27.11.2012 09:00

Landesweiter Fachtag

Weiterentwicklung der Handlungsstrategien im Umgang mit sexuellem Missbrauch in Institutionen – 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Fachtagung erwartet


KIEL/RENDSBURG. Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden am kommen-den Montag (26.11.) bei der Fachtagung zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in Insti-tutionen „…und dann war es Thema!“ in Rendsburg erwartet. Mit dieser Fachtagung wollen Sozialministerium, Bildungsministerium, Justizministerium und der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein die bisherigen Erfahrungen diskutieren, Ergebnisse auswerten und neue Perspektiven zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs entwickeln. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Leitgedanken des zum 1. Januar 2012 in Kraft getrete-nen Bundeskinderschutzgesetzes, wonach Kinderschutz und Kinderrechte keinen un-vereinbaren Widerspruch, sondern eine Einheit bilden.
Eröffnet wird die Tagung mit einem gemeinsamen Podiums-Gespräch mit Sozialministerin Kristin Alheit, Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud ‚Wara‘ Wende und Irene Johns, Vorsitzende Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Bernd-Wilhelm Rörig, wird aus seiner Arbeit bei der Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches auf Bundesebene berichten. Frau Professorin Wolff von der Hochschule Landshut wird zu dem Schwerpunkt „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Präventionsmaßnahmen“ vortragen. Die 10 Workshops der Tagung basieren auf der vor zweieinhalb Jahren gemeinsam von den Ministerien und dem Kinderschutzbund in Kooperation freier und öffentlicher Träger gestarteten Fortbildungs- und Präventionsinitiative. Erreicht wurden in dieser Zeit in sechs Fachgesprächen und zwei Tagungen dadurch mehr als 1000 Fachkräfte aus Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und Justiz.
Jugendministerin Alheit betonte: „Prävention sowie Beratung und Hilfen für Opfer sind ein wichtiger Bestandteil des Kinderschutzes in Schleswig-Holstein. Der Fortbildung von Fachkräften, die mit Kindern und Jugendlichen tätig sind, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Es gilt, Missbrauch zu verhindern, zu erkennen und frühzeitig handeln zu können. Die Beratungs- und Hilfeangebote der öffentlichen und freien Träger sind dabei wichtige Partner vor Ort.“
Justizministerin Anke Spoorendonk ergänzte: „Die schleswig-holsteinische Justiz ist für die Bearbeitung von Verdachtsfällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Ju-gendlichen gut aufgestellt. Ermittlungen in diesem sensiblen Bereich werden bei Staatsanwaltschaften und Polizei durch besonders geschultes Personal geführt.“ Im Bereich der Gesetzgebung hat sich die Justizministerkonferenz Mitte November mit Unterstüt-zung Schleswig-Holsteins für einen wirksameren Schutz von Minderjährigen vor sexuel-len Übergriffen durch Lehrkräfte und Aufsichtspersonen in Schulen, Jugendheimen und ähnlichen Einrichtungen ausgesprochen. Bereits zum Jahresbeginn trat das Bundeskinderschutzgesetz in Kraft, welches nunmehr eine klare Rechtsgrundlage für die Übermitt-lung von Informationen durch Ärzte, Pädagogen und andere Berufsgeheimnisträger an das Jugendamt bei dem Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung bietet.“
„Beim Thema sexuelle Gewalt genügen keine Lippenbekenntnisse“, sagte Bildungs- und Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Waltraud ´Wara´ Wende und betonte, Schule müsse ein Schutzraum sein, in dem alle Beteiligten einen wertschätzenden Umgang pflegten und jegliche Grenzverletzung „wahrnehmen, ansprechen und eindeutig ablehnen“. Viele Projekte von Ministerium und Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) unterstützten die Arbeit von Lehrkräften, zudem gebe es Fortbildungsveranstaltungen zum Thema sexuelle Selbstbestimmtheit. „Ich bin auch froh, dass es der Kieler Universität gelungen ist, eine Junior-Professur für Sexualpädagogik mit Schwer-punkt Gewaltprävention zu schaffen“, sagte die Ministerin.
„Wir haben gemeinsam in Schleswig-Holstein für den Schutz von Kindern bei sexuellem Missbrauch viel erreicht“, erklärte die Landesvorsitzende Johns, “aber aufgrund steigen-der Anfragen müssen Hilfen für kindliche Opfer und Fachberatung weiter verstärkt wer-den. Darüber hinaus sehen wir dringenden Handlungsbedarf im Bereich der Kinder mit Behinderung und in einer stärkeren Beteiligung von Kindern. Kinder müssen sich in Einrichtungen bei sexuellem Missbrauch oder Übergriffen mitteilen können, um Hilfe in An-spruch zu nehmen. Der Schutz von behinderten Kindern vor sexueller Gewalt darf kein Randthema bleiben, weil diese Kinder in höherem Maße gefährdet und besonders schutzbedürftig sind.“



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