04.12.2012 17:00

Ausgzeichnet

Pressemitteilung

Erfolgreiches Modellprojekt vor dem Abschluss

Weitere drei Sportvereine erhalten die Auszeichnung „Aktiver Kinderschutz im Sport“

Kiel. Der Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch muss in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gewährleistet sein – auch in Sportvereinen. Deshalb hat der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein in Kooperation mit der Sportjugend Schleswig-Holstein das Modellprojekt „Aktiver Kinderschutz im Sport“ entwickelt. Die Sportvereine können sich gezielt qualifizieren, um den Schutz ihrer jungen Mitglieder zu verbessern und mehr Handlungssicherheit für den Ernstfall zu erlangen. 

Heute sind in Kiel mit den Sportvereinen Ellerbeker TV von 1886 e.V.,  Kanu-Vereinigung Kiel e. V. und dem Kieler MTV von 1844 e.V. drei Vereine für ihre erfolgreiche Teilnahme an diesem Qualifikations-Programm ausgezeichnet worden. „Den Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch maßgeblich zu verbessern ist das, was wir erreichen wollen. Dafür beziehen wir Vorstände, Trainer und Mitglieder ein. Sie bekommen Orientierungshilfen an die Hand, um angemessen und umsichtig in Verdachtsfällen reagieren zu können“, fasste Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein zusammen. Das Beratungsteam entwickelte für die teilnehmenden Vereine individuelle Handlungs- und Präventionsstrategien, die Unsicherheiten abbauen und Orientierungshilfe geben sollen.

Mit der Kanu-Vereinigung Kiel e.V. hat sich erstmals auch ein Verein an der Qualifizierung beteiligt, der selbst betroffen war. Im Sommer 2012 wurde ein ehemaliger Trainer des Vereins wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener in drei Fällen und einem Fall von Kindesmissbrauch zu einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung verurteilt[1]. „Wir haben uns bewusst für ‚Aktiver Kinderschutz im Sport‘ entschieden, weil uns das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig ist und sie die Zukunft unseres Sports sind. Wir wollten auch die Chancen aus unseren gravierenden Erfahrungen nutzen, um unseren Verein zukunftsfest aufzustellen. Vor diesem Hintergrund war die Qualifizierung genau richtig für uns. Als neuer Vorstand sorgen wir für transparente Strukturen und Offenheit, um ein Klima des Vertrauens wachsen zu lassen.“, erklärte Mathias Weber, Vorsitzender der Kanu-Vereinigung Kiel e.V.

Das Zertifikat vermittelt außerdem Eltern mehr Transparenz und stärkt das Vertrauen in den Sportverein des Kindes. „Die Sportvereine und -verbände in Schleswig-Holstein übernehmen in vielfacher Weise Verantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Sie engagieren sich aktiv im Kinderschutz und verbessern durch eine „Kultur des Hinsehens“ den Schutz der Kinder und Jugendlichen“, erklärte Uta Prezewowsky, stellvertretende Vorsitzende der Sportjugend im Landessportverband Schleswig-Holstein. Zudem verwies sie darauf, dass dieses Modellprojekt ein wichtiger Baustein in ihrem Maßnahmenpaket zur weiteren Verbesserung des Kinderschutzes in den 2.700 Sportvereinen des Landes sei. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Entwicklung eines Präventionskonzeptes sei der Sportjugend dabei besonders wichtig.

Gefördert wird das Modellprojekt zum „Aktiven Kinderschutz im Sport“ vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein.

Im Rahmen des Projektes wurde zusammen mit den jugendlichen Mitgliedern ein Ampel-System entwickelt, das Krisensituationen vorbeugen soll. Die Ampel wird von Jugendlichen des Ellerbeker TV vorgestellt.

„Es macht mich sehr stolz, dass das kritische Thema „Kinderschutz“ bei uns im Verein von so vielen Mitgliedern so offen diskutiert wurde. Nur so können wir unsere jungen Mitglieder und unsere Übungsleiter schützen,“ erklärte der Vorsitzende des ETV Bernd Lensch.

„Eine unserer Trainerinnen hat sich sofort nach dem Workshop als Ansprechpartnerin für Jugendliche und andere Trainer in unserem Verein gemeldet. Sie wird in Zukunft die Empfehlungen praxisorientiert umsetzen“, freut sich Nadine Schlüter, 2. Vorsitzende des KMTV, über den ersten Erfolg.

Diese drei Qualifizierungen bilden den Schlusspunkt des erfolgreichen Modellprojektes „Aktiver Kinderschutz im Sport“. Eine Fachveranstaltung im kommenden Februar sowie eine Dokumentation werden die Ergebnisse des Projektes zusammenfassen. Alle Sportvereine in Schleswig-Holstein werden darauf Zugriff haben können. „Wir werden unsere Zusammenarbeit weiter fortsetzen“, sind sich Irene Johns und Uta Prezewowsky einig.

 

Ellerbeker Turnvereinigung

Die Ellerbeker Turnvereinigung von 1886 e.V. ist mit ca. 1800 Mitgliedern in 19 Abteilungen der viertgrößte Sportverein in Kiel. Unser Jugendanteil liegt bei ca. 25% die hauptsächlich in den Abteilungen Turnen, Handball, Schwimmen, Tennis und Musik zu finden sind. http://www.etv-kiel.de/

Der Kieler Männerturnverein

Mit etwa 7000 Mitgliedern größter Verein Schleswig Holsteins -  betreut  in der Altersgruppe 1-18 Jahre ca. 1500 Kinder und Jugendliche in den verschiedensten Sportarten. Ausführliche Informationen bekommt man unter www.kmtv.de oder 0431-554536.

Kieler Kanuvereinigung

164 Mitglieder, davon 36 Jugendliche
Sparten: Kanupolosport, Kanu-Wandersport mit Schwerpunkt Seekajak
Wir trainieren und paddeln das ganze Jahr hindurch. Möglichkeiten zum Probepaddeln ab Mitte Mai.
Mehr Informationen unter http://www.kv-kiel.de
Ansprechpartnerin beim Kinderschutzbund Schleswig-Holstein:
Nina Becker, Geschäftsführerin
Tel: 0431/805249, mobil: 0160-94933158

 

Ansprechpartner bei der Sportjugend Schleswig-Holstein:
Carsten Bauer, Geschäftsführer
Tel: 0431/6486-121 o. 0172-4143080

 

Ansprechpartner für Medien im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein:
Christian Kohl, Pressesprecher
Tel: 0431/988-5317


[1] Quelle: http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/urteil251.html.



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