25.11.2015 12:12

Terrorangst der Kinder

Mama, ich hab Angst, ich will nicht sterben“ – Die Terror-Angst unserer Kinder

KIEL Der Terror hat Deutschland erreicht und damit auch unsere Kinder. Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein erhält vermehrt Hinweise auf eine steigende Verunsicherung von Kindern durch die zunehmende Bedrohung durch Terroristen.
„Mama, ich habe Angst, ich will nicht sterben“ – Dieser Satz eines Zehnjährigen lässt Irene Johns nicht mehr los. „In Zeiten täglicher Terrormeldungen machen sich nicht nur erwachsene Menschen Sorgen“, erklärt die Landesvorsitzende. „Kinder nehmen die Bedrohungen und Ängste um sie herum in großen Maße wahr, jedoch ohne über entsprechende Erfahrungswerte zu verfügen, um sie einzuordnen und sich abzugrenzen. Dafür brauchen sie ihre Eltern“, so Johns.

Wie man in solchen Situationen mit Kindern, die sich ängstigen oder belastet zeigen, am besten umgeht, weiß Manuel Florian, Leiter des Kinderschutz-Zentrums Kiel. Er rät besorgten Eltern, sich unbedingt Zeit zu nehmen für ein ruhiges Gespräch. „Es ist wichtig, wirklich zuzuhören und Verständnis für die Sorgen zu zeigen und diese keinesfalls abzutun oder zu bagatellisieren“, betont der Diplom-Psychologe. Schließlich sei es grundsätzlich zu begrüßen, wenn Kinder sich äußern, auch wenn Eltern sich selbst hilflos fühlen. „Man sollte sogar genau nachfragen, was das Kind im schlimmsten Fall befürchtet, denn jede Vermeidung beflügelt nur die Angst“, warnt Florian. „Es geht jetzt vor allem darum, dafür zu sorgen, dass die Terroristen in der Wahrnehmung des Kindes nicht größer und mächtiger werden. Außerdem sollten Eltern ihrem Kind zusichern, dass sie immer so gut wie möglich auf es aufpassen werden“, führt der Psychologe weiter aus. Allerdings solle man dabei nichts versprechen, was eventuell nicht gehalten werden könne, wie zum Beispiel die Aussage: „Uns wird nie etwas Schlimmes passieren“. Besser sei es laut Florian, genau nachzufragen, was dem Kind helfen könne und dies möglichst zeitnah umzusetzen. „Dabei geht es aber keineswegs um Meidung des Problems, indem man zuhause bleibt“, sagt der Leiter des Kieler Kinderschutz-Zentrums. „Ganz im Gegenteil, Eltern sollten einen möglichst geregelten und normalen Alltag gewährleisten. Wichtig sind auch beruhigende Rituale vor dem Schlafengehen und das Angebot, jederzeit über die Sorgen sprechen zu können. Und wenn die Ängste sich nicht legen oder sogar steigern, sollte man sich auf keinen Fall scheuen, fachliche Unterstützung zu suchen“, rät Manuel Florian.

Die Beratungseinrichtungen und das Elterntelefon des Deutschen Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein stehen Hilfesuchenden immer offen. „Angesichts der anhaltenden Verunsicherung durch Terrorwarnungen ist es ungemein wichtig, dass Eltern Zuversicht entwickeln und ihrem Kind vermitteln, dass es mit ihrer Hilfe die Ängste bewältigen wird“, betont die Landesvorsitzende Irene Johns.

 

Das Elterntelefon ist ein kostenfreies und anonymes Angebot.
Erreichbar: montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr, sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr
unter der Nummer 0800 111 0 550.



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