10.03.2017 11:18

Landtagswahl SH 2017

Kinderschutzbund Schleswig-Holstein: Forderungen zur Landtagswahl

 

KIEL Im Hinblick auf die Landtagswahlen im Mai 2017 hat der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein sechs Wahlprüfsteine formuliert, die heute veröffentlicht werden. „Es ist wichtig, die Wahlprogramme der Parteien mit gezieltem Blick auf Kinderschutz und Kinderrechte zu prüfen“, betont die Landesvorsitzende Irene Johns. „Nur so können wir beurteilen, welche Parteien die Interessen aller Kinder und Jugendlichen ausreichend berücksichtigen, um ihnen langfristig ein gutes, gesundes Aufwachsen und gleichwertige Zukunftschancen zu ermöglichen“, so Johns.

Die Wahlprüfsteine des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein beinhalten elementare Forderungen, für deren Umsetzung sich der Verband beständig einsetzt:

 

  1. 1.     Wahlprüfstein: Kinderrecht auf soziale Sicherheit

Trotz guter Wirtschaftslage ist die Kinderarmut in Deutschland weiter gestiegen. Auch in Schleswig-Holstein lebt jedes 6. Kind in Armut, das bedeutet, es hat schlechtere Bildungs- und Berufsaussichten sowie eingeschränkte gesundheitlichen Entwicklungs- und Teilhabechancen. Eine nachhaltige Gesamtstrategie gegen Kinderarmut von Bund, Ländern und Kommunen ist daher dringend erforderlich. Dazu gehören die Einführung einer Kindergrundsicherung sowie die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz.

  1. 2.     Wahlprüfstein: Kinderrecht auf Bildung und Teilhabe

Bildungs- und Teilhabechancen hängen in Deutschland noch immer in hohem Maße von der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Eltern ab. Da frühe Betreuung als Bildungsgrundlage aber genau wie Schul- und Berufsbildung keine Frage des Geldes sein darf, fordert der Kinderschutzbund konsequent die Kostenfreiheit aller Bildungseinrichtungen bei gleichzeitiger Qualitätsentwicklung. Das beinhaltet auch eine tatsächliche Lernmittelfreiheit. Außerdem muss der Schwimmunterricht an Grundschulen durch verbindliche Regelungen sichergestellt werden.

  1. 3.     Wahlprüfstein: Kinderrecht auf Partizipation und eigene Meinung

Mit Blick auf den demographischen Wandel ist die durchgehende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen als ExpertInnen ihrer Lebenswelt für eine zukunftsorientierte, generationengerechte Gesellschaft unersetzlich. In diesem Sinne sollte es auch eine Überprüfung der Auswirkungen aller Gesetzes- und Planungsvorhaben auf Kinder, Jugendliche und Familien, sowie ein regelhaftes Beschwerdemanagement in Kinder- und Jugendhilfe Einrichtungen geben.

  1. 4.     Wahlprüfstein: Kinderrecht auf gesundes Aufwachsen

Schuleingangsuntersuchungen in Schleswig-Holstein ergeben regelmäßig, dass viele Kinder gesundheitliche Beeinträchtigungen haben, wobei der Gesundheitszustand sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher deutlich schlechter ist. Für eine Chancengleichheit aller Kinder ist eine Verstärkung der Gesundheitsförderung und pränatalen Prävention dringend notwendig. Dazu zählen auch Beratungsangebote für Kinder (psychisch) kranker Eltern sowie eine verbesserte Inklusion chronisch kranker Kinder an Schulen.

  1. 5.     Wahlprüfstein: Kinderrecht auf Schutz vor Gewalt

Seit Jahren steigen die Hilfeanfragen bei bestehenden oder vermuteten Gefährdungen von Kindern durch körperliche, seelische und sexuelle Gewalt sowie durch Vernachlässigung. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Kinderschutzes in allen entsprechenden Institutionen durch Information, Beratung und Fortbildung für Fachkräfte und Ehrenamtliche, sowie der Ausbau und Stärkung des Kinderschutzes im ländlichen Raum und die Erweiterung von Beschwerdemanagement und externen Beschwerdemöglichkeiten in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sind daher konsequent voranzubringen.

  1. 6.     Wahlprüfstein: Kinderrecht auf Gleichheit

Gemäß UN-Kinderrechtskonvention müssen für jedes Kind, unabhängig von Herkunft, Kultur und Religion, die gleichen Rechte gelten und der Schutz vor Diskriminierung gewährleistet sein - auch wenn sie sich auf der Flucht befinden. Gerade Kinder mit Fluchterfahrungen benötigen für eine gesunde Entwicklung und die Schaffung gleichwertiger Teilhabechancen Schutz, Fürsorge und Unterstützung in angemessener Qualität und Umfang. Dazu gehören die Qualifizierung und fachliche Begleitung der haupt- und ehrenamtlich Tätigen, die Umsetzung fachlicher Kinderschutzkonzepte in den Unterkünften sowie eine verlängerte Hilfe für Volljährige.

„Kinder sind die Zukunft unseres Landes“, betont Irene Johns bei der Vorstellung der Wahlprüfsteine. „Deshalb ist es die Aufgabe der Landespolitik, ihnen den Weg für die bestmögliche Zukunftschancen zu ebnen“, so die Landesvorsitzende.



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