07.07.2011 17:11

Kinder und Jugendliche

Eröffnung des Verfahrens gegen Jugend-Diakon wegen Kinderpornografie:

Kinder und Jugendliche schneller schützen!

Heute nimmt das Amtsgericht in Hamburg St. Georg das Verfahren gegen einen ehemaligen Jugend-Diakon auf, dem der Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials vorgeworfen wird. Die Polizei hat im Juli 2010 auf dem Laptop des Beschuldigten tausende von Fotos mit kinderpornografischen Darstellungen gefunden, die den sexuellen Missbrauch von Jungen unter 14 Jahren zeigen. Die Staatsanwaltschaft hat darauf hin das Ermittlungsverfahren gegen den in Uetersen beschäftigten Diakon eingeleitet und im März 2011 gegen ihn Anklage erhoben. Die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde haben den Diakon, nachdem sie von der Anklage unterrichtet wurden, sofort vom Dienst suspendiert und ihn wenig später entlassen. In der Zwischenzeit – von Juli 2010 bis März 2011 – hat der Beschuldigte weiter mit Kindern und Jugendlichen vor allem im Alter zwischen 12 und 15 Jahre in der Kirchengemeinde gearbeitet. Währenddessen waren weder sein Arbeitgeber noch die Eltern der von ihm betreuten Kinder und Jugendlichen über den Vorwurf des Besitzes kinderpornografischer Schriften informiert. Seitens der Kirche wird darauf hingewiesen, dass aus dieser Zeit keine Beschwerden gegen den Diakon vorlägen.
Hierzu erklärt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein:
„Aus Sicht des Kinderschutzes ist es ein untragbarer Zustand, dass ein Diakon, bei dem die Polizei nachweislich kinderpornografisches Material sichergestellt hat, fast ein dreiviertel Jahr lang ungehindert weiter Zugang zu Kindern und Jugendlichen hatte. Das kann und darf nicht sein. Der Schutz der Kinder und Jugendlichen muss Vorrang haben vor verfahrensrechtlichen Abläufen. Ein Fall wie in Uetersen darf nicht mehr vorkommen – der Arbeitgeber muss schneller informiert werden, damit er die nötigen Schritte veran-lassen kann, um für den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu sorgen.
Außerdem appellieren wir an die betroffene Kirchengemeinde, die von dem Diakon betreuten Kinder und Jugendlichen aktiv zu befragen. Fehlende Anzeigen und Beschwerden bedeuten nicht, dass es nicht möglicherweise auch zu sexuellen Grenzverletzungen gegenüber Kindern und Jugendlichen gekommen sein könnte. Unsere Erfahrung in der Kinderschutzarbeit zeigt, dass gerade Kinder und Jugendliche aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses, das sie zu ihrem Betreuer haben, dazu neigen, bei sexuellen Grenzverletzungen oder Missbrauch zu schweigen.“



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