13.02.2019 08:18

Kinder in Stationären Einrichtungen

Kinderschutzbund SH: Kinder und Jugendliche aus stationären Einrichtungen
brauchen Schutz und Teilhabe

KIEL Anlässlich der Beratung des Berichts der Beschwerdestelle für Kinder und Jugendliche[1] in der morgigen Landtagssitzung hebt auch der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein die große Bedeutung derartiger Anlaufstellen noch einmal hervor. „Zum Schutz vor Ausgrenzung, Diskriminierung und jeder Art von Gewalt, aber auch zur Bewältigung von belastenden Alltagsproblemen sind unabhängige Beschwerdemöglichkeiten gerade für Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen unverzichtbar“, betont die Landesvorsitzende Irene Johns. „Als niedrigschwelliges externes Angebot gibt es Betroffenen die Gelegenheit, für ihre Rechte einzutreten und Lösungen zu suchen“, so Johns weiter.

Seit dem Bekanntwerden sexueller Missbrauchsfälle in Heimeinrichtungen im Jahr 2010 setzt sich der DKSB SH für den landesweiten Ausbau von Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren in der Kinder- und Jugendhilfe ein. Um das Angebot der zentralen Ombudstelle der Bürgerbeauftragten in Kiel zu erweitern, hat der Verband im Laufe des letzten Jahres selbst drei Regionalstellen eingerichtet. Die VERTRAUENSHILFE des DKSB SH in Flensburg, Rendsburg und Heide sind Teil eines dreijährigen Modellprojektes[2] mit dem Ziel, eine auch auf andere Regionen übertragbare Angebotsstruktur sowie Arbeitsweise zu entwickeln. „Es ist wichtig, zusätzliche unabhängige regionale Strukturen zu schaffen, um nicht nur den Schutz, sondern auch die Partizipation der Kinder und Jugendlichen in Heimeinrichtungen weiter zu stärken“, erläutert Irene Johns. Tatsächliche Teilhabe bedeute laut der Landesvorsitzenden vor allem, junge Menschen als Experten ihrer eigenen Lebenswelt ernst zu nehmen und soweit möglich Angebote oder Entscheidungen an ihren Bedürfnissen auszurichten. Die Vertrauenshilfe beziehe für ihre Tätigkeit deshalb kontinuierlich auch Ergebnisse von Jugend-Workshops ein, führt Johns weiter aus. „Den Aussagen der Jugendlichen entsprechend bieten die Beschwerdestellen individualisierte Unterstützung durch fachlich qualifizierte Ansprechpartner, die unvoreingenommen zuhören, sich Zeit nehmen und sie in ihrem Prozess begleiten. Der erste Kontakt kann dazu über diverse Kommunikationsmedien wie WhatsApp oder E-Mail erfolgen“, fasst Johns zusammen.

Neben der erfolgreichen Etablierung einer Beschwerde- und Beteiligungskultur setzt sich der Kinderschutzbund zudem für eine Überarbeitung der Regelungen zur Beschulung von Heimkindern ein, die nicht aus Schleswig-Holstein kommen. „Es kann nicht sein, dass wir eins der letzten Bundesländer sind, in dem noch keine Schulpflicht für die zur Zeit rund 3000 Kinder besteht, die zwar nicht ihre meldepflichtige Wohnung, aber dennoch ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort in einer hier ansässigen stationären Einrichtung haben“, kritisiert die DKSB-SH Landesvorsitzende Irene Johns die fehlende rechtliche Eindeutigkeit. „Das ist eine unglaubliche Ungleichbehandlung, zudem gerade für Kinder in Heimeinrichtungen der möglichst schnelle Besuch einer öffentlichen Schule eine integrative Teilhabe am sozialen Leben bedeutet. Wir können nicht auf der einen Seite von der dringend notwendigen Integration der Kinder in stationären Jugendhilfeeinrichtungen sprechen, und auf der anderen Seite einer möglichen Ausgrenzung und Isolation gesetzlich den Weg ebnen. Schließlich haben die Kinder ein Recht auf Bildung“, mahnt Irene Johns.



[1] Tätigkeitsbericht 2016/17 der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten

des Landes Schleswig-Holstein als Ombudsperson in der Kinder- und Jugendhilfe

[2] Gefördert von Aktion Mensch e.V.



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