19.09.2018 12:44

5. Rendsburger Fachtagung

5. Rendsburger Fachtagung Kinder psychisch kranker Eltern

Bindungstrauma: Transgenerationale Weitergabe und Hilfemöglichkeiten

Rendsburg/KIEL Die „5. Rendsburger Fachtagung: Kinder psychisch kranker Eltern“ widmete sich heute (19. September) dem Thema Bindungstrauma – transgenerationale Weitergabe und Hilfemöglichkeiten. Die Fachtagung im Hohen Arsenal in Rendsburg richtete sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe und der Frühen Hilfen und Kitas sowie an Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, die werdende Mütter, Eltern sowie Kinder und Jugendliche behandeln.

Sichere Bindungen bilden den Grundstein für ein gesundes Aufwachsen von Kindern. Bindungstraumata als Folge von emotionaler Vernachlässigung, fehlender Sicherheit und Beruhigung durch die engsten Bezugspersonen (in der Regel die Eltern) sind insbesondere für Kinder in den ersten drei Lebensjahren gravierend und wirken sich auf die gesamte Lebensspanne aus. Dazu zählen u.a. eine gestörte Stress- und Emotionsregulation mit fehlender Impulskontrolle, eingeschränkte Empathiefähigkeit sowie Lern- und Konzentrationsstörungen.  

„Viele unserer Patienten in der Erwachsenenpsychiatrie kommen aus Familien mit psychisch kranken Eltern und haben häufig selbst keine sichere Bindung erlebt. Ein hoher Risikofaktor, psychisch zu erkranken und Ursache von Bindungsstörungen zu den eigenen Kindern. Therapeutische Interventionen müssen möglichst frühzeitig erfolgen, um präventiv zu wirken“, erklärte Anna Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin der Psychiatrie und Psychosomatik, imland Klinik Rendsburg.  

Werden bindungstraumatisierte Personen selbst Eltern, sind häufig grundlegende Kompetenzen zum sicheren Bindungsaufbau und emotionaler Fürsorge nicht oder nur eingeschränkt vorhanden. Beispielsweise können diese Eltern häufig grundlegende Bedürfnisse des Kindes nach Nähe, Sicherheit und Beruhigung nicht erfüllen, das hat fatale Folgen für das betroffene Kind – und es kann ein weiterer durch Bindungstraumatisierung ausgelöster Kreislauf entstehen. „Emotionale Vernachlässigung von Kindern ist häufig ein folgenschwerer Kreislauf über Generationen und ein zentrales Thema im Kinderschutz. Die Betroffenen brauchen sowohl therapeutische Hilfen, aber unbedingt auch geschulte und sensibilisierte Fachkräfte insbesondere in der Kinder- Jugend- und Familienhilfe“, betont Susanne Günther, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes. In der pädagogischen Praxis stehen Fachkräfte vor der besonderen Herausforderung diesen Kreislauf zu durchbrechen. Um tragfähige Beziehungen mit betroffenen Kindern und ihren Familien aufzubauen und Möglichkeiten für korrigierende Lebens- und Alltagserfahrungen zu schaffen, sind therapeutische Angebote sowie ein Grundwissen über Psychotraumatologie und Ansätze der Traumapädagogik notwendig. Eine traumasensible Haltung kann für Entlastung, Stabilisierung und Entwicklung der Kinder und ihrer Familien sorgen.

Der Kinderschutzbund engagiert sich seit über zehn Jahren auf Landes- und auch Bundesebene im Bereich Kinder psychisch kranker Eltern, seit 2014 in enger Kooperation mit der imland Klinik Rendsburg. Neben Fachveranstaltungen und Lobbyarbeit spielt dabei Netzwerkarbeit eine zentrale Rolle. Als Zusammenschluss psychiatrischer Kliniken und dem DKSB wurde das Netzwerk für psychisch kranke Eltern und ihre Kinder www.nek-sh.de 2017 ins Leben gerufen. Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois ist seitdem Sprecherin von nek-sh. Um dem Bedarf der Jugendhilfe-Akteure nach Austausch, interdisziplinärer Vernetzung sowie Weiterentwicklung von Angeboten für betroffene Familien gerecht zu werden, organisiert der DKSB gemeinsam mit der imland Klinik seit zwei Jahren regelmäßige Fachtreffen in verschiedenen Regionen in Schleswig-Holstein.

Wie auch in den Vorjahren war die heutige Fachtagung in wenigen Tagen mit 300 Teilnehmern und mit langer Warteliste ausgebucht. Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein und die imland Klinik Rendsburg befördern seit 2104 gemeinsam im Rahmen von Fachtagungen und Netzwerken das Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ und tragen damit dem hohen Bedarf der Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und des Gesundheitswesen Rechnung.



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