20.10.2011 13:20

Psychopharmaka für Kinder

Immer mehr Kinder und Jugendliche nehmen Psychopharmaka

 

Kinderschutzbund fordert Ärzte und Eltern zu sorgsamerem Umgang bei der Behandlung verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher auf

 

Die Techniker Krankenkasse gab gestern bekannt, dass immer mehr Kindern und Jugendlichen in Deutschland Psychopharmaka verordnet werden. Die Anzahl habe sich teilweise mehr als verdoppelt.

 

Hierzu erklärt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein:

 

„Immer mehr Kinder zeigen ein auffälliges Verhalten. Dieses Verhalten ist häufig ein Zeichen für Not oder Überforderung – und keine Krankheit. Es ist unsere Pflicht, die Ursachen für diese Verhaltensauffälligkeiten sorgfältig zu untersuchen und individuelle Lösungen zu finden. Wir müssen die Hilferufe der Kinder und Jugendlichen verstehen und ihnen Hilfe oder spezielle Förderung bieten. Das ist in der Regel ein schwieriger, aufwändiger Weg. Sehr viel leichter ist es, das Verhalten als Krankheit zu verstehen und mit Medikamenten zu behandeln. Eine rasch wirkende Tablette ist verlockend. Hier sind die Ärzte gefordert. Sie müssen verantwortungsvoll und vorsichtig die Verschreibung von Psychopharmaka abwägen und die Eltern aufklären und gegebenenfalls an andere Stellen weiter verweisen.

Wir haben es in diesem Zusammenhang auch mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun. Die Krankheit als Diagnose ist allgemein akzeptiert. Niemand kann etwas dafür. Aber wenn wir uns ehrlich mit den Ursachen auffälligen Verhaltens auseinandersetzen, müssen wir uns fragen, ob wir grundsätzlich etwas verändern müssen. Hier brauchen wir mehr Offenheit von Eltern, Lehrern, aber auch dem gesamten gesellschaftlichen Umfeld der Kinder und Jugendlichen.“



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