08.03.2017 07:36

Armutsbericht

Kinderschutzbund Schleswig-Holstein kritisiert steigende Armutszahlen

 

KIEL Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein ist bestürzt über den anhaltenden Anstieg der Armut in Deutschland. Laut aktuellem Bericht des Paritätischen Wohl-fahrtsverbandes, bei dem auch der Deutsche Kinderschutzbund zu den Herausgebern zählt, hat die Armut sogar einen neuen Höchststand von 15,7 Prozent erreicht. „Es ist eine äußerst alarmierende Entwicklung, dass die Armut trotz guter Wirtschaftslage und sinkender Arbeitslosenzahlen bei den bekannten Risikogruppen kontinuierlich steigt“ warnt die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Irene Johns. „44 Prozent der Alleinerziehenden und 25 Prozent der kinderreichen Familien sind inzwischen betroffen – und damit natürlich vor allem auch ihre Kinder. Als Heranwachsende sind sie nicht allein in der Lage, die Armut abzuwenden. Das ist die Aufgabe der Politik – eine Aufgabe, die endlich besser gelöst werden muss“, bemängelt Johns.
Angesichts der schwerwiegenden Folgen, die das Aufwachsen in Armut nach sich ziehen kann, sei eine nachhaltige Gesamtstrategie von Bund, Ländern und Gemeinden zur Bekämpfung von Kinderarmut laut der Landesvorsitzenden mehr als überfällig. „Arme Kinder sind häufiger in ihrer körperlichen und gesundheitlichen Entwicklung beeinträchtigt. Hinzu kommt oft auch noch die soziale Isolation, da sie von der soziokulturellen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen sind. Sie haben schlechtere Chancen auf einen guten Bildungsabschluss und damit langfristig schlechtere Berufsaussichten“, führt die Kinder- und Jugendpsychologin aus. „Ein Teufelskreis, denn aus armen Kindern werden so arme Erwachsene und irgendwann dann arme Eltern. Das muss endlich ein Ende haben“, so Johns.
Im Hinblick auf ein gutes Aufwachsen mit gleichwertigen Zukunftschancen für alle Kinder drän-ge der Kinderschutzbund schon lange auf die Einführung einer transparent berechneten und bedarfsgerechten Kindergrundsicherung. Darüber hinaus sei aber auch die Schaffung von bildungsgerechten Rahmenbedingungen ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Armut, betont die Landesvorsitzende. „Um Bildungsgerechtigkeit zu erlangen, brauchen wir die Kostenfreiheit aller Bildungseinrichtungen von der Krippe bis zur Hochschule“, fordert Johns. „Das beinhaltet auch die realen Schulkosten, die zurzeit noch durchschnittlich fast das Zehnfache der jährlichen Hilfen für den persönlichen Schulbedarf aus dem Bildungs- und Teilhabepaket betragen“, sagt Irene Johns. Chancengerechtigkeit erreiche man nur durch tatsächliche Lernmittelfreiheit, mahnt die Kinderschützerin. „Wir müssen endlich handeln – denn je länger ein Kind in Armut lebt, desto schwerwiegender sind laut Studien die Auswirkungen“, mahnt Irene Johns.



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