13.08.2018 11:55

Schwimmen zu können ist mehr als den Kopf über Wasser zu halten

Sommertour Eka von Kalben zu Gast beim Kinderschutzbund SH in Rendsburg

Rendsburg/KIEL Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein (DKSB LV SH) ist heute (13. August 2018) in Rendsburg Gastgeber zum Auftakt der Sommertour „Schwimmen lernen!“ der Vorsitzenden der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben. 

Seit Sommer 2014 weist der Kinderschutzbund auf den Missstand hin, dass jeder zweite Viertklässler nur unzureichend schwimmen kann. Um hier vor Ort Abhilfe zu schaffen und Kindern das Schwimmen lernen zu ermöglichen, initiierte der DKSB LV SH auf Landesebene gemeinsam mit anderen Institutionen Spendenaktionen, die insgesamt rund 40.000 Euro für „Schleswig-Holstein lernt Schwimmen“ einbrachten und bis heute knapp 300 Kindern einen Schwimmkurs ermöglichten.

Zusätzlich werden in einigen Orts- und Kreisverbänden des Kinderschutzbundes Schwimmkurse für benachteiligte Kinder oder Spendenaktionen für Schwimmbad-Freikarten organisiert. 

Das kann aber nichts an der betrüblichen Tatsache ändern, dass rund an einem  Viertel der 394 Grundschulen im Land mit 101.200 Schüler/-innen der laut Lehrplan obligatorische Schwimmunterricht in der 4. Klasse nicht durchgeführt wird.

 „Dabei kann es nicht bleiben! Die Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag 2017 formuliert, dass sie das Ziel unterstützen, dass alle Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit schwimmen lernen. Bisher ist leider wenig passiert, damit wir diesem Ziel näherkommen“, mahnt Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein. Der Kinderschutzbund hat Eka von Kalben daher eingeladen, um seine Aktivitäten zu diesem Thema vorzustellen und das Thema in der Landesregierung voranzubringen. Ein zweiter Vor-Ort-Termin findet am 14. August in Bargteheide beim Kinderschutzbund Kreisverband Stormarn statt.

Die Grüne Fraktionsvorsitzende Eka von Kalben: „Mit meiner diesjährigen Sommertour möchte ich ein besonderes Augenmerk auf das Thema Schwimmen in Schleswig-Holstein legen. Es kann doch nicht sein, dass mehr als die Hälfte der Kinder in Schleswig-Holstein nicht schwimmen können. Kommunen, Vereine und Schulen müssen bei ihren Angeboten für das Schwimmen lernen unterstützt werden. Gerade in einem Land, das so sehr von Wasser geprägt ist, ist es nicht hinnehmbar, wenn wir hierbei nicht gemeinsam weiterkommen. Saubere Gewässer und intakte Schwimmbäder sind deshalb ein Angebot, das Schleswig-Holstein für alle Menschen, die hier leben und Urlaub machen wollen, vorhalten soll.“

Der Kinderschutzbund geht davon aus, dass weder die Kommunen als Schulträger vor Ort noch das Land allein im Sinne der Kinder kurzfristig eine Lösung finden können, um für gesicherten Schwimmunterricht an allen Grundschulen zu sorgen. Die Landesregierung sollte dafür entschlossen die Initiative ergreifen, so Irene Johns weiter. „Leider haben wir zurzeit den Eindruck, dass es für zu viele Kinder im Land von der Initiative einzelner Organisationen wie dem Kinderschutzbund abhängt, ob sie auch ohne individuelle Förderung von Eltern oder Schule schwimmen lernen“, macht Irene Johns deutlich. 

Beim Schwimmunterricht sollte es nicht nur darum gehen, Schwimmen als überlebenswichtige Kompetenz zu lernen, sondern auch darum, das Erlernte durch weiteren regelmäßigen Unterricht zu vertiefen. „Denn ein „Seepferdchen“-Abzeichen an der Badehose heißt noch lange nicht, dass ein Kind sich selbst retten kann, wenn es beim Spielen, bekleidet mit Übergangsjacke und Gummistiefeln, in einen Teich fällt. Auch zur Vertiefung des im Schwimmunterricht Erlernten sollte es daher ein Konzept geben. Uns als Kinderschutzbund ist aber auch der Aspekt der sozialen Teilhabe insbesondere für Kinder aus benachteiligten Familien wichtig“, so Irene Johns. „Saison- oder Ferienkarten kosten nun mal Geld, das vor allem ärmere oder kinderreiche Familien nicht haben“, so Irene Johns weiter.

Der Rendsburger Kinderschutzbund bietet seit fünf Jahren Schwimmkurse für Kinder aus benachteiligten Familien an. Dabei übernimmt der Kinderschutzbund die Verantwortung für die Kinder bereits ab der heimischen Wohnungstür. „Wir haben mittlerweile etwa 250 Kindern nicht nur das Schwimmen lernen ermöglicht, sondern uns geht es auch immer darum, die positiven Erfahrungen des Drumherums zu vermitteln: Indem wir die Kinder zu Hause abholen, lernen sie manchmal zum ersten Mal, dass man sich verlässlich um sie kümmert und auch sie sich verlässlich vorbereiten. Also: Badehose und Handtuch einpacken und pünktlich unten für den Bus bereitstehen. In der Umkleide geht es weiter, die Kinder lernen, sich zu organisieren und in einer vorgegebenen Zeit mit einer klar definierten Aufgabe fertig zu werden. Davon profitieren die Kinder enorm und genau das macht uns so viel Freude“, betont der langjährige Vorsitzende des Rendsburger Kinderschutzbundes Horst Reibisch. 

Der Kinderarzt streicht jedoch auch gesundheitliche Aspekte heraus: „Kinder ohne positive Wassererfahrung können in scheinbar harmlosen Situationen in Panik geraten und selbst in sehr flachen Gewässern zu Tode kommen. Außerdem erleben wir bei manchen benachteiligten Kindern, dass sie überhaupt kein Gefahrenbewusstsein entwickelt haben. Sie springen in tiefes Wasser und gehen oft einfach unter!“ 

Daher bemüht sich der Rendsburger Kinderschutzbund für jedes Kind, das mit dem DKSB Schwimmen gelernt hat, im Anschluss eine Verstetigung möglichst in einem Verein zu erreichen. Der Rendsburger Kinderschutzbund ist rein ehrenamtlich aufgestellt und setzt für die Schwimm-Projekte Spenden ein. Insgesamt sind vier Ehrenamtliche für dieses Projekt aktiv.

Foto v.L.: Dr. D.-Holger Müller (Vorstand plietsch und stark i.d. Region Rendsburg e.V.), Eka von Kalben (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen des Schleswig-Holsteinischen Landtags), Irene Johns (Landesvorsitzende DKSB LV SH), Horst Reibisch (Vorsitzender DKSB OV Rendsburg), Kenneth Clausen (Stadtwerke Rendsburg)


v.L.: Dr. D.-Holger Müller, Eka von Kalben, Irene Johns, Horst Reibisch, Kenneth Clausen

Zurück