26.08.2014 14:28

DKSB Kinderpolitisches Programm

Mit dem neuen „Kinderpolitischen Programm“ will der Deutsche Kinderschutzbund den Herausforderungen der Zukunft begegnen. Darauf wiesen jetzt Vertreter und Vertreterinnen der Landesverbände Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern anlässlich einer gemeinsamen Arbeitstagung in Schwerin hin.

 

In den letzten Jahrzehnten haben die gesellschaftlichen Entwicklungen auch die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen stark verändert. Dazu gehören die Medienwelt, die Familienstrukturen aber auch die Ökonomisierung aller Bereiche der Gesellschaft, die bis in die Kinderzimmer reicht. Viele Gesetze der Kinder- und Jugendhilfe wie auch das Familienrecht wurden weiterentwickelt. Die Kinderarmut hat in Deutschland ein erschreckendes Ausmaß erreicht.  Jedes fünfte Kind gilt als arm, jedes sechste Kind lebt von Leistungen auf Grundsicherungsniveau. 2,5 Millionen Kinder hatten 2013 Anspruch auf das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket. Viele Kinder und Jugendliche wachsen in gewaltbelasteten Verhältnissen auf, sie erleben familiäre Gewalt, außerfamiläre Gewalt und mediale Gewaltdarstellungen. Studien zeigen, dass Adipositas, psychische Erkrankungen und Allergien derzeit die häufigsten Gesundheitsrisiken für Kinder darstellen. „Auf alle diese Entwicklungen muss sich der Kinderschutzbund einstellen und als Lobby für Kinder aktuelle Antworten, Hilfen und Orientierungen geben“ so  Angelika Stiemer, Landesvorsitzende des Verbandes in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Maßgebliche Orientierung für eine parteiergreifende Kinder- und Jugendpolitik sind für den Kinderschutzbund natürlich die Kinderrechte. Im November jährt sich die Unterzeichnung der UN Kinderrechtskonvention zum 25. Mal. Auch Deutschland hat sich zu den besonderen Rechten der Kinder bekannt. „Das bleibt jedoch so lange ein Lippenbekenntnis, wie die Kinderrechte nicht auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland mit aufgenommen sind“, stellt Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein, fest.

 

Ein große Bedeutung misst das Kinderpolitische Programm des Kinderschutzbundes  dem Ausbau der Kindertagesbetreuung in Einrichtungen und in der Kindertagespflege bei. Das soziale, emotionale, körperliche und geistige Erleben ist auch bei Kindern untrennbar miteinander verbunden. Deshalb müssen Kinder nach Auffassung des Kinderschutzbundes in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege auch in allen vier Entwicklungsbereichen gleichermaßen gefördert werden. Die Kindertagespflege muss bei entsprechendem Qualitätsnachweis als Beruf anerkannt werden. Die Umsetzung des Rechtsanspruches auf frühkindliche Förderung für alle Kinder, die das erste Lebensjahr vollendet haben, hat vielerorts zwar zu einer Verbesserung des Platzzahlangebotes geführt. „Was auf der Strecke geblieben ist, ist der qualitative Ausbau der Kindertagesbetreuung“, bedauert der Kinderschutzbund „Dabei geht es nicht nur darum, wie die dafür zusätzlich erforderlichen Personalkosten zu finanzieren sind, sondern vor allem, wie die bundesweit fehlenden 120.000 zusätzlichen Fachkräfte rekrutiert werden können“, so Angelika Stiemer aus Rostock.

 

Bei der Umsetzung ihres neuen „Kinderpolitischen Programms“ werden die Landesverbände Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern künftig noch enger zusammenarbeiten. Darauf verständigten sich die Verantwortlichen der Verbände jetzt in Schwerin. „Bereits bei der NDR-Spendenaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“, die 2011 zu Gunsten des Kinderschutzbundes in Norddeutschland durchgeführt worden ist, haben die Verbände durch ihr gemeinsames Auftreten Stärke gezeigt“, erinnert sich der niedersächsische Landesvorsitzende Johannes Schmidt. „Ein wichtiges Zukunftsprojekt wird für uns die Intensivierung der gemeinsamen Ausbildung  von Kinderschutzfachkräften sein“, so Schmidt weiter.

 

Eine große Herausforderung ist für die Kinderschutzlobbyisten aber auch die Entwicklung von passgenauen Hilfs- und Beratungsangeboten für Kinder, Jugendliche und ihre Familien in den ländlichen Räumen. Trotz der demografischen Entwicklung muss auch hier der Kinderschutz künftig sichergestellt werden. Dabei gilt es, unter Beteiligung der Kinder, Jugendlichen und ihren Familien neue Konzepte zu entwickeln.



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