08.10.2014 10:13

Schwimmkompetenz von Grundschülern

Der nächste Sommer kommt bestimmt!

Kinderschutzbund warnt vor mangelhafter Schwimmkompetenz der Grundschüler

KIEL Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V. beobachtet die unzureichende Schwimmfähigkeit der Sechs- Zehnjährigen mit großer Sorge. „Dass laut letzter Umfragen nahezu jeder zweite Viertklässler nicht sicher schwimmen kann, ist alarmierend“, mahnt die Landesvorsitzende Irene Johns. „Schwimmen zu können ist für Kinder aus vielen Gründen wichtig – insbesondere in einem Land zwischen Meeren und mit vielen Seen. Es ist nicht nur eine lebensnotwendige Basiskompetenz, die Fähigkeit zu Schwimmen stärkt auch das Selbstbewusstsein von Kindern - sie haben Spaß und sind mit dabei. Es geht hier also um Sicherheit, Gesundheit und Teilhabe von Kindern“, betont Johns.

 Dennoch finde der im Lehrplan für die Grundschulen vorgesehene Schwimmunterricht in Schleswig-Holstein längst nicht mehr überall statt, kritisiert die Landesvorsitzende. Dabei weise auch der Lehrplan darauf hin, dass “der Auseinandersetzung mit dem Wasser besondere Bedeutung zukomme“. Zudem habe die letzte Erhebung der DLRG wieder bestätigt, dass Kinder umso besser schwimmen lernen, je jünger sie sind.

„Nicht alle Eltern haben die finanziellen Möglichkeiten, ihre Kinder zu privaten Schwimmkursen zu schicken, wenn der Schwimmunterricht in der Schule ausfällt“, gibt Irene Johns zu Bedenken. „Mit dem Ergebnis, dass vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien Probleme haben, sicheres Schwimmen zu lernen. Und hier geht es um keine kleine Randgruppe: In Schleswig-Holstein leben zurzeit etwa 120.000 Kinder und Jugendliche mit einem Rechtsanspruch auf Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets“, erinnert Johns.

Es sei generell ein Grundproblem, dass preiswerter Schwimmunterricht vielerorts oft gar nicht mehr möglich wäre, stellt Irene Johns fest. Viele Schwimmbäder seien wegen kommunaler Sparmaßnahmen geschlossen worden und Spaßbäder böten keine Alternative. Daher würden die Anfahrtswege für Schulklassen oft unverhältnismäßig lang. „Selbst wenn sich noch ein Schwimmbad in erreichbarer Nähe befindet und selbst wenn die Schulträger Beförderungs- und Hallennutzungskosten erstatten, bedeutet sicherer Schwimmunterricht natürlich einen großen Personalaufwand und damit Lehrerstunden, die dann vielleicht woanders fehlen“, konstatiert Johns. „Da werden dann leider schon mal die falschen Prioritäten gesetzt. Deshalb besteht hier ein großer Handlungsbedarf! Der Schwimmunterricht an Grundschulen in Schleswig-Holstein muss einfach besser unterstützt werden. Land und Kommunen müssen gemeinsam und gegebenenfalls mit weiteren Partnern für die Schwimmkompetenz aller Kinder sorgen“, fordert die Landesvorsitzende.

Hamburg hat es schon vorgemacht: Ab diesem Schuljahr findet dort schon in den Klassen drei und vier verpflichtend jeweils ein halbes Jahr Schwimmunterricht mit der Regelanforderung statt, dass die Kinder am Ende der Grundschulzeit sicher schwimmen können, d.h. das Jugendschwimmabzeichen Bronze, mindestens aber das Seepferdchen gemacht haben. Darüber hinaus wird für Kinder mit hoher Wasserängstlichkeit und schwacher Schwimmleistung eine zusätzliche Schwimmförderung angeboten.

Bis es in Schleswig-Holstein soweit ist, versucht auch der Kinderschutzbund zu helfen, wo er kann. In Rendsburg wurde bereits erfolgreich ein spendenfinanziertes Schwimmprojekt ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Der Kinderschutzbund bewegt Kinder“ ermöglicht der Ortsverband Rendsburg e.V. Grundschülern aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Familien Schwimmunterricht. Bisher haben in den Schwimmkursen, die in Kooperation mit vier Grundschulen angeboten werden, schon 70 Kinder ihr Seepferdchen gemacht.

„Genau wie die Verkehrserziehung vermittelt der Schwimmunterricht Basiskompetenzen, die wir an unsere Kinder frühzeitig weitergeben müssen. Die Fähigkeiten tragen dazu bei, dass unsere Kinder sicher und selbstbewusst aufwachsen“, schließt Irene Johns.


Foto: Fotolia © .shock

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