10.11.2016 09:11

Kinder mit Behinderung

Kinder und Jugendliche mit Behinderung vor sexueller Gewalt schützen

KIEL. Kinder und Jugendliche mit Behinderung leben mit einem größeren Risiko, Opfer von sexueller Gewalt zu werden. Bundeskinderschutzgesetz und UN-Behindertenkonvention bieten einen guten Rahmen für den Schutz, allerdings stellt die Umsetzung die Fachleute der Behindertenhilfe vor große Herausforderungen. Die heutige (10. November 2016) Fachtagung „Gerade wir brauchen Schutz“ richtet sich an Fachkräfte der sozialen und pädagogischen Arbeit, um ihnen Handlungsoptionen und praktische Hinweise mit Vorträgen, Workshops und fachlichem Austausch an die Hand zu geben. Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung Schleswig-Holstein, der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung und der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein (DKSB LV SH) veranstalten den Fachtag in der Fachhochschule gemeinsam und zeigen sich sehr zufrieden, dass die Veranstaltung mit 100 Teilnehmenden ausgebucht ist. Die rechtlichen Grundlagen für den Schutz von Kindern mit und ohne Behinderung stellt Prof. Dr. Reinhard Wiesner (Freie Universität Berlin) in seinem Vortrag vor, Dr. Rosa Schneider (Bildung-Beratung-Bewegung, Dortmund) erläutert sexualpädagogische Konzepte für Einrichtungen der Behindertenhilfe. Weitere Kooperationspartner sind die Lebenshilfe, das  Bundesmodellprojekt BeSt des Frauennotrufs Kiel, pro familia und die Fachhochschule Kiel.

 

Sozialministerin Kristin Alheit betont:

„Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind den Gefahren sexueller Gewalt in besonderem Maße ausgesetzt. Angewiesen auf Hilfe im Alltag, abhängig von ihren Pflege- und Bezugspersonen, brauchen sie besonders die Unterstützung zur Sicherung ihrer Rechte auf sexuelle Selbstbestimmung und Schutz. Opfer müssen bei Verantwortlichen Gehör und Unterstützung finden. Daher ist es mir besonders wichtig, die Präventions- und Interventionsarbeit in den Einrichtungen weiter zu stärken. Die Veranstaltung ist ein weiterer wichtiger Baustein im Gesamtkonzept der Fortbildung zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt in Einrichtungen, die die Landesregierung erfolgreich durchführt. Ich danke allen Kooperationspartnern für die engagierte Vorbereitung dieser Tagung und wünsche ein gutes Gelingen.“

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung in Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Ulrich Hase unterstreicht in seinem Grußwort:

„Mädchen und Jungen mit Behinderung müssen mit allen geeigneten Maßnahmen vor Gewalt und Missbrauch geschützt werden. Damit die Artikel 7 und 16 der UN Behindertenrechtskonvention wirksam umgesetzt werden, sind alters- und geschlechtergerechte Schutz- und Präventionsmaßnahmen von großer Bedeutung. Mädchen und Jungen mit Behinderung vor jedweder Form der Gewalt zu stärken ist für mich unverzichtbarer Bestandteil des Landesaktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und kann – wie diese Tagung und das große Interesse zeigen - am besten in einer breiten Zusammenarbeit aller Verantwortlichen gelingen.

 

Die Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Irene Johns, führt aus:

„Obwohl Kinder und Jugendliche mit Behinderungen mehr gefährdet sind, sexuellen Missbrauch zu erleiden als Gleichaltrige ohne Behinderung, ist der Schutz dieser Kinder nicht in gleichem Maße entwickelt. Das hat verschiedene Gründe. Die Mädchen und Jungen haben ganz unterschiedliche Formen der Behinderung, viele von ihnen haben nur eingeschränkte, einige keine Möglichkeiten sich sprachlich mitzuteilen. Das stellt besondere Anforderungen an Kinderschutzkonzepte und damit auch an Fachkräfte und Eltern. So fehlen in vielen Einrichtungen der Behindertenhilfe noch sexualpädagogische Konzepte, die jedoch für eine wirksame Prävention nötig sind. Neben Fortbildung muss eine engere fachliche Zusammenarbeit zwischen Behindertenhilfe und Kinder- und Jugendhilfe dafür sorgen, dass der Schutz für Kinder mit Behinderungen weiter gestärkt wird. Der Schutz vor sexueller Gewalt für Kinder und Jugendliche mit Behinderung kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen – so wie mit diesem Fachtag. Denn Eltern, Behindertenhilfe und Kinder- und Jugendhilfe wollen ein gemeinsames Ziel erreichen: die Kinder, die unseres besonderen Schutzes bedürfen, gemeinsam vor sexueller Gewalt zu schützen."



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