11.07.2014 11:28

Kinder psychisch kranker Eltern

Fachtagung „Kinder psychisch kranker Eltern“

 

 

Rendsburg. In Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V. veranstaltet die Abteilung für Psychiatrie und Psychosomatik der imland Klinik Rendsburg am 10. Juli die Fachtagung „Kinder psychisch kranker Eltern.“ In Deutschland leben etwa 13 Millionen Kinder und Jugendliche. Rund 3 Millionen Kinder erleben im Verlaufe eines Jahres einen Elternteil mit einer psychischen Störung. Fast jedes vierte Kind hat also einen vorübergehenden, wiederholten oder dauerhaften psychisch erkrankten Elternteil.

 

Die Kinder von psychisch kranken Menschen haben ein besonders hohes Risiko, später selbst an einer psychischen Erkrankung zu leiden. Im Zusammenleben mit einem psychisch kranken Elternteil können sich bereits in der frühen Kindheit Beziehungsstörungen entwickeln. Die Kinder lernen die Verhaltensmuster der kranken Eltern und übernehmen diese für sich. In Stresssituationen haben sie oft viel weniger Ressourcen, auf die sie zurückgreifen können, als Kinder gesunder Eltern. Dabei ist es nicht so sehr die jeweilige Diagnose des Elternteils, die einen Einfluss auf die psychische Entwicklung des Kindes hat, sondern vielmehr die Schwere und Chronizität der elterlichen Erkrankung und der Sozialstatus. Je jünger das Kind bei Erkrankung der Eltern ist, desto stärker ist es dem Einfluss einer  krankheitsbedingten Störung der Beziehung, bzw. der Kommunikation ausgesetzt, wenn Vater oder Mutter seelisch krank sind. Die Erkrankung der Hauptbezugsperson, in der Regel der Mutter, hat den stärkeren Einfluss auf das Baby.

 

Mit der Fachtagung „Kinder psychisch kranker Eltern“ haben sich der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein und die Psychiatrische Klinik der imland Klinik Rendsburg zum Ziel gesetzt,  diese  Kinder und ihre Bedürfnisse stärker in den Blick zu nehmen. In drei Vorträgen referieren  am Donnerstag, 10. Juli 2014 im Hohen Arsenal in Rendsburg der Kinder-und Jugendpsychiater Prof. Siniatchkin (Institut für Medizinische Psychologie Kiel), die Psychologin Lidija Baumann (Kinderschutzbund) und die Psychiaterin Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois (imland Klinik Rendsburg) jeweils aus ihrer Perspektive zum Thema. Über 300 Fachleute aus ganz Schleswig-Holstein haben sich angemeldet. Die Veranstaltung dient der Information, aber auch der Vernetzung. Teilnehmer sind Sozialpädagogen, Erzieher, Hebammen, Ärzte, Mitarbeiter von Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, freien Trägern.

 

Die Fachtagung ist die Auftaktveranstaltung für eine Seminarreihe. Fünf Seminare sind für das nachfolgende Jahr geplant, die sich mit speziellen Bereichen zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ auseinander setzen. Die Seminare finden in der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik der imland Klinik Rendsburg statt.

 

Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois: „Es ist uns ein Anliegen, die professionellen Helfer, die mit psychisch kranken Eltern und ihren Kindern in Berührung kommen, zusammen zu bringen. Durch ihre Weiterbildung und Vernetzung soll die Versorgungssituation von betroffenen Eltern und Kindern verbessert werden, um psychische Erkrankungen der Eltern möglichst frühzeitig zu behandeln und Störungen bei den Kindern vorzubeugen.“

 

Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein veranstaltet seit 2007 Fachtagungen zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ und nutzt weitere Möglichkeiten, um dem Thema eine Öffentlichkeit zu geben. „Inzwischen haben Fachleute und Politik wahrgenommen, dass es spezifische Bedürfnisse der Kinder gibt“, stellt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein, fest.  „Nun muss es darum gehen, dieses Wissen in eine verbindliche Form zu bringen. Wir bewerten es als wichtige nächste Schritte, dass ‚Kinder psychisch kranker Eltern‘ in die Psychiatrieplanung in Schleswig-Holstein als Berichtsschwerpunkt aufgenommen wird und Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern werden nun als Spezialisierung der Klinken im Psychiatriebericht erfasst werden. Die Kinder und ihre Eltern benötigen jedoch darüber hinaus dringend eine flächendeckende, regelhafte Versorgung mit passgenauen, auf sie zugeschnittenen Hilfe-, Behandlungs- und Präventionsangeboten“, so Irene Johns weiter. Dafür setzt sich der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein nicht nur auf Landesebene, sondern auch auf Bundesebene ein. Er ist beteiligt an einem Antrag zur Einrichtung einer Sachverständigenkommission, die sich bundesweit mit dem Thema „Hilfen für Kinder und Familien mit psychisch kranken Eltern“ befassen soll.



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