15.12.2017 10:38

Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen

Kinderschutzbund SH startet Einrichtung von regionalen Ombudsstellen
in Flensburg – Jugendliche als Experten in eigener Sache beteiligt

FLENSBURG Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein eröffnet heute (15.12.17) in Flensburg die erste von drei regionalen Ombudsstellen. Eine elementare  Etappe im Rahmen des landesweiten Ausbaus von Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren in der Kinder- und Jugendhilfe, für den sich der DKSB-SH seit dem Bekanntwerden sexueller Missbrauchsfälle in Heimeinrichtungen im Jahr 2010 einsetzt.

„Es geht uns darum, das Angebot der zentralen Ombudstelle bei der Bürgerbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein in Kiel zu erweitern und niedrigschwellige leicht erreichbare Regionalstellen einzurichten“ sagt die Landesvorsitzende Irene Johns. „Denn immer war klar, dass es in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein zusätzlicher regionaler Strukturen bedarf, die niedrigschwellig sind und eine Erreichbarkeit in der Region ermöglichen. Damit hoffen wir, den Schutz und die Rechte der Kinder und Jugendlichen nachhaltig zu stärken,“ betont Johns.

Der Koordinationsstelle Ombudschaft im Familienzentrum Flensburg sollen im nächsten Jahr zwei weitere Regionalstellen folgen, in denen ein geschultes ehrenamtliches Beraterteam die Arbeit aufnimmt[1]. Bei dem zunächst auf drei Jahre angelegten Modellprojekt, das von der Aktion Mensch e.V. gefördert wird, setzt der Kinderschutzbund SH einmal mehr auf die tatsächliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen. „Am Anfang der Konzeptionierung stand ein Jugend-Workshop, in dem insgesamt zehn Jugendliche und junge Erwachsene aus verschiedenen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen des Landes als ExpertInnen für ihre eigene Lebenswelt und ihre Einrichtungen gehört wurden“, erklärt Projektleiterin und Geschäftsführerin des DKSB-SH Susanne Günther das Vorgehen. Dabei sei zum Beispiel herausgekommen, dass die Jugendlichen sich vor allem Verständnis und Unterstützung von qualifizierten Ansprechpartnern wünschten, die ihnen neutral gegenüberträten und sich Zeit für sie nähmen. Außerdem sollten die Berater sie längerfristig begleiten, gut über diverse Kommunikationsmedien wie WhatsApp oder E-Mail erreichbar sein und nur auf Wunsch wechseln, fasst Günther einige Ergebnisse zusammen. „Durch diese qualitativ weitreichende inhaltliche Partizipation der Jugendlichen an der Umsetzung der Ombudschaft, stellen wir sicher, mit dem Angebot wirklich die zu erreichen, um die es geht. Nur so können Ombudsleute die Kinder und Jugendlichen sowie gegebenenfalls auch ihre Personensorgeberechtigten wirklich kompetent durch Information, Beratung und evtl. Vermittlung in ihren Rechten vertreten und stärken, sowie Problemlagen klären und lösen“, so die Geschäftsführerin des DKSB-SH.

Während des Workshops entschieden sich die beteiligten Jugendlichen auch, den neuen Ombudsstellen einen aus ihrer Sicht passenderen Namen zu geben: VERTRAUENSHILFE. Außerdem arbeiteten sie maßgeblich am Entwurf eines entsprechenden  Logos mit, das heute in Plakatform erstmals öffentlich präsentiert wird. „Wir haben den Namen „Vertrauenshilfe“ gewählt, weil Vertrauen ein wichtiges Element für Kinder und Jugendliche ist, um Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklären Franka und Torge als Vertreter des Jugend-Workshops die Namenswahl. „Wir haben versucht dies im Namen aller Kinder und Jugendlichen soweit es ging, umzusetzen bzw. daran mitzuwirken. Für uns ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen die Hilfe annehmen, sich unterstützt und gut aufgehoben fühlen“, betonen die beiden Jugendlichen aus betreuten Wohneinrichtungen.
Um das Beratungsangebot der Vertrauenshilfe bei der jugendlichen Zielgruppe bekannt zu machen, wurde mit Unterstützung der Kieler Fernsehproduktion Joker Pictures GmbH und avt plus media service GmbH sowie mehrerer Kieler Schauspieler ein Internetclip produziert, der auf der Website www.vertrauenshilfe.de und in Sozialen Medien wie YouTube eingesetzt werden soll. Der Film feiert heute ebenfalls Premiere.

In Schleswig-Holstein gibt es über 8700 Plätze in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. 1549 davon befinden sich in Flensburg und im Kreis Schleswig-Flensburg[2]. Um eine gute Vernetzung der regionalen Ombudstelle in den Strukturen vor Ort sicherzustellen, arbeitet der DKSB LV SH eng mit den ansässigen Orts- und Kreisverbänden des Kinderschutzbundes zusammen und kooperiert mit der Bürgerbeauftragten des Landes SH. Auch für die Leiterin des Jugendamts Flensburg Karen Welz-Nettlau ist die Eröffnung der Koordinationsstelle Ombudschaft ein wichtiger Schritt. "Beschwerde ist immer eine Chance, nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für alle Beteiligten. Sie ermöglicht ein besseres gegenseitiges Verstehen, um anschließend die Prozesse wieder gemeinsam zu gestalten“, stellt Welz-Nettlau fest. „Die Ombudsstelle Vertrauenshilfe wird die Kinder und Jugendlichen auf diesem Weg unterstützen. Von einem guten Gelingen dieser Zusammenarbeit bin ich überzeugt, “ bekräftigt die Jugendamtsleiterin.

Das Ziel der dreijährigen Projektphase der regionalen Ombudschaft ist es, eine modellhafte Angebotsstruktur und bestmögliche Arbeitsweise zu entwickeln, die auf weitere Regionen übertragen werden kann. „Damit haben wir dann eine solide Basis, um ein wirklich flächendeckendes Angebot an Ombudsstellen in Schleswig-Holstein auszubauen“, hebt die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes SH Irene Johns nochmals hervor. „So können wir eine nachhaltige und für alle Seiten gleichermaßen hilfreiche Beteiligungs- und Beschwerdekultur innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe dauerhaft etablieren“, schließt Johns.



[1] Die derzeit geplanten Projektregionen sind: 1) Teile des Kreises Schleswig-Flensburg und Stadt Flensburg. 2) Kreis Rendsburg-Eckernförde 3) N.N.

[2] Vgl. Drucksache 18/3248 des Landes Schleswig-Holstein.


Vertrauenshilfe für Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen

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