05.10.2016 15:25

3. Rendsburger Fachtagung

Kinder psychisch kranker Eltern

Das Fetale Alkoholsyndrom

 

Rendsburg/KIEL Der dritte Teil der Fortbildungsreihe „Rendsburger Fachtagung: Kinder psychisch kranker Eltern“, die der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein und die imland-Klinik Rendsburg seit 2014 gemeinsam veranstalten, widmet sich heute (5. Oktober) Kindern mit dem Fetalen Alkoholsyndrom. Die Fachtagung im Hohen Arsenal in Rendsburg richtet sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe und der Frühen Hilfen und Kitas sowie an Ärztinnen und Ärzte, die werdende Mütter sowie Kinder und Jugendliche behandeln. Weit über 200 Fachleute folgten der Einladung von Kinderschutzbund und imland-Klinik, Abteilung für Psychiatrie und Psychosomatik.

 

Durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft kommen bundesweit in etwa 10.000 Kinder mit alkoholbedingten Schädigungen auf die Welt, davon sind schätzungsweise 2.000 Kinder in der schwersten Form vom Fetalen Alkoholsyndrom betroffen. Die Kinder sind ihr Leben lang körperlich und geistig schwerbehindert. Die Dunkelziffer wird deutlich höher vermutet, da Auffälligkeiten im Sinne fetaler Alkoholeffekte häufig nicht als solche – auch bei schwächerer Ausformung – diagnostiziert werden.

Rund 80 Prozent der betroffenen Kinder leben in Pflege- und Adoptivfamilien oder in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Nur ein Drittel kann später als Erwachsener selbstständig leben. Wegen der oft fehlenden Diagnose können Erziehende oder Pflegende nicht angemessen auf das besondere Verhalten der Kinder und Jugendlichen reagieren. Kinder und Jugendliche mit Fetalem Alkoholsyndrom gelten oft als sogenannte „Systemsprenger“, denn sie können sich wenig an Regeln halten, ihnen fehlt es an Abstraktionsvermögen, sie verfügen nur über ein eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis u.v.a.m.

„Für die Kinder und Jugendlichen und auch für die sie betreuende Fachkräfte oder Pflegeeltern bedeuten eine fehlende Diagnose und das damit verbundene gegenseitige Unverständnis einen ständigen, kräftezehrenden Ausnahmezustand. Mit dieser Fachtagung wollen wir auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen aufmerksam machen. Ziel muss es sein, dass auch diese Kinder die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Dafür sind mehr Infor-mation und Fortbildung für Fachkräfte und auch Pflege- und Adoptiveltern nötig“, erklärte Irene Johns, Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein, bei der Begrüßung.

„Gerade für die ‚Kinder psychisch kranker Eltern‘ ist eine enge Kooperation aller beteiligten Berufsgruppen dringend erforderlich. Aufklärung über die Krankheitsbilder und eine Vernetzung der Menschen, die sich für diese Kinder einsetzen, sind das Ziel unserer Veranstaltungsreihe“, erklärt Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin Psychiatrie und Psychosomatik an der imland Klinik Rendsburg. „Wir müssen so früh wie möglich ansetzen, um präventiv zu wirken. Das fetale Alkoholsyndrom wird durch Alkoholabstinenz verhindert und das müssen Frauen im gebärfähigen Alter wissen. Das Krankheitsbild FAS und seine Auswirkungen auf das soziale Umfeld sollten den Menschen, die mit den Kindern in Kindergärten, Schulen und Einrichtungen in Kontakt kommen gut bekannt sein, um diesen oft sehr schwierigen Kindern gerecht werden zu können. Im Erwachsenenalter wird die Diagnostik noch schwieriger und Menschen mit dieser Erkrankung werden nicht erkannt und entsprechend auch nicht gefördert. Wir hoffen, mit unseren Fachvorträgen zu einer weiteren Aufklärung über das Fetale Alkoholsyndrom beitragen zu können“, ergänzt die Chefärztin.

 

Die Hauptvorträge hielten Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr, Leiter FASD-Zentrum Berlin, und Ralf Neier, FAS-Beratungsstelle und Teamleitung Hof Seggert, Eylarduswerk e.V. Bad Bentheim.


(von links ): Ralf Neier, Irene Johns, Dr. Anna-Christina Schulz-Du Bois, Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr

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