27.09.2010 11:00

Neuberechnung der Regelsätze und Bildungspaket für Kinder wirft viele Fragen auf

Neuberechnung der Regelsätze und Bildungspaket für Kinder wirft viele Fragen auf

Endlich wird der Regelsatz für Kinder unabhängig vom Regelsatz der Erwachsenen be-rechnet – das ist das Positive, was der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein bislang an der Neuberechnung der HARTZ IV-Leistungen für Kinder erkennen kann.
„Generell werfen für uns die aktuell vorgelegten Regelsätze und das Bildungspaket für Kinder viele Fragen auf. Vieles erscheint uns auf den ersten Blick unverständlich und inakzeptabel“, erklärt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein. Zum Beispiel werde der ohnehin schon zu niedrige Betrag für Essen und Getränke für Kinder im Alter von 0 – 6 Jahren und unter 14 Jahren sogar noch reduziert. Parallel dazu sehe das Bildungspaket vor, dass Kinder, die in Schule oder Kita zu Mittag essen, einen Zuschuss von rund zwei Euro erhalten. „Warum wird der Regelsatz für Kinder nicht um diesen Beitrag für Essen und Getränke erhöht?“, fragt die Kinderschutzbundvorsitzende. So würden nur die Kinder in den Genuss des Zuschusses kommen, die zu einer Kita oder zur Schule gehen. Mehr noch: „Es kann nicht sicher da-von ausgegangen werden, dass auch alle diese Einrichtungen einen Mittagstisch für Kinder anbieten“, so Johns. Das bedeutet, dass unter dem Strich der Beitrag nur für ei-nen Teil der Kinder gezahlt würde, andere Kinder aber mit noch weniger Geld fürs Es-sen auskommen müssten als bisher. „Es muss sichergestellt werden, dass alle Kinder erreicht werden“, fordert Johns.
Auch das Bildungspaket gibt Anlass zur Kritik: „Es scheint, dass die Bundesregierung HARTZ IV-Empfängern generell misstraut“, findet Johns. Es stelle sich die Frage, warum man beispielsweise die 120 Euro pro Kind und Jahr für eine Vereinsmitgliedschaft, Ferienfreizeiten und außerschulische Bildung nicht direkt an die Eltern auszahlt? Statt-dessen werde ein enormer bürokratischer Aufwand betrieben, um den Kindern indirekt diese Leistungen zukommen zu lassen. „Das ist Geld, das man besser sparen könnte“, ärgert sich Johns. Wenn es darum gehe, wirklich das Freizeitangebot aller Kinder zu verbessern und sie damit besser in die Gesellschaft zu integrieren, dann sollte man die Infrastrukturen stärken und beispielsweise die Kurs - Angebote an Ganztagsschulen kostenfrei anbieten.
„Wir werden die Neuberechnungen sehr genau prüfen und uns weiter dafür stark machen, dass sich die Lebensbedingungen – auch für die Kinder von HARTZ IV-Empfängern – verbessern“, so Johns. Und eine Verbesserung für alle Kinder könne der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein derzeit noch nicht erkennen.



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