11.07.2014 11:38

Inklusion in der Schule

Kinderschutzbund informiert sich: Inklusion erfahren, wo sie gelebt wird!

KIEL Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein möchte sich ein eigenes Bild über die tatsächliche Umsetzung der Inklusion an schleswig-holsteinischen Schulen machen. Dazu besucht Landesvorsitzende Irene Johns zusammen mit Geschäftsführerin Susanne Günther mehrere Schulen des Landes. „Wir reagieren damit auf die zunehmende Verunsicherung und Kritik von Eltern an der Umsetzung von schulischer Inklusion. Deshalb informieren wir uns jetzt auch genau dort, wo das pädagogische Konzept täglich den Praxistest bestehen muss: Vor Ort in den Schulen“, erläutert Johns das Vorhaben. „Die Umsetzung ist für die Betroffenen ein ständiger Prozess der Anpassung an die realen Umstände. Das dürfen wir niemals aus den Augen verlieren, wenn wir für Kinder, Eltern und Lehrer die bestmöglichen Rahmenbedingungen für Inklusion erarbeiten wollen“, so Johns.

Nach dem Auftakt-Besuch an der Kieler Lilli-Nielsen-Schule, Förderzentrum für körperliche und motorische sowie geistige Entwicklung als Kooperationspartner der Gorch-Fock-Grundschule würdigte die Landesvorsitzende das große Engagement der Schule  für die bestmögliche Umsetzung der Inklusion innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie überfällig Qualitätsanpassungen und Individualisierungen der Inklusionsmaßnahmen sind. „Was vor allem fehlt, ist eine ausreichende Zahl an Fachkräften mit einer geeigneten Qualifizierung“, betonte Irene Johns. „Es kann nicht sein, dass es zum Beispiel keine klaren Vorgaben für die Qualitätsanforderungen von Schulbegleitern gibt – eine Ausbildung im pädagogischen Bereich sollte hier Grundvoraussetzung sein. Ohne kompetente Unterstützung kann und darf wirklich nicht erwartet werden, dass Regelschullehrkräfte ohne sonderpädagogische Hintergrundkenntnisse, sowohl Kinder mit speziellen Förderschwerpunkten, als auch normal- oder hochbegabte Kinder innerhalb einer Klasse angemessen beschulen“, so Johns.

Zudem müssen besondere räumliche Voraussetzungen geschaffen werden, um einen problemlosen inklusiven Unterricht zu gewährleisten. Neben der allgemeinen Barrierefreiheit sind vor allem Nebenräume für Differenzierungsangebote notwendig, sowie entsprechende Pflegeräume. Die Lilli-Nielsen-Schule hat mit ihrem Förderzentrum direkt neben der Gorch-Fock-Grundschule in diesem Fall einen besonderen Standortvorteil. „Durch die örtliche Nähe können die Kinder mit besonderem Förderbedarf viel mit den Regelgrundschülern gemeinsam machen, aber eben nur dann, wenn es wirklich Sinn macht“, berichtet Schulleiter Dr. Malte Kolshorn. „Ansonsten lässt sich problemlos auf das Angebot des Förderzentrums ausweichen. Bei diesem Inklusionskonzept gewinnen wirklich alle“, so der Pädagoge.

„Und es zeigt, wie wichtig die Anpassung an individuelle Gegebenheiten ist: Natürlich müssen Standards gesetzt werden, um eine inklusive Beschulung für alle Kinder entwicklungsfördernd umsetzen zu können. Aber Inklusionsmaßnahmen sollten möglichst individualisierbar sein und kein starres Korsett an Vorgaben“, nimmt die Landesvorsitzende aus dem Gespräch mit.

                                                                                                                                                        Der Deutsche Kinderschutzbund Schleswig-Holstein ist die politisch unabhängige Lobby für Kinder. Er tritt für die Rechte und das Wohlergehen der Kinder ein. In Schleswig-Holstein engagieren sich im Kinderschutzbund über 3000 Mitglieder in 28 Orts- und Kreisverbänden.



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