29.04.2016 08:13

Landeskinderschutzbericht

DKSB SH fordert Ausbau verbindlicher Schutzkonzepte

Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein begrüßt angesichts der heutigen Veröffentlichung des zweiten Teils des Landeskinderschutzberichtes mit Schwerpunkt Kinderschutz den stetigen Einsatz der Landesregierung, das bestehende Kinderschutzsystem in Schleswig-Holstein nachhaltig weiterzuentwickeln und zu verbessern. „Es wurde schon viel erreicht, aber effektiver Kinderschutz ist ein permanenter Prozess - die Herausforderungen und Anforderungen sind vielschichtig und nehmen ständig zu“, betont die Landesvorsitzende Irene Johns, die ebenfalls Mitglied der 16-köpfigen Kommission für den Landeskinderschutzbericht Schleswig-Holstein war. Genau wie die Landesregierung sehe sie die Handlungsbedingungen zunehmend erschwert durch die anhaltend hohe Kinderarmut und damit verbundenen negativen Auswirkungen auf Chancengerechtigkeit und Gesundheit der Kinder, sowie die demographische Entwicklung und die damit verbundene Gefahr des Wegbrechens von Versorgungsstrukturen in ländlichen Räumen.„Trotz sinkender Kinderzahl ist in Schleswig-Holstein die Nachfrage nach Hilfen insgesamt gestiegen“, mahnt die Landesvorsitzende.
Um Kindern in unterschiedlichen Gefährdungslagen helfen und sie wirksam schützen zu können, müsse die multiprofessionelle Kooperation von Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitssystems, der Schule, der Behindertenhilfe sowie der Justiz weiter gefördert und mit den dafür notwendigen Ressourcen ausgestattet werden. „Vor allem aber müssen wir frühzeitig tätig werden, um Gefährdungen von Kindern möglichst von vornherein verhindern zu können und so ein geschütztes Aufwachsen von Anfang an zu gewährleisten. Die Stärkung der Präventionsmaßnahmen auf allen Ebenen ist daher die Basis eines funktionierenden Kinderschutzkonzeptes – angefangen bei den Frühen Hilfen für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern. Es ist unerlässlich, diese fachlich, personell und vor allem finanziell ausreichend auszustatten, so dass Unterstützung für alle Familien zugänglich und erreichbar ist. Deshalb sollten neben den bestehenden Bundesmitteln auch die Landesmittel unbedingt wieder aufgestockt werden“, fordert Johns.
Generell setze sich der DKSB-SH für den noch umfassenderen Ausbau eines Hilfenetzwerkes mit zunehmend verbindlicheren Handlungsrahmen und -bedingungen ein. „Entgegen der Stellungnahme der Landesregierung drängen wir über die Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung eigener Schutzkonzepte hinaus auf eine allgemein geltende Konzeption zum Kinderschutz in allen Einrichtungen – auch in der Schule“, bekräftigt die Landesvorsitzende.

Auch angesichts der neuen Herausforderung durch die große Zahl an teilweise sogar unbegleiteten Flüchtlingskindern, von denen viele traumatisiert und daher besonders schutzbedürftig seien, müsse man verbindliche Schutzstandards festlegen. Dazu würden neben der fachgerechten Versorgung und Betreuung auch geeignete präventive Maßnahmen gehören, um die Kinder vor möglichen Übergriffen in Flüchtlingseinrichtungen zu schützen. „Dafür sind gesetzliche Vorgaben zur Gewährleistung von Mindeststandards zum Schutz der geflüchteten Kinder vor sexuellen Übergriffen unumgänglich, doch leider ist ein derartiger gesetzlicher Schutzstandard nicht in das Asylpaket II der Bundesregierung aufgenommen worden“, kritisiert Irene Johns.
„Kinderschutz ist kein Kurzzeitprojekt, sondern eine dauerhafte Aufgabe und muss permanent weiterentwickelt und angepasst werden“ so Johns. Deshalb sei es wichtig, im ständigen multiprofessionellen Dialog zu bleiben. „Der pro Legislaturperiode festgesetzte Landeskinderschutzbericht ist ein guter Anlass dafür, aber jetzt muss die weitere Umsetzung folgen. Schließlich ist es ist das Recht aller Kinder, sicher und gesund aufzuwachsen – und es ist unsere Pflicht, durch eine umfassende und nachhaltige Schutzkonzeption die Basis dafür zu schaffen“, konstatiert die Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein.



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