29.09.2010 11:00

Kürzungen der Landesmittel für Kinderschutz-Arbeit in Schleswig-Holstein

Offener Brief
an die Damen und Herren Abgeordneten des Schleswig-Holsteinischen Landtag

Kürzungen der Landesmittel für Kinderschutz-Arbeit in Schleswig-Holstein
Sehr geehrte Damen und Herren Landtagsabgeordnete!
Das Land Schleswig-Holstein nimmt drastische Einschnitte im Landeshaushalt vor, die auch die Lebensbedingungen und Entwicklungschancen von Kindern beeinträchtigen. Wir möchten Sie vor allem auf drei Kürzungen im Bereich des Kinderschutzes in Schleswig-Holstein aufmerksam machen und Sie bitten, diese noch einmal zu überdenken
und zu revidieren:
1. 40 % weniger Landesmittel sollen in den kommenden zwei Jahren die Schutzengelprojekte für Frühen Hilfen für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern erhalten, die erst im Rahmen des Kinderschutzgesetzes aufgebaut worden sind.
2. Die Zuschüsse für die strukturelle Arbeit des Kinderschutzbundes Schleswig- Holstein sollen ebenfalls bis zum Jahr 2012 um 30 %. gesenkt werden. Zu dieser Arbeit zählen insbesondere die Stärkung und Unterstützung der 30 ehrenamtlich getragenen Orts- und Kreisverbände des Kinderschutzbundes, die sich in ganz Schleswig-Holstein vor Ort für den Schutz der Kinder einsetzen. Darüber hinaus informiert und berät der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein landesweit die Öffentlichkeit in Fragen des praktischen Kinderschutzes. Ein wesentlicher Aspekt ist auch Politikberatung in Form von Gesprächen und seitens der Politik angeforderte Stellungnahmen. Derzeit beträgt der Landeszuschuss „nur“ 48.000 Euro. Die Kürzung um 14.400 Euro trifft den Kinderschutzbund aber hart. Eine Möglichkeit, die Kürzung für diese Aufgabe auszugleichen, sehen wir nicht
3. Eine Kompensation der Kürzungen auf anderem Wege (Spenden, Drittmittel) ist auch für den dritten betroffenen Bereich der Kinderschutzarbeit nicht möglich: die „Nummer gegen Kummer“. Der Zuschuss für das landesweite Angebot der Kinder- und Jugendtelefone sowie der Elterntelefone soll ebenfalls in den nächsten zwei Jahren um 30 % gekürzt werden. Schon heute bringt der Kinderschutzbund 40 % der rund 200.000 Euro Gesamtkosten selbst auf (Spenden), 40 % sind Landesmittel und 20 % werden durch andere Drittmittel gedeckt. Warum aber ist die „Nummer gegen Kummer“ so wichtig und sollte unbedingt in dem jetzigen Umfang erhalten bleiben? Zum Verständnis: Jährlich wird die „Nummer gegen Kummer“ von rund 45.000 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gewählt, Tendenz steigend. Neben ganz „normalen“ Alltagssorgen (Liebe, Sexualität) berichten zahlreiche Kinder und Jugendliche – geschützt durch die Anonymität, die die „Nummer gegen Kummer“ gewährleistet – von körperlichen und sexuellen
Gewalterfahrungen. Diesen Opfern von Gewalt bietet die „Nummer gegen Kummer“ die Möglichkeit, ohne die Angst sich preiszugeben, von den Erfahrungen und Nöten zu berichten. Die geschulten Berater am Telefon „bauen Brücken“ und zeigen Wege aus der seelischen (und körperlichen!) Not. Sie weisen die Anrufer auf Beratungsstellen hin und nehmen Sie, sinnbildlich gesprochen, an die Hand, um sie bei ihren ersten Schritten auf der Suche und Inanspruchnahme von Hilfeangeboten zu begleiten.

Wir bitten Sie dringend, von den Kürzungen in den o.g. Punkten Abstand zu nehmen.
Gerne erläutern wir Ihnen auch in einem persönlichen Gespräch die Auswirkungen der Kürzungsbeschlüsse auf die Kinderschutzarbeit im Land und diskutieren mit Ihnen die Perspektive des Kinderschutzes in Schleswig-Holstein.
Mit freundlichen Grüßen
Irene Johns          Bernd Heinemann          Ingo Loeding
Vorsitzende          Stv. Vorsitzender           Stv. Vorsitzender


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