28.04.2014 10:45

30. April 2014

Deutscher Kinderschutzbund Schleswig-Holstein: Das Recht auf gewaltfreie Erziehung muss gestärkt werden!

 

KIEL Zum Tag der gewaltfreien Erziehung fordert der Deutsche Kinderschutzbund Schleswig-Holstein eine stärkere Durchsetzungskraft des Gesetzes zur Ächtung der Gewalt. „Es ist nicht hinnehmbar, dass auch nach 14 Jahren in denen die gewaltfreie Erziehung in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist, für fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Schläge zum Alltag gehören“, stellte Irene Johns, Landesvorsitzende des DKSB SH, fest.

 

Laut der repräsentativen „Gewaltstudie 2013“ der Universität Bielefeld werden 22,3 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen von Erwachsenen oft oder manchmal geschlagen. 28 Prozent davon sind Kinder ab sechs Jahren. Gewaltanwendungen kommen in allen Schichten vor, allerdings gibt es soziale Unterschiede. Insgesamt gibt fast ein Drittel (32,5 Prozent) der sozial benachteiligten Kinder an, oft oder manchmal von Erwachsenen geschlagen worden zu sein – 17,1 Prozent sogar so heftig, dass sie blaue Flecken hatten. Bei den durchschnittlich bis privilegiert gestellten Kindern kommt das weitaus weniger häufig vor (6,6 Prozent und 1,4 Prozent).

 

„Die Studie bestätigt, Kinder und Jugendliche, die Gewalt erfahren, nehmen nicht nur großen physischen und psychischen Schaden“, erklärt Irene Johns. „Sie übernehmen Gewalt zudem oft als erlerntes Handlungsmuster, das sie an ihre Umwelt und damit wahrscheinlich später auch an ihre eigenen Kinder weitergeben. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden. Wir brauchen einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der gesamten Gesellschaft, um Kinder wirksam zu schützen. Dafür müssen wir ein starkes öffentliches Bewusstsein schaffen. Kinder müssen mit Respekt behandelt und als eigenständige Rechtssubjekte ernst genommen werden“, betonte die Landesvorsitzende.

 

Der Deutsche Kinderschutzbund setzt sich deshalb entsprechend Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention für eine stärkere Berücksichtigung und Beteiligung der Kinder in allen sie betreffenden Entscheidungen ein. Durch Beteiligung und Mitbestimmung erfahren Kinder und Jugendliche, dass ihre Meinung wichtig ist. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, sich zu engagieren sowie die eigenen Interessen mit sozial akzeptierten Mitteln zu äußern und zu realisieren. Beteiligung ist daher auch Gewaltprävention.

Die Weiterentwicklung aktiver Beteiligungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel eine Kindersprechstunde beim neuen Kieler Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer, wären für Irene Johns geeignete erste Maßnahmen. „Auf internationaler Ebene gibt es schließlich auch Fortschritte“, erinnerte Johns. „Das am 14.04.14 in Kraft getretene dritte Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention mit einem Beschwerdeverfahren für Kinder ist ein weiterer Schritt zu einer kinderfreundlicheren und -gerechteren Gesellschaft. Aber es ist noch ein langer Weg, den wir niemals aus den Augen verlieren dürfen. Denn nicht nur am Tag der gewaltfreien Erziehung, sondern an allen 365 Tagen des Jahres müssen wir uns unserer sozialen Verantwortung für Kinder bewusst sein!“

 

Seit 2000 ist die gewaltfreie Erziehung in Deutschland gesetzlich (Gesetz zur „Ächtung der Gewalt“) vorgeschrieben. Mit dem gleichnamigen Tag macht der Deutsche Kinderschutzbund seit 2004 alljährlich am 30. April bundesweit auf dieses Recht aufmerksam. Im Paragraph 1631, Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) heißt es: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Der Deutsche Kinderschutzbund Schleswig-Holstein ist die politisch unabhängige Lobby für Kinder. Er tritt für die Rechte und das Wohlergehen der Kinder ein. In Schleswig-Holstein engagieren sich im Kinderschutzbund über 3000 Mitglieder in 28 Orts- und Kreisverbänden.

 



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