21.10.2010 12:15

Kinderschutzbund und Landesjugendring warnen vor existenzbedrohendem Raubbau am Ehrenamt

Kinderschutzbund und Landesjugendring warnen vor existenzbedrohendem Raubbau am Ehrenamt

Gemeinsame Stellungnahme des Kinderschutzbundes und des Landesjugendrings zu den Kürzungen in der Kinderschutz- und Jugendarbeit

Das Land nimmt drastische Einschnitte im Landeshaushalt vor, die auch die Lebens- und Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen. In den Jahren 2011 und 2012 ist geplant bei der Unterstützung der Ehrenamtlichen, im Kinderschutz und in der Jugendarbeit rund 30 % der Landesförderung zu streichen. Sollten die Kürzungen in den Folgejahren fortgesetzt werden, würden absehbar Kinderschutz- und Jugendverbandsstrukturen auf Landesebene in etwa sechs Jahren nicht mehr existieren.

Das Ehrenamt lebt nicht vom Engagement allein! Es braucht funktions- und leistungsfähige Strukturen. Landesjugendring und Kinderschutzbund stellen durch ihr großes Netz von Ehrenamtlichen für den Kinderschutz und die Jugendarbeit für das Land unverzichtbare Strukturen zur Verfügung.

Beim Kinderschutzbund Schleswig-Holstein stehen ehrenamtliche Vorstände in Verantwortung für 30 Orts- und Kreisverbände, die vor Ort Beratungsstellen, Kinderhäuser, Schularbeitenhilfen, Familienhilfe, Kinder- und Jugendtelefone u.a.m. zur Verfügung stellen, um Kindern in Not zu helfen und sie vor Gewalt zu schützen. Ehrenamtliche Familienhelfer, ehrenamtliche Schularbeitenhelfer, ehrenamtliche BeraterInnen am Sorgentelefon – sie alle stützen neben hauptamtlichen Fachkräften ein großes Kinderschutznetz in Schleswig- Holstein. Auf dieses
Engagement ist das Land angewiesen, um Kinder und Familien gut unterstützt zu wissen. So erreichen z.B. das Kinder- und Jugendtelefon jedes Jahr 40.000 Anrufe von Kindern und Jugendlichen. Rund 200 Ehrenamtliche sorgen dafür, dass diesen Kindern jemand zuhört und Ihnen bei Ihren Sorgen und Nöten hilft. Aber Engagement allein reicht nicht, um diese Aufgaben zu erfüllen.


Beim Landesjugendring und den Jugendverbänden würden die geplanten Kürzungen von 29,7 % (LJR) und 23,4 % (Jugendverbände) in den nächsten zwei Jahren dazu führen, dass die Verbände und der Landesjugendring ihre Rolle
als Qualitätssicherer in ihren Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene nur noch mit Einschränkungen wahr nehmen können. Das träfe vor allem auch den ländlichen Raum, in dem Jugend- und Sportverbände oft die einzigen Anbieter in der Jugendarbeit sind. Welche Kinder und Jugendlichen könnten noch an einer Ferienfreizeit oder an einer Gruppenstunde teilnehmen, wenn es keine Ehrenamtlichen zum Beispiel in der Landjugend, bei der Jugendfeuerwehr oder in der kirchlichen Jugendarbeit gäbe? Die beabsichtigten Kürzungen würden für die TeilnehmerInnen zu einer Verteuerung bei den Seminaren und Aus- und Fortbildungen für JugendleiterInnen führen. Durch weniger Aktivitäten, weniger und teurere Fortbildungen würde die Mitarbeit in den Jugendverbandsstrukturen unattraktiver für viele Ehrenamtliche.


Schon jetzt hat nach den Ergebnissen des Bundesbildungsberichtes „Bildung in Deutschland 2010“ die Verkürzung der gymnasialen Oberstufe von 8 auf 9 Jahre dazu geführt, dass sich 10 % weniger Gymnasiasten ehrenamtlich engagieren. Um einen weiteren Einbruch beim ehrenamtlichen Nachwuchs zu verhindern, bzw. ihn sogar auszugleichen, müssten jetzt erst recht besondere Aktivitäten in der Ehrenamtsförderung unternommen werden.
Was aber tut die Landesregierung? Sie kürzt bei den Ausgaben, die das Ehrenamt für junge Menschen attraktiv machen: In der Fortbildung, Beratung und Unterstützung durch Hauptamtliche. Letztlich riskiert die Landesregierung damit eine Auszehrung des Ehrenamts und nimmt den Zusammenbruch dieser wesentlichen
Struktur bürgerschaftlichen Engagements in Kauf. Rund 100.000 Schleswig- Holsteiner sind in Jugendarbeit, Sport und Kinderschutz aktiv. Sie bieten unter anderem Gruppenstunden, Jugendfreizeiten, Jugendberatung, Seminare und Fortbildung in der Kinder- und Jugendbildung sowie Familienhilfe und Sorgentelefone an.

Deshalb fordern der Kinderschutzbund und der Landesjugendring: Die Landesverbände in der Kinderschutz- und Jugendverbandsarbeit müssen durch eine ausreichende Förderung weiterhin die Möglichkeit haben, durch Fortbildung, Qualifizierung und Beratung ihre Mitglieder in den Orts- und Kreisverbänden zu stärken, damit sie motiviert und sicher ihr Ehrenamt ausüben können. Alexandra Ehlers, Vorsitzende des Landesjugendrings, und Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, erklärten zur Bedrohung des Ehrenamts
durch die Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit: „Wenn die hauptamtliche Unterstützung der Ehrenamtlichen eingeschränkt wird, werden viele Ehrenamtliche ihre Arbeit abbrechen und ihre Ämter niederlegen, weil sie sich zu wenig unterstützt oder sogar überfordert fühlen. Eine ehrenamtliche Tätigkeit beim Kinderschutzbund oder beim Jugendverband verschafft nicht in erster Linie einen persönlichen Vorteil, sondern ist getragen von dem meist sehr idealistischen Wunsch, etwas für Kinder und Jugendliche zu tun. Und wir brauchen dringend



Zurück