12.03.2010 10:00

Sexueller Missbrauch: Hilfe statt Aktionismus

Sexueller Missbrauch: Hilfe statt Aktionismus

Für verständlich, aber zu diesem Zeitpunkt wenig hilfreich hält Irene Johns, Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Kinderschutzbundes, die aktuelle Diskussion über Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch. Seit Wochen werde die Debatte beherrscht von Fragen nach mehr Kontrollen und einer Aus-dehnung der Strafverfolgungsmöglichkeiten. Johns warnt vor Aktionismus. Man gewinne den Eindruck, die Gesellschaft könne oder wolle das Leid nicht ertragen, das hinter den einst in Institutionen missbrauchten Kindern steht, die heu-te als Erwachsene über ihre Missbrauchserfahrungen durch Geistliche oder Pädagogen berichten. „Die Hilfe für die Betroffenen und ihre Fragen geraten bei der Debatte in den Hintergrund“, so Johns. Johns unterstützt die Forderung von Justizminister Emil Schmalfuß, die Hilfsangebote für Betroffene weiter zu ver-bessern und sie darin zu stärken, früher Hilfe in Anspruch zu nehmen.
„Wir brauchen auch keine neuen schul- und einrichtungsübergreifenden Angebote, wie sie der Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle ins Ge-spräch gebracht hat“, befindet Johns. Seit mehr als 20 Jahren finden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Schleswig-Holstein nach erlittener sexueller Gewalt Rat und Unterstützung in den Kinderschutz-Zentren und den Fachbera-tungsstellen für Fragen der Gewalt. Auch Fachkräfte aus Institutionen wie Schule, Kirche, Verbände – also Lehrer, Erzieher, Betreuer, aber auch Eltern – können sich an diese Stellen wenden, wenn sie die Vermutung haben, dass ein Kind oder Jugendlicher Opfer sexueller Gewalt ist. „Wenn Erwachsene mit Miss-brauchserfahrung sich an uns wenden, nennen wir ihnen Beratungsstellen oder

Psychotherapeuten vor Ort, die ihnen weiterhelfen können“, berichtet die Vorsitzende des Kinderschutzbund.
Eines zeigt die aktuelle Diskussion allerdings auch sehr deutlich: in vielen Institutionen fehlt nach wie vor ein angemessener Umgang mit der Thematik des sexuellen Missbrauchs. Um Kindern, Jugendlichen, wie auch Erwachsenen nicht wiederholt großes Leid zuzufügen, brauchen Institutionen klare Verhaltensregeln und ein angemessenes Krisenmanagement, wenn die Vermutung oder Klarheit eines sexuellen Missbrauchs besteht. Auch in diesen Fällen ist Beratung durch die Kinderschutz-Zentren und Fachberatungsstellen möglich.



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