17.04.2013 11:30

Kinder und ihre psychisch kranken Eltern...

Gemeinsam helfen, aber wie? – Große Nachfrage bei der Fachtagung „Kinder und ihre psychisch kranken Eltern – Wege zur Zusammenarbeit“

 

RENDSBURG Die Fachtagung „Kinder und ihre psychisch kranken Eltern – Wege zur Zusammenarbeit“, die heute um 9.30 Uhr in Rendsburg begonnen hat, ist mit 330 Teilnehmern restlos ausgebucht. Darüber hinaus mussten sogar unzähligen Interessierten Absagen erteilt werden. 

 

Kein Wunder, denn die Zahlen sind alarmierend: 30-50 Prozent der psychiatrisch behandelten Kinder in Deutschland haben laut einer Studie der LWL-Klinik Gütersloh ein psychisch erkranktes Elternteil. „Wenn Eltern psychisch krank sind, zieht das immer die ganze Familie in Mitleidenschaft. Betroffene Kinder sind mit der Situation schnell überfordert und brauchen genauso Hilfe wie ihre kranken Eltern. Das wird in Deutschland immer noch zu oft übersehen “, mahnte Irene Johns, Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein. „Deshalb benötigen wir dringend eine Optimierung der interdisziplinären Zusammenarbeit von Psychiatrie und Jugendhilfe, tragfähige Konzepte und eine aufeinander abgestimmte Hilfe-bzw. Behandlungsplanung. Das große Interesse an der heutigen Fachtagung zeigt die Notwendigkeit und die Bereitschaft für diesen Weg in Schleswig-Holstein“, so Johns weiter.

 

Anette Langner, Staatssekretärin für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung bekräftigte: „Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Gesundheitssystem ist eine wichtige Voraussetzung, um Kindern von psychisch belasteten Eltern die Unterstützung zu geben, die sie benötigen. Die Tagungsreihe in Schleswig-Holstein zum Thema unterstützt eine bessere Abstimmung zwischen den beiden Bereichen. Mein Dank gilt den Beteiligten für das große Engagement“.

 

Seit vier Jahren setzt sich das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V. und der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e.V. mit der Thematik in einer Veranstaltungsreihe intensiv auseinander. Die heutige Fachtagung bildet den vorläufigen Abschluss.

 

Sie richtet sich an Fachkräfte des Gesundheitswesens, der Jugendhilfe, der Schulen, Kitas und der Eingliederungshilfe. Ihr Ziel ist es, diese in Dialog zu bringen und fortzubilden, um so die Rahmenbedingungen für eine professionsübergreifende Vernetzung und effektive Kooperation zu schaffen. Eine dringende Notwendigkeit, denn bis heute wird die Zusammenarbeit oft durch unnötige strukturelle Hürden erschwert. Dazu gehören mangelnde Kenntnisse über Zuständigkeit, Auftrag und Strukturen der jeweilig anderen Fachkraft, bzw. deren Institution oder mangelnde Kommunikation und Transparenz bei der Kooperation. Zudem entstehen durch unterschiedliche Finanzträger oft mehrfach Hilfepläne, statt alles einer Gesamtkoordination unterzuordnen. Hinzu kommt der häufig herrschende Kosten- und Zieldruck.

 

„Die Vernetzung der Hilfen für Kinder bei einer psychischen Erkrankung eines Elternteils ist in den letzten Jahren von den Fachkräften der Jugendhilfe und der Psychiatrie engagiert vorangetrieben worden. Jedoch befinden sich zur Zeit die überwiegende Anzahl der Hilfen noch in einem unklar finanzierten Projektestatus, obwohl die gesetzlichen Grundlagen der Jugendhilfe sowie des Gesundheitswesens die Finanzierung dieser Hilfen vom  Grundsatz her ermöglichen“, betonte Birgit Görres, Geschäftsführerin des kooperierenden Dachverbandes Gemeindepsychiatrie e.V. in ihrem Leitvortrag. „Es hat sich gezeigt, dass über die gesamte Bundesrepublik gesehen, ein sehr viel größerer Teil der Hilfen regelfinanzierbar ist. Hier fehlt es noch in vielen Regionen an politischem Willen, Familien die von einer seelischen Erkrankung betroffen sind, stärker zu unterstützen“, stellte Görres abschließend fest.

 

Die Anforderungen an die Sozialpolitik sind daher vielfältig: Die finanzielle Besserstellung der Hilfesysteme, die Förderung niedrigschwelliger Angebote, der Ausbau ambulanter Therapieangebote oder der Ausbau von Familienzentren sind nur einige von ihnen.

Aus Sicht des Kinderschutzes ist und bleibt es auch über die Abschlusstagung „Kinder und ihre psychisch kranken Eltern – Wege zur Zusammenarbeit“ hinaus zwingend notwendig, Hilfsnetzwerke für betroffene Familien und Kinder zu entwickeln, auszubauen und zu optimieren. Schließlich leben laut Annahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Deutschland etwa eine halbe Million Kinder in Familien mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil. Andere Schätzungen gehen sogar von rund drei Millionen Kindern aus – und sie alle brauchen die bestmögliche Hilfe durch kooperierende  Fachkräfte und Institutionen.

 

 

 



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