufliche Aus- und Fortbildung betreut als größtes Bildungszentrum der Diakonie in Norddeutschland und zertifizierter Bildungsspezialist im Sozial- und Gesundheitswesen die Nord-West Region des TiK-SH Projektes.

 

So werden in Kooperation mit dem DKSB-SH (Region Ost) und Wendepunkt (Region Süd) landesweit Fortbildungen von unterschiedlicher Dauer und Intensität angeboten. Neben der Vermittlung traumapädagogischer Grundlagen setzt sich das Fachpersonal dabei auch mit seinen Handlungsmöglichkeiten in der Kita Praxis auseinander. Alle Angebote können als Inhouse-Veranstaltungenvereinbart werden. So wird den Einrichtungen die Nutzung der traumapädagogischen Angebote erleichtert und gleichzeitig die Gelegenheit geschaffen, die Qualifizierung dem gesamten ganzen Team auf einmal zu ermöglichen.

 

Mit der Formulierung von Standards für die Fortbildungsschwerpunkte, die fachlichen
Voraussetzungen von Referenten, Beratern und Supervisoren, stellen die mit der Umsetzung des landesweiten Projektes betrauten Träger sicher, dass TiK-SH landesweit in hoher Qualität angeboten wird.

 

Das aktuelle Angebot ist ab sofort abrufbar. Weitere Informationen finden sich in der Broschüre und im Internet unter www.tik-sh.de .



Zurück