30.09.2015 14:27

Fachtag

Hilfe und Unterstützung für  Kinder psychisch kranker Eltern

 

Rendsburg. Um die Versorgungssitutation für Kinder psychisch kranker Eltern in Schleswig-Holstein zu verbessern, veranstaltet der Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V. in Kooperation mit der imland Klinik Rendsburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychosomatik, heute eine große Fachtagung.  In Deutschland leben etwa 13 Millionen Kinder und Jugendliche. Rund 3 Millionen Kinder erleben im Verlaufe eines Jahres einen Elternteil mit einer psychischen Störung. Fast jedes vierte Kind hat also einen vorübergehenden, wiederholten oder dauerhaften psychisch erkrankten Elternteil.

 

Die Kinder von psychisch kranken Menschen haben ein besonders hohes Risiko, später selbst psychisch zu erkranken. Im Zusammenleben mit einem psychisch kranken Elternteil können sich bereits in der frühen Kindheit Beziehungsstörungen entwickeln. Die Kinder lernen die Verhaltensmuster der kranken Eltern und übernehmen diese für sich. In Stresssituationen haben sie oft viel weniger Ressourcen, auf die sie zurückgreifen können als Kinder gesunder Eltern. Dabei ist es nicht so sehr die jeweilige Diagnose des Elternteils, die einen Einfluss auf die psychische Entwicklung des Kindes hat, sondern vielmehr die Schwere und Chronizität der elterlichen Erkrankung. Je jünger das Kind bei Erkrankung der Eltern ist, desto stärker ist es dem Einfluss einer krankheitsbedingten Störung der Beziehung, bzw. der Kommunikation ausgesetzt, wenn Vater oder Mutter seelisch krank sind. Die Erkrankung der Hauptbezugsperson, in der Regel der Mutter, hat den stärkeren Einfluss auf das Baby.

 

Mit der Fachtagung „Kinder psychisch kranker Eltern“ haben sich der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein und die Psychiatrische Klinik der imland Klinik Rendsburg zum Ziel gesetzt, diese Kinder und ihre Bedürfnisse stärker in den Blick zu nehmen. In drei Vorträgen referieren am Mittwoch, 30. September 2015 im Hohen Arsenal in Rendsburg Prof. Dr. phil. Albert Lenz (Kath. Hochschule NRW/Paderborn), Katja Beeck (Gründerin der Initiative Netz und Boden für Kinder psychisch kranker Eltern/Berlin) und Magrit Stoll (Fachambulanz Kiel /  Lehrbeauftragte FH Kiel) jeweils aus ihrer Perspektive zum Thema. Die Veranstaltung, die der Information aber auch der Vernetzung dient, ist mit 250 angemeldeten Fachleuten ausgebucht. Teilnehmer sind Sozialpädagogen, Erzieher, Hebammen, Ärzte sowie Mitarbeiter von Jugendhilfe, Eingliederungshilfe.

 

Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin an der imland Klinik Rendsburg, Abteilung Psychiatrie und Psychosomatik, macht als Veranstalterin ihre Motivation sehr deutlich: „Es ist uns ein Anliegen, die professionellen Helfer, die mit psychisch kranken Eltern und ihren Kindern in Berührung kommen, zusammen zu bringen. Durch ihre Weiterbildung und Vernetzung soll die Versorgungssituation von betroffenen Eltern und Kindern verbessert werden, um psychische Erkrankungen der Eltern möglichst frühzeitig zu behandeln und Störungen bei den Kindern vorzubeugen.“

 

Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein veranstaltet seit 2007 Fachtagungen zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ und nutzt weitere Möglichkeiten, um dem Thema eine Öffentlichkeit zu geben. „Inzwischen weiß die Fachwelt in den Kliniken, Praxen und auch die Politiker in den Fachausschüssen der Parlamente, worum es für die Kinder geht: Um ihre psychische Gesundheit und ihre Entwicklungschancen“, stellt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein, fest. „Wir werden weiter daran arbeiten, dass es so bald wie möglich verlässliche Netze gibt, damit die Kinder die benötigte Hilfe und Unterstützung erhalten“, so Irene Johns weiter. Dafür setzt sich der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein nicht nur auf Landesebene, sondern auch auf Bundesebene ein. Er ist beteiligt an einem Antrag zur Einrichtung einer Sachverständigenkommission im Ausschuss für Familie und Gesundheit des Deutschen Bundestages, der sich mit dem Thema „Hilfen für Kinder und Familien mit psychisch kranken Eltern“ befassen soll.



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