27.02.2015 11:11

Kinderarmut

Kirchensynode mit dem Themenschwerpunkt Kinderarmut  

 

KIEL/TRAVEMÜNDEIn Armut aufzuwachsen stellt für Kinder ein großes Risiko dar, einen schlechteren Gesundheitszustand, geringere Bildungschancen und weniger Möglichkeiten für gesellschaftliche Teilhabe als die nicht von Armut betroffenen Altersgenossen zu haben. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, spricht auf Einladung der Nordkirche im Rahmen der 10. Tagung der Kirchensynode heute (Freitag, 27. Februar 2015) zu Kinderarmut in Deutschland.

„Jedes fünfte Kind gilt in Deutschland als arm – eine nicht hinzunehmende Entwicklung. Obwohl Kinderarmut die Teilhabechancen der Kinder gravierend mindert, hat die Politik bis heute keine geeigneten Konzepte dagegen vorgelegt“, so Präsident Hilgers. „Um Kinderarmut wirkungsvoll und nachhaltig zu bekämpfen, müssen endlich innovative und umfassende Konzepte einer kindbezogenen Armutsprävention umgesetzt werden, die weit über rein finanzielle Transferleistungen hinausgehen.“

 

In Schleswig-Holstein beschäftigt sich der Kinderschutzbund seit Jahren mit unterschiedlichen Facetten von Kinderarmut, immer unter dem Blickwinkel, benachteiligten Kindern bessere Chancen zu eröffnen. Verschiedene Aktionen und Projekte zur Verbesserung ihrer  Chancen auf eine gesunde Entwicklung, auf Bildung und Teilhabe auch mit verschiedenen Kooperationspartnern unterstützten die Lobbyarbeit des Kinderschutzbundes. Dabei klaffen Lebenswirklichkeit der Kinder und der rechtlich formulierte Anspruch auseinander, denn seit 2010 hat u.a. das Recht auf soziale Sicherheit eines Kindes im Land Schleswig-Holstein Verfassungsrang. Die Ergänzung der Landesverfassung um den Artikel 6a geht auf die Volksinitiative des Kinderschutzbundes gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt und dem Sozialverband Deutschland zurück.

 

Aktuell hat der Kinderschutzbund gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft das Problem der Schulkosten trotz Lernmittelfreiheit aufgegriffen: Während das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket pro Kind und Schuljahr einen Zuschuss von 100 Euro vorsieht, entstehen tatsächlich durch den Schulbesuch Kosten in Höhe von rund 300 Euro, angefangen von Heften, Klebestiften über Turnschuhe und Kopierkostenbeitrag. In Schleswig-Holstein sind 120.000 Kinder berechtigt, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beziehen, das ist aktuell landesweit ein Drittel der Schüler. Ein Erfolg des Einsatzes war im vergangenen Dezember der Beschluss des Landtages, die Kosten – aufgefächert nach Schularten – zu erheben, die für den Schulbesuch eines Kindes aufgewendet werden müssen und der damit verbundenen Bitte an die Landesregierung, zu den Ergebnissen Stellung zu beziehen.

 

„Wir wollen und brauchen ein breites Bündnis gegen Kinderarmut in Schleswig-Holstein. Daher freuen wir uns über das deutliche Signal der Landessynode der Nordkirche und begrüßen es, auf diesem Wege mit dem Kirchenparlament in den Dialog treten zu können. Offensichtlich müssen die Folgen der Armut für Kinder und ihre Familien in ihren Konsequenzen für die Entwicklung und die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft noch stärker deutlich gemacht werden, damit Politik geeignete Maßnahmen zum Abbau der Kinderarmut ergreift“, erklärt Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein. „Unsere Grundposition zur wirksamen Bekämpfung von Kinderarmut ist, eine Grundsicherung für Kinder einzuführen und gleichzeitig die Infrastrukturen auszubauen, um die Teilhabe der Kinder zu sichern und ihre Chancen auf eine gute Gesundheit und Bildung zu verbessern“, so Irene Johns weiter.


(von links): Präses der Landessynode der Nordkirche Dr. Andreas Tietze, Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Bischof Gothard Magaard

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