10.03.2016 11:44

Schutz vor sexuellem Kindesmissbrauch

Kinderschutzbund Schleswig-Holstein drängt auf Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Flüchtlingskindern vor sexuellen Übergriffen

KIEL Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein fordert besonderes Augenmerk auf den ausreichenden Schutz von Flüchtlingskindern vor sexuellem Missbrauch. „Wir dürfen auf keinen Fall wegsehen oder diese sensible Thematik verharmlosen“, mahnt die Landesvorsitzende Irene Johns. „Ein Drittel der Ankömmlinge in den in Erstaufnahmeeinrichtungen und Flüchtlingsunterkünften sind Kinder. Viele von ihnen sind traumatisiert oder zumindest hoch belastet durch die Fluchterfahrungen - das macht sie natürlich ganz besonders verletzlich und damit umso schutzbedürftiger“, betont Johns.

In diesem Zusammenhang sehe es der DKSB-SH kritisch, dass in Flüchtlingseinrichtungen Helfer, Wachpersonal und auch Bewohner oft viel zu leichten Zugang zu Flüchtlingskindern haben. „So ist es ein Leichtes, zu den Kindern Nähe aufzubauen - und diese Nähe kann leicht ausgenutzt werden und schlimmstenfalls in sexueller Gewalt enden“, gibt die Landesvorsitzende zu Bedenken. „Deshalb müssen hier dringend geeignete präventive Maßnahmen ergriffen werden, um die Kinder vor möglichen Übergriffen zu schützen – und zwar schnell! Dafür sind gesetzliche Vorgaben zur Gewährleistung von Mindeststandards zum Schutz der geflüchteten Kinder vor sexuellen Übergriffen unumgänglich“, fordert Irene Johns.

Der DKSB-SH verweise diesbezüglich auf Mindeststandards, die der unabhängige Beauftragte für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig bereits im Sommer 2015 eindeutig benannt habe. Dazu gehören zum Beispiel betreute Schutz- und Freizeiträume für Kinder, geschlechtergetrennte Sanitäranlagen, separate Unterbringung von Familien mit Kindern oder Informations- und Hilfsangebote in allen relevanten Sprachen, sowie die Bereitstellung von Ansprechpersonen, Beschwerdestellen und eines Notfallplans vor Ort[1].

Leider ist ein derartiger gesetzlicher Schutzstandard nicht in das Asylpaket II aufgenommen worden – ein schwerwiegendes Versäumnis gegenüber Kindern, die vor allem eins bei uns suchen: Schutz! Deshalb müssen wir umgehend tätig werden und durch verpflichtende Präventionsmaßnahmen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Flüchtlingsunterkünften sichere Orte schaffen “, erklärt Irene Johns.



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