20.09.2012 12:00

Kleine Kinder - Großer Handlungsbedarf

Presseinformation

Kleine Kinder – Großer Handlungsbedarf!
Frühe Hilfen sind Thema des Weltkindertages am 20.09.12

Anlässlich des Weltkindertages hat die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig- Holstein Irene Johns gefordert, das Netzwerk Früher Hilfen weiter auszubauen. „In den ersten Lebensjahren wird der Grundstein für eine positive und gesunde Entwicklung eines Kindes gelegt, und die Verantwortung dafür liegt nicht nur bei den Eltern. Es besteht auch eine öffentliche Verantwortung. Das erfordert den dauerhaften Ausbau eines verlässlichen Netzwerkes Früher Hilfen. Nur so können wir ein gesundes und gewaltfreies Aufwachsen gewährleisten und damit die Rechte der Kinder auf Schutz, Förderung und Teilhabe sichern“, mahnte Johns in Kiel.

Jedes Jahr kommen in Schleswig-Holstein rund 22.000 Babys auf die Welt. Die Zahl ist seit 1997 rückläufig. Insgesamt stellen Kinder unter 5 Jahren in Schleswig-Holstein nur knapp 5% der Gesamtbevölkerung (rund 140.000). Aber es ist genau diese kleine Gruppe von Säuglingen und Kleinkindern, die besonders große Unterstützung braucht. „Schleswig-Holstein ist im Bundesvergleich bei den Frühen Hilfen schon ganz gut aufgestellt, wir dürfen aber nicht nachlassen“, betonte Johns. „Ich begrüße sehr; dass der Bund die Mittel für die Frühen Hilfen für die kommenden Jahre aufgestockt hat. Nun ist die neue Sozialministerin Kristin Alheit gefordert, den Kommunen bei der Umsetzung zu helfen und auch weiterhin entsprechende Landesmittel zur Verfügung zu stellen“, erklärte Johns.

Als völlig falschen Ansatz kritisierte sie hingegen, das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld. „Es ist falsch, Eltern Geld dafür zu zahlen, dass sie auf ein qualifiziertes Betreuungs- und Bildungsangebot für ihre Kinder verzichten. Kinder haben ein Recht auf Hilfe – und zwar auch schon auf FRÜHE Hilfe! Statt Eltern hier falsche Anreize zu setzen und so Kinder von den Förderungsmöglichkeiten der Kindertagesstätten fernzuhalten, sollten wir alle daran arbeiten, die Frühen Hilfen so leicht zugänglich zu gestalten, dass sie von allen genutzt werden, die diese Angebote benötigen.“ Frühe Hilfen umfassen lokale und regionale Hilfsnetzwerke mit koordinierten Angeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren mit einem Schwerpunkt auf der Altersgruppe der 0- bis 3-Jährigen. Der Kinderschutzbund in Schleswig-Holstein ist bereits seit dem Jahr 2000 im Bereich der Frühen Hilfen aktiv. So werden z.B. rund 220 Kinder unter 3 Jahren in den Kinderhäusern und Kindertageseinrichtungen des DKSB betreut. Darüber hinaus gibt es FamilienpatInnenangebote, sowie Gruppenangebote für Mütter und Väter mit Säuglingen und Kleinkindern, wie z.B. das Projekt „Hallo, kleiner Mensch“. Auch in dem vom Sozialministerium 2010 initiierten und geförderten Projekt Gaarden 1-2-3 arbeitet eine langjährig erfahrene Psychologin des Kinderschutzbundes interdisziplinär in enger Kooperation mit einer Kinderärztin des Amtes für Gesundheit und einer speziell ausgebildeten Kinderkrankenschwester präventiv bis hin zur Beratung in Krisensituationen mit.

Diese Frühen Hilfen sind mit dem neuen Bundeskinderschutzgesetz, das am 01.01.2012 in Kraft getreten ist, noch einmal gestärkt worden. Jetzt geht es darum, dass die Frühen Hilfen flächendeckend da ankommen, wo sie dringend gebraucht werden. Das betrifft auch die Kinderbetreuung der unter Dreijährigen, für die es ab August 2013 einen Rechtsanspruch gibt. Mit einem Anteil von 21,6 Prozent der in Kitas betreuten unter Dreijährigen ist Schleswig- Holstein bundesweit gerade mal unteres Mittelfeld und von der geforderten Quote von 35 Prozent noch weit entfernt. (Quelle: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft / WirtschaftsWoche)

„Es geht dabei eben nicht nur um die elterliche Freiheit der Berufsausübung. Insbesondere für Kinder und Eltern in belastenden Lebenslagen ist jede Form der Frühen Hilfe wichtig. So können Entwicklungsmöglichkeiten in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig verbessert werden und gegebenenfalls kann sogar möglichen Folgen von Vernachlässigung oder Misshandlung rechtzeitig vorgebeugt werden“, bekräftigte Irene Johns. Die Zahl der von Vernachlässigung bedrohten Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft wächst stetig. In Deutschland wurden in 2011 insgesamt 38.456 Kinder und Jugendliche von 0 – 18 Jahre in Obhut genommen bzw. aus ihren Familien herausgenommen. Davon waren 3.714 Kinder von 0 – 3 Jahren. Die Anzahl der In Obhut genommenen bzw. herausgenommenen Kinder steigt seit 2005 (25.664) kontinuierlich an. Bei Kindern bis 3 Jahren hat sie sich nahezu verdoppelt. (Quelle: Bundesamt für Statistik, Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe 2012)

Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein ist die politisch unabhängige Lobby für Kinder. Er tritt für die Rechte und das Wohlergehen der Kinder ein. In Schleswig-Holstein engagieren sich im Kinderschutzbund über 3000 Mitglieder in 29 Orts- und Kreisverbänden. Am Weltkindertag macht der Kinderschutzbund traditionell auf die Rechte von
Kindern aufmerksam.

Ansprechpartner für Pressearbeit des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein:
Anouschka Breuer
Tel. 0179-5975062
breuer@jokerpictures.de



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