14.06.2017 11:19

Sexueller Kindesmissbrauch

Kinderschutzbund Schleswig-Holstein:
Verdacht des Kindesmissbrauchs darf kein Tabuthema sein

 

KIEL Anlässlich der für den 15. Juni 2017 am Lübecker Landgericht geplanten Urteilsverkündung in dem überaus erschütternden Fall von mehrfachem schwerem Kindesmissbrauch einer Zweijährigen mahnt der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein zu einer stärkeren Sensibilisierung der Umwelt für mögliche Hinweise vonseiten der Missbrauchsopfer. „Im Zusammenleben und Zusammenarbeiten mit Kindern müssen wir zu jeder Zeit sensibel für Veränderungen in deren Äußerungen und Verhalten sein. Wenn offensichtliche und bekannte Gründe dafür fehlen, muss auch sexueller Missbrauch als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, selbst wenn es noch so unvorstellbar scheint“, mahnt die Landesvorsitzende Irene Johns.

 

Das Erleben von sexueller Gewalt sei für Kinder mit extremer Hilflosigkeit, Verstörung und schlimmstenfalls sogar Todesangst verbunden, was eine starke Traumatisierung bedeute, erläutert die Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. Besonders verwirrend und ängstigend sei es für ein Kind, von einem ihm nahestehenden Menschen wie dem eigenen Vater sexuell missbraucht zu werden. Auf derart belastende Gewalterfahrungen reagiere jedes Kind auf seine Weise, durch depressive Symptome wie Verstummen, Rückzug und Resignation oder nach außen gerichtet, durch Aggressivität. Einige Kinder reagieren mit selbstverletzendem oder sexualisiertem Verhalten, so Johns weiter. „In der Regel verändert sich ein Kind, das Opfer von sexuellem Missbrauch wird, so, dass es für aufmerksame Familienmitglieder, Freunde und Betreuungspersonen in Kitas oder Schulen erkennbar sein kann“, betont die DKSB-SH-Vorsitzende. „Wer so eine deutliche Veränderung bemerkt, sollte immer nach möglichen Gründen fragen und sich bei Unsicherheit unbedingt Rat oder Hilfe holen, zum Beispiel beim nächsten Kinderschutz-Zentrum oder einer Fachberatungsstelle vor Ort“, rät Johns. „Es gilt aufmerksam zu sein und schnell tätig zu werden, denn je jünger Kinder sind und je länger die sexuelle Misshandlung andauert, desto schwerwiegender sind die Folgen“, weiß Irene Johns.



Zurück